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Schadenfreude ist die schönste Freude

von Gabriel Weber

Die deutsche Sprache ist reich an Wörtern, die ursprünglich aus dem Lateinischen, dem Französischen, dem Englischen oder aus anderen Sprachen stammen (Artist, Portemonnaie, fair…). Man hat sich so an sie gewöhnt, dass man sie kaum noch als Fremdwörter empfindet. Was dabei oft vergessen wird: Es geht auch umgekehrt. Eine Auswahl von deutschen Wörtern, die sich im Ausland akklimatisiert haben, bietet das Buch „Ausgewanderte Wörter“, herausgegeben vom Deutschen Sprachrat, der Gesellschaft für deutsche Sprache und dem Goethe-Institut.

Dass man im englischen Sprachraum Ausdrücke wie Kindergarten oder Poltergeist kennt, ist bekannt. Aber auch das Wunderkind, der Zeitgeist und die Schadenfreude (siehe Titel) sind im Laufe der Zeit in der Sprache Shakespeares und Wildes heimisch geworden. Die Franzosen kennen Le leitmotiv (das Leitmotiv) und sogar das Verb schubladiser (auf die lange Bank schieben, „schubladisieren“). In Russland gibt es Buchhalter, die mit jemandem Brüderschaft trinken, in Israel die Schlafstunde (Siesta, Mittagsruhe) und den Wischer (Scheibenwischer), in Serbien den Štreber (Streber) und in Polen die Szlafmyca (Schlafmütze). Die Bulgaren verwenden die Endung -maschine für alle möglichen Apparate und das Wort Kufar für Koffer. Die Deutschen werden in Frankreich manchmal les Krauts genannt (wegen ihres „Nationalgerichts“ Sauerkraut) und in ihrer einstigen Kolonie Burundi dagi (von „Guten Tag“). Der Katzenjammer ist nicht nur als Zustand, sondern auch als Wort international verbreitet. Besonders schön ist auch das englische kaffeklatsching (die Bedeutung dürfte klar sein).

Warum importiert man eigentlich Wörter aus anderen Sprachen? Wahrscheinlich deshalb, weil man damit einen Sachverhalt irgendwie präziser ausdrücken kann als mit der eigenen Sprache. Dies gilt für Heimat (flämisch) und Gemütlichkeit (englisch) ebenso wie für Waldsterben (französisch) und besservisseri (finnisch).  Im englischsprachigen Raum hat Angst eine ganz besondere Bedeutung (die weit über das gewöhnliche scary hinausgeht), während man in der Westschweiz die Deutschschweizer zuweilen (aufgrund von gemachten Erfahrungen bei Volksabstimmungen) als les Neinsager bezeichnet.

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