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Archiv vom Januar, 2016

28. Januar 2016

Krabat und Hotzenplotz

by Julia S.

Was ist ein Krabat? Der 14-jährige sorbische Waisenjunge Krabat tritt eine Lehrstelle in einer Mühle im Koselbruch an. Die Mühle stellt sich jedoch schon nach kurzer Zeit als eine „Schwarze Schule“ heraus, in der der Müllermeister jeweils zwölf Mühlknappen in der Schwarzen Kunst unterrichtet. Das gefällt dem jungen Krabat zuerst. Um dem Meister die Stirn bieten zu können, übt Krabat sich in der Schwarzen Kunst und wird schließlich zum besten Schüler. Doch Tonda sein Mitgeselle stirbt auf mysteriöse Art und Weise am Ende der ersten der drei Jahre, die Krabat in der Mühle verbringt, und ein neuer Lehrjunge nimmt zu Jahresbeginn seinen Platz ein. Auch nach Ablauf des zweiten Jahres stirbt ein weiterer Geselle bei einem rätselhaften Unfall und wird durch Krabats Freund Lobosch ersetzt. Krabat durchschaut erst nach und nach das furchtbare Spiel, dessen Teil er geworden ist: Der Meister…

Vier bedeutende Auszeichnungen hat „Krabat“ erhalten; die Kritik hob den Roman als Otfried Preußlers bedeutendstes Werk hervor, der hier Motive der Volkssage zu einer Geschichte von unheimlicher Spannung verwoben hat, die Jugendliche wie Erwachsene gleichermaßen zu fesseln versteht. Die klare, einfache Sprache und die überlegene Komposition dieser Geschichte vom magischen Spiel um die Freiheit eines Menschen verleihen ihr Eindringlichkeit und hohen literarischen Rang. Und mehr spannendes stammt aus der Feder dieses Autors – wer kennt sie nicht die bekannten Geschichten vom ‚Kleinen Wassermann‘ –  mit den Schwimmhäuten zwischen seinen Zehen und seinem Karpenfreund, der ‚Kleinen Hexe‘ – mit ihrem Raben Abraxas und ihrem sehnlichsten Wunsch auf dem Blocksberg mit den grossen Hexen zu tanzen, vom ‚Räuber Hotzenplotz‘ – dem gerissenen Räuber, dem schlauen Kasperl und seinem Freund Seppel, der Grossmutter mit ihrem Zwicker auf der Nase, dem lustigen Polizist Alois Dimpfelmoser und dem Zauberer Petrosilius Zwackelmann, dem ‚Kleinen Gespenst‘ – mit seinem Wunsch einmal bei Tageslicht die Welt zu sehen doch eines Tages… und ‚Neues vom Räuber Hotzenplotz‘! Otfried Preußler stammte aus Nordböhmen, wo seine Vorfahren seit dem 15. Jahrhundert als Glasmacher im Vorland des Iser- und Riesengebirges ansässig waren. Sein erstes Buch, „Der kleine Wassermann“, schrieb Otfried Preußler 1956. Neben vielen anderen Auszeichnungen für seine Arbeit erhielt er auch den Deutscher Jugendliteraturpreis (1972), Polnischer Jugendbuchpreis (1972), Europäischer Jugendbuchpreis (1973), Silberner Griffel von Rotterdam (1973), Aufnahme in die Ehrenliste der amerikanischen Büchereien, Jugendbuchpreis des polnischen Verlegerverbandes (1977), Auswahlliste des Internationalen Preis der jungen Leser (2008). Als Kind sind die Autoren nicht so wichtig. Erst mit den Jahren wird mir bewusst, welch grossartige Erzählungen dieser Autor verfasst hat. Durch alle genannten Geschichten zog sich intensiv meine Kindheit und Jugend unmerklich aber am Autor vorbei.

28. Januar 2016

Herrn Langs Brieftasche

by Gabriel Weber

Josef Lang, der letzte Scharfrichter der Donaumonarchie Österreich-Ungarn, trug in seiner Brieftasche stets Fasern von den Stricken bei sich, mit denen er Leute gehängt hatte. Er hatte einen Beruf, den es heute (zumindest bei uns) nicht mehr gibt. Weitere solche Berufe lernt man in Rudi Pallas Buch Von Sesselträgern, Drahtziehern und Lustfeuerwerkern kennen.

Ein Perückenmacher machte Perücken, das ist klar. Auch die Tätigkeiten von Korbflechtern, Zeltmachern, Büchsenschmieden und Färbern erklären sich einigermassen von selbst. Aber wissen Sie beispielsweise, was ein Plattner tat? Er fertigte Harnische an, Plattenharnische, die ab 1400 Ring- und Kettenpanzer ersetzten. Die Arbeit eines Lustfeuerwerkers hatte nichts Obszönes an sich, sondern bestand in der Aufführung von Feuerwerken bei festlichen Anlässen. Dienstmänner schleppten noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein, besonders in Wien, auf Bahnhöfen Koffer und Taschen von Reisenden. Abdecker, die für das Töten von Tieren und das Vernichten von Tierkadavern zuständig waren, hatten einen ähnlich schlechten Ruf wie Rosstäuscher, also Pferdehändler, die (nicht immer zu Unrecht) oft unter dem Generalverdacht des Betrugs standen.

Ein ziemlich delikates Gewerbe hatten die Abtrittanbieter: Zu einer Zeit, als es zwar noch keine öffentlichen Toiletten gab, die Leute aber trotzdem schon mussten, boten sie zahlenden Kunden Eimer und Deckung zum Urinieren (kein Witz!)…

27. Januar 2016

Lady Cottingtons gepresste Elfen

by Julia S.

‚Lady Cottingtons geheimer Taschenbuchkalender‘ beherbergt eine Vielzahl fröhlicher Elfen. Und wie im Eingang zu lesen ist: „In eigener Sache“: Auf Wunsch der KGVGE (Königliche Gesellschaft zur Verhütung von Grausamkeiten gegenüber Elfen) erklärt der Verlag hiermit ausdrücklich, dass bei der Herstellung des vorliegenden Buches Elfen weder zu Tode noch sonstwie zu Schaden kamen. Die Elfenbilder im Buch sind parapsychologischen Ursprungs. Da es in der Vergangenheit ein oder zwei bedauerliche Unglücksfälle gab, legt die KGVGE Wert auf die Feststellung, dass die auf den folgenden Seiten präsentierten Elfen eine Möglichkeit fanden, sich pressen zu lassen, ohne dabei Schaden zu nehmen. Tatsächlich wurde dies dann als Elfische Sportübung anerkannt und galt somit als Qualifikation für den Wettbewerb um die Stachelbeer-Medaille bei der (alle tausend Jahre veranstalteten) Elfen-Olympiade 1921.

Und in der „Kurze Bemerkung zum Taschenkalender“: Dem menschlichen Betrachter wird die Menge der elfischen Gedenk-, Fest- und Jubeltage vielleicht recht gross erscheinen. In der Tat gibt es vergleichsweise wenige Tage, an denen nicht irgendetwas gefeiert wird. Im Gegensatz zu den Menschen ist für Elfen das Vergnügen wichtiger als „Geldverdienen“, der „Ernst des Lebens“ oder „Ehre“ und „Anerkennung“. Elfen halten derlei schlicht und ergreifend für dummes Zeug. Aus diesem Grunde weist der Elfenkalender nur wenige Tage auf, die nicht mit irgendeiner Festivität verbunden sind. Zugegeben, von Elfen habe ich keine Ahnung, trotzdem dürfte es interessant sein sich in diesen Kalender einzulesen. Spektakulär – wer wünscht sich nicht so viele Feiertage im Jahr!

 

26. Januar 2016

Es war einmal und wenn sie nicht gestorben sind

by Gabriel Weber

A propos Gebrüder Grimm (Blog vom 21. Januar): Der blosse Name der beiden Herren ist im deutschsprachigen Raum der Inbegriff des Märchens. Wer sich näher mit der Materie befassen möchte, dem empfehle ich Vom Menschenbild im Märchen. Hierbei handelt es sich um eine Publikation der 23. Internationalen Tagung der Europäischen Märchengesellschaft von 1980.

Warum spielen Könige oft so eine wichtige Rolle in Märchen? Das hat mit der unabänderlichen Faszination zu tun, die das Königtum nach wie vor auf die Menschen ausübt und die sich zum Beispiel in Metaphern äussert (man sagt „Der Kunde ist König“ nicht etwa „Der Kunde ist Präsident“). Was bedeutet es, dass Schneewittchens Stiefmutter einen Spiegel besitzt (also etwas, das ja eigentlich sie selbst reflektiert), der nicht nur redet, sondern sogar mehr weiss als sie? Wodurch unterscheiden sich die zahllosen Aschenputtel-Variationen – und welche Gemeinsamkeiten haben sie? Bei Aschenputtel geht es auch um das Finden, das Wiedererkennen einer Person – ein verbreitetes Märchenmotiv, aber wieso? Wie Aschenputtel existiert auch das Märchen vom Fischer und seiner Frau in vielen verschiedenen Fassungen. Ist das Thema der Unersättlichkeit so universell?

Wie der Titel schon sagt, geht es hier um den Menschen im Märchen, seine Gedanken, seine Empfindungen, seine Entwicklung. Genau das macht dieses Buch spannend.

21. Januar 2016

Der Köbi und der Willi

by Gabriel Weber

Sie sind zweifellos das berühmteste Brüderpaar der deutschen Literaturgeschichte: Jakob und Wilhelm Grimm. Die beiden Gelehrten und Märchensammler sind die Hauptpersonen in dem Roman Die Winterprinzessin von Kai Meyer.

Im Januar 1813 ist Wilhelm Grimm auf dem Weg nach Karlsruhe, wo ihm – auf Empfehlung Goethes – am grossherzoglichen Hof eine Stelle als Erzieher in Aussicht steht. Sein Bruder Jakob begleitet ihn, um in Baden Märchen zu sammeln. Unterwegs machen die Grimms die Bekanntschaft der indischen Prinzessin Jade (immerhin waren Inder in Deutschland damals noch eine absolute Rarität) und erleben auch sonst einige merkwürdige Dinge. In Karlsruhe teilt Minister Dalberg den Brüdern mit, das fragliche Kind sei plötzlich gestorben. Der Posten des Hauslehrers solle aber trotzdem besetzt werden. Wozu? Ist das Kind nun tot oder nicht? Bald stossen Wilhelm und Jakob auf weitere Fragen: Warum laufen plötzlich massenweise Inder im Grossherzogtum Baden herum? Was haben sie mit dem angeblich gestorbenen Kind des Grossherzogs am Hut? Warum will Gräfin Hochberg die beiden Grimms aus Karlsruhe vertreiben? Was hat Napoleon mit der Sache zu tun? Welche Rolle spielt der dubiose Doktor Hadrian? Und dieser Engländer Stanhope, was ist mit dem?

In seiner Version der Kaspar-Hauser-Geschichte vermischt der Autor Geschichte und Fiktion zu einem regelrechten Thriller.

19. Januar 2016

Vollgas!

by Gabriel Weber

„Bond. James Bond.“ Diese Worte sind in die Filmgeschichte eingegangen. Erfunden wurde der weltberühmte Geheimagent 007 von Ian Fleming. Viel weniger bekannt sind hingegen seine Geschichten um das Auto Tschitti-tschitti-bäng-bäng.

Tschitti-tschitti-bäng-bäng – Automobil, Motorboot und Flugzeug in einem und auch sonst voller Überraschungen (so genannt wegen des Motorengeräuschs) – ist eine Erfindung von Karaktakus Pott. Dieser unternimmt eines Tages mit seiner Frau sowie den Kindern Julius und Juliane eine Fahrt über den Ärmelkanal nach Frankreich hinüber. In der Nähe von Calais entdeckt die Familie per Zufall ein riesiges Waffen- und Sprengstofflager, das offenbar einem Gangster gehört, der als „Unhold Joe“ bekannt ist. Die Potts legen eine Zündschnur und jagen das ganze Arsenal in die Luft – wodurch sie natürlich den Zorn des Besitzers auf sich ziehen. Unhold Joe und seine finsteren Spiessgesellen entführen die beiden Kinder aus einem Hotel in Calais. Selbstverständlich nehmen die Eltern sofort die Verfolgung auf, tatkräftig unterstützt von ihrem motorisierten Wunderwerk…

Im Allgemeinen habe ich ja etwas gegen diese Automobil-Erotik – aber Tschitti-tschitti-bäng-bäng ist wirklich etwas ganz besonderes. Empfehlenswert ist das Buch Tschitti-tschitti-bäng-bäng. Die neuen Abenteuer des Wunderautos für alle, die den vierrädrigen Tausendsassa bereits kennen – und sich nicht von der Tatsache stören lassen, dass man Personennamen eigentlich nicht übersetzen sollte.

14. Januar 2016

Königlich böhmische Religion

by Gabriel Weber

Dass Josef und Maria damals mit dem Jesuskind aus Bethlehem nach Ägypten geflohen sind, das ist bekannt. Aber haben Sie gewusst, dass sie auf ihrer Flucht auch das Königreich Böhmen durchquert haben? Davon erzählt Otfried Preussler in seinem Buch Flucht nach Ägypten. Königlich böhmischer Teil.

Auf der Flucht vor den Schützen und Dragonern des Königs Herodes, die dem kleinen Jesus den Garaus machen wollen, gelangt die Heilige Familie nach Böhmen (die Landkarte sah damals eben noch anders aus als heute). Allerdings hat König Herodes bereits an Seine apostolische Majestät den Kaiser Franz Joseph in Wien telegrafiert und ihn um Rechtshilfe gebeten; der Kaiser leitet das Gesuch nach Prag weiter, wo Hofrat Dr. Johann Nepomuk Wottruba Ritter von Treuenfels die Sache in die Hand nimmt. Auch der k. k. Bezirkshauptmann Freiherr von Webern, die k. k. Bezirkskommissäre Czirnich und Doskocil, der k. k. Finanzwach-Oberaufseher Schübl, der k. k. Finanzwach-Unteraufseher Behounek und andere k. k. Mannsbilder sind an der Aktion beteiligt. Die böhmische Bürokratie gibt sich alle Mühe, die Reisenden dingfest zu machen – gelenkt, ohne es zu wissen, von der Geschäftsleitung der Hölle, welche die Flucht nach Ägypten vereiteln möchte. Aber natürlich ist auch die Konkurrenz im Himmel nicht untätig, da es ja schliesslich um den Sohn des Chefs geht.

In wunderbarer böhmischer Mundart vermischt Preussler biblische Geschichte und historische Donaumonarchie. Gerade das Anachronistische (etwa, wenn Josef, Maria und Jesus in einer Kirche Rast machen und dort von einer Gruppe böhmischer Heiliger begrüsst werden) ist es, was dieses Buch so reizvoll macht.

12. Januar 2016

Hoch Moral, sie lebe hoch!

by Gabriel Weber

Der (sic!) hochWohlgebohrnen Fräulein, Fräulein Juliana Augusta von Bunau, als einer besondern Liebhaberin der Tugend, der Wahrheit, der Musik und aller freyen Künste… dieser und noch anderen Damen widmete Lorenz Mizler mit unterthäniger Ergebenheit seine Sammlungen auserlesener moralischer Oden aus dem 18. Jahrhundert.

Erweise, dass dich nicht die Ehre, nicht Gold, nicht Silber blenden kan, Ja zeige, dass die Tugend-Bahn Allein Zufriedenheit gewehre„. „Mein Vergnügen heisst auf Erden, ein vertrauter Freund allein: Wenn ich den kan habhaft werden, So stimmt Herz und Lippen ein, Und die Losung ist das Pfand: Freundschaft ist das schönste Band„. „Blitz, Donner und Carthaunen-Knall, Ist was mein Herz vergnüget, Und wenn die Kugel überall, In Lüften pfeift und flieget, So bin ich schon erfreut. Wenn viel tausend Bomben donnern Und des Feindes Mauern krachen, Kan ich mir Vergnügen machen„. So geht es weiter: Entsagung der Eitelkeit. Verachtung der Eitelkeit. Die ZufriedenheitDie Grossmüthige Unschuld. Von der Selbst-Zufriedenheit. Das Lob der edlen FreyheitDass die Freyheit besser sey, als wenn man sich verliebe. Diese und andere hochgradig moralische Oden kann man, mit Text und Noten, in Faksimile nachlesen – und sie sich zu Herzen nehmen (ausgenommen die Kugeln und Bomben natürlich, siehe oben)! Lorenz Christoph Mizler (1711-1778) war ein deutscher Musikwissenschaftler, der zunächst in Leipzig, dann später in Polen lebte. Er hat diese Oden übrigens grösstenteils nicht selber gedichtet, sondern Verse anderer Autoren (wie Johann Christoph Gottsched oder Johann Christian Günther) vertont.

Hach, was fühle ich mich doch moralisch gestärkt und erbaut nach dieser Lektüre (trotz der abenteuerlichen Rechtschreibung)!

7. Januar 2016

Entfesselt

by Gabriel Weber

Ein weiteres „wahres Märchen“:

Es war einmal ein Mann namens Erich Weiss. 1874 als Sohn eines Rabbiners in Budapest geboren, kam er schon früh mit seiner Familie nach Amerika. Dort begann Erich seine Karriere als Zeitungsverkäufer und Fabrikarbeiter. Doch schon bald entdeckte er das Showbusiness, genauer gesagt die Entfesselungskunst, worin er es fast bis zur Perfektion brachte. Handschellen, Zwangsjacken, Särge, Fässer, Gefängniszellen… nichts konnte ihn halten. Das Publikum war begeistert. Erichs Spezialität, mit der er sein (bis dahin ein bisschen langweiliges) Metier revolutionierte, bestand darin, dass er immer sensationellere und noch sensationellere Showeffekte in seine Kunststücke einbaute: Ein Sprung in die Elbe, selbstverständlich fachmännisch gefesselt – kopfüber aus einem New Yorker Wolkenkratzer hängend – in Philadelphia in einen grossen Fussball gequetscht… Dabei betonte er stets, seine Kunst beruhe lediglich auf körperlicher Gewandtheit, da sei nichts Übernatürliches oder Übersinnliches dabei (wohlgemerkt zu einer Zeit, als Spiritismus und Okkultismus gerade sehr in Mode waren). Als Entfesselungskünstler wurde Erich weltberühmt, sein (Künstler-)Name ist bis heute ein Begriff geblieben. Er lebte voll und ganz für seine Kunst; jeden Tag absolvierte er ein hartes Training (zu dem auch die Bekämpfung seiner Angst gehörte) und nutzte jede, aber auch wirklich jede Gelegenheit zur Publicity. Der Film bot ihm eine willkommene Möglichkeit, sein Können vor einem noch grösseren Publikum zu zeigen. Erich, der übrigens nach jeder Tournee auf den Friedhof ging und seiner verstorbenen Mutter von seinen Erlebnissen erzählte, starb am 31. Oktober (also an Halloween) 1926 in Detroit.

Seinen Künstlernamen setzte Erich Weiss aus den Namen der Zauberkünstler Harry Kellar und Robert-Houdin zusammen: Harry Houdini. Von diesem legendären Entfesselungskünstler und Showman (und von anderen Vertretern dieses Gewerbes) erzählt Alexander Adrion in seinem Buch Die Kunst zu Zaubern. Ein einziges Mal musste Houdini kapitulieren: Während er in einem Hotel in Kansas City gerade telefonierte, schloss ein Witzbold die Tür der Telefonzelle ab…

5. Januar 2016

Im Frühtau zu Berge wir ziehn, fallera…

by Gabriel Weber

Die Schweiz ist bekanntlich ein Land der Berge. Heidi und der sich rötende Alpenfirn sind feste Bestandteile unseres nationalen Bewusstseins. Folglich sind auch Bergsteiger bei uns eine bekannte Erscheinung. Jetzt bei buchplanet.ch: Die fidele Kletterzunft. Allerlei Heiteres und Boshaftes gereimt, ungereimt und nach Noten von Hans Schwanda und Paul Wertheimer.

Unter den Gipfelakrobaten dieser Welt gibt es zum Beispiel den Naturschänder („Was er sieht, wird ausgerissen / nachher wieder weggeschmissen“ (…) „Bei den stolzen Gipfelmalen / deponiert er Eierschalen„), den Gipfelfresser („Jede Viertelstunde nutzend / kraxelnd, rennend immerzu, / stürmt die Gipfel er im Dutzend / ohne Rast und ohne Ruh“ (…) „Wie sie aussehn, seine Ziele, / ist vergessen bis ins Tal, / nur recht viele, nur recht viele, / alles andre ist egal.„) und den Pedanten („Sei es auf der langen Reise, / sei ’s beim Klettern, sei ’s im Eise, / eines bleibt im stets erhalten: / seine glatten Bügelfalten.„). Ferner gibt es die Touristen, die pro Person mindestens zehn Schutzengel beschäftigen und grundsätzlich sämtliche Warnungen und Markierungen missachten. Bei einer Bergtour ist es sehr wichtig, dass man Leute mit dem richtigen Tierkreiszeichen mitnimmt – manche Kombination könnte sich an der steilen Wand rächen! Auch die Sexualität spielt beim Gipfelstürmen eine sehr bedeutende Rolle, die man auf keinen Fall vernachlässigen sollte. Eine Berufskrankheit vieler Bergsteiger ist die Expeditionitis; sie kann nur durch das Besteigen eines Achttausenders geheilt werden, eine Himalaja-Expedition gehört unter eingefleischten Seil-und-Haken-Artisten heute längst zum guten Ton. Für uns Schweizer besonders interessant: „Das Matterhorn, das Matterhorn / ist fotogen, zumal von vorn. / Man knipst es gerne in Color / mit See, mit Kuh, mit Frau davor“ (…) „du wirbst für Ski und Lebertran / und für die Schweizer Bundesbahn / für Schokolade, Armbanduhren, / für Sanddornsaft auf Klettertouren, / für Suppennudeln, Perlonseile, / für Bücher gegen Langeweile. / Was lockte uns zum Käse-Kauf, / wär nicht das Matterhorn darauf?

So, und jetzt Alle mitsingen: Wenn wir erklimmen schwindelnde Höhen…