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Entfesselt

von Gabriel Weber

Ein weiteres „wahres Märchen“:

Es war einmal ein Mann namens Erich Weiss. 1874 als Sohn eines Rabbiners in Budapest geboren, kam er schon früh mit seiner Familie nach Amerika. Dort begann Erich seine Karriere als Zeitungsverkäufer und Fabrikarbeiter. Doch schon bald entdeckte er das Showbusiness, genauer gesagt die Entfesselungskunst, worin er es fast bis zur Perfektion brachte. Handschellen, Zwangsjacken, Särge, Fässer, Gefängniszellen… nichts konnte ihn halten. Das Publikum war begeistert. Erichs Spezialität, mit der er sein (bis dahin ein bisschen langweiliges) Metier revolutionierte, bestand darin, dass er immer sensationellere und noch sensationellere Showeffekte in seine Kunststücke einbaute: Ein Sprung in die Elbe, selbstverständlich fachmännisch gefesselt – kopfüber aus einem New Yorker Wolkenkratzer hängend – in Philadelphia in einen grossen Fussball gequetscht… Dabei betonte er stets, seine Kunst beruhe lediglich auf körperlicher Gewandtheit, da sei nichts Übernatürliches oder Übersinnliches dabei (wohlgemerkt zu einer Zeit, als Spiritismus und Okkultismus gerade sehr in Mode waren). Als Entfesselungskünstler wurde Erich weltberühmt, sein (Künstler-)Name ist bis heute ein Begriff geblieben. Er lebte voll und ganz für seine Kunst; jeden Tag absolvierte er ein hartes Training (zu dem auch die Bekämpfung seiner Angst gehörte) und nutzte jede, aber auch wirklich jede Gelegenheit zur Publicity. Der Film bot ihm eine willkommene Möglichkeit, sein Können vor einem noch grösseren Publikum zu zeigen. Erich, der übrigens nach jeder Tournee auf den Friedhof ging und seiner verstorbenen Mutter von seinen Erlebnissen erzählte, starb am 31. Oktober (also an Halloween) 1926 in Detroit.

Seinen Künstlernamen setzte Erich Weiss aus den Namen der Zauberkünstler Harry Kellar und Robert-Houdin zusammen: Harry Houdini. Von diesem legendären Entfesselungskünstler und Showman (und von anderen Vertretern dieses Gewerbes) erzählt Alexander Adrion in seinem Buch Die Kunst zu Zaubern. Ein einziges Mal musste Houdini kapitulieren: Während er in einem Hotel in Kansas City gerade telefonierte, schloss ein Witzbold die Tür der Telefonzelle ab…

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