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Lorenzos Sterben

von Gabriel Weber

Thomas Mann (1875-1955), Literaturnobelpreisträger des Jahres 1929, Autor von Romanen und Erzählungen wie den Buddenbrooks und dem Tod in Venedig, hat in jungen Jahren einmal ein Theaterstück verfasst: Fiorenza. Darin erzählt er von den letzten Stunden im Leben Lorenzos des Prächtigen.

Careggi bei Florenz, am 8. April 1492: Während Lorenzo de‘ Medici, genannt il Magnifico, im Sterben liegt und in Florenz der religiöse Eiferer Savonarola predigt, machen sich die Künstler und Gelehrten in der Umgebung der Medici ernsthafte Sorgen um die Zukunft. Lorenzo, ein grosser Mäzen, hat sie immer grosszügig gefördert, aber was soll aus ihnen werden, wenn er stirbt? Und was wird aus Florenz, dieser Hauptstadt der Renaissance-Kultur? Lorenzos zweiter Sohn, der charmante und beliebte Giovanni, mit seinen siebzehn Jahren bereits Kardinal, weiss ganz genau, was von ihm erwartet wird: nicht mehr und nicht weniger als die Tiara (eine Erwartung, die der zukünftige Papst Leo X. 21 Jahre später tatsächlich erfüllen wird). Aber sein älterer Bruder Piero, der Lorenzos Nachfolge als Herrscher von Florenz antreten soll, gibt nicht gerade viel Anlass zur Hoffnung. Und dann erscheint plötzlich der Erzfeind der Medici in Careggi, Girolamo Savonarola, der Prior von San Marco höchstpersönlich. Lorenzos Geliebte Fiore, gewissermassen Florenz in Person, hat ihn herbestellt. Was wird geschehen, wenn die beiden Männer aufeinander treffen?

Ich weiss nicht, ob Fiorenza überhaupt jemals auf einer Bühne aufgeführt worden ist. Aber als Kuriosität (Bühnenwerk eines Autors, der nun wirklich nicht als klassischer Theaterdichter gilt) ist es auf jeden Fall lesenswert. Wie in seinen Romanen ist Thomas Manns Sprachstil auch hier unverkennbar.

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