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Archiv vom 15. Oktober 2015

15. Oktober 2015

Auf Bilderjagd

by Gabriel Weber

Eines der weniger bekannten Werke von Erich Kästner trägt den etwas umständlichen Titel Die verschwundene Miniatur oder auch Die Abenteuer eines empfindsamen Fleischermeisters (erstmals erschienen 1936). Doch ob bekannt oder weniger bekannt: bei buchplanet.ch findet man (fast) alles.

Der besagte empfindsame Fleischermeister ist Oskar Külz aus Berlin. Er ist nicht nur selbst Fleischer, sondern auch Enkel, Sohn, Bruder, Schwiegersohn, Vater und Schwiegervater von Fleischern. Dieses Oberhaupt einer ganzen Fleischer-Dynastie (Geschäft in der Yorckstrasse) brennt eines Tages von zuhause durch und fährt, ohne Wissen seiner Frau Emilie, kurzerhand nach Kopenhagen. Dort macht Külz die Bekanntschaft einer jungen Dame namens Irene Trübner (übrigens, wie sich herausstellt, eine Kundin seines Sohnes Otto), die ihn um Hilfe bittet: Ihr Arbeitgeber, Herr Steinhövel, ein bekannter Kunstsammler, hat in Kopenhagen kürzlich ein wertvolles Miniaturgemälde von Hans Holbein ersteigert. Und dieses Kunstwerk soll Irene nun nach Berlin bringen. Da sie jedoch – und nicht zu Unrecht, wie sich bald zeigen wird – Angst vor Dieben hat, bittet sie „Papa“ Külz, die Miniatur unauffällig in seinem Koffer zu transportieren. Bei ihm werden die potentiellen Diebe einen solchen Wertgegenstand bestimmt nicht vermuten! Der Fleischer und Irene reisen also ab; und von da an geht’s rund. Ganz verschiedene Leute scheinen hinter dem Holbein her zu sein. Da ist ein junger Mann namens Rudi Struve, der eifrig mit Irene flirtet; dann ein gepflegter älterer Herr mit Brille und Bart, ein angeblicher Professor Horn; und noch mindestens ein halbes Dutzend weiterer Figuren, eine verdächtiger als die andere. Die Miniatur wechselt mehrmals den Besitzer und als dann auch noch eine Kopie auftaucht, wird die Sache erst recht kompliziert. Ob Herr Steinhövel wohl jemals zu seinem Holbein kommt? Und was wird Frau Emilie Külz sagen, wenn ihr Mann endlich wieder zuhause ist?

Kästners Humor ist auch in diesem Buch, einer Mischung aus Schwank und Krimi, sehr erfrischend.