Blog von buchplanet.ch | gebrauchte Bücher zu unschlagbaren Preisen

Die heimliche Königin

von Gabriel Weber

Wieder einmal ein wahres Märchen:

Es war einmal eine Französin namens Françoise, deren Leben reichlich turbulent verlief. Obwohl adlig, kam sie im Gefängnis zur Welt (ihr Vater sass wegen seiner Schulden und ihre Mutter leistete ihm freiwillig Gesellschaft). Als junge Frau heiratete sie einen gelähmten Skandaldichter, nach dessen Tod ihr Leben eine entscheidende Wendung nahm. Der damalige König von Frankreich hatte nämlich eine Geliebte, die ihm mehrere Kinder schenkte. So kam die nicht mehr ganz junge Witwe Françoise an den Hof – als Erzieherin der königlichen „Bastarde“, wie man damals sagte. Einige Jahre später fiel die Mätresse des Königs in Ungnade (sie hatte mit okkulten bis kriminellen Methoden versucht, sich die Gunst ihres Liebhabers zu erhalten); ihre Nachfolgerin wurde – Françoise. Die stets schwarz gekleidete, sehr religiöse Gouvernante hatte die Aufmerksamkeit des drei Jahre jüngeren Monarchen erregt. Er, der bis dahin viele Frauen geliebt hatte, blieb dieser einen für den Rest seines Lebens treu. Ja, mehr als das: Nach dem Tod der Königin heiratete der damals mächtigste König Europas die fast Fünfzigjährige, der er zuvor schon ein Schloss geschenkt und einen Adelstitel verliehen hatte. Die Ehe war allerdings streng geheim (da der König von Frankreich eigentlich unmöglich eine „Angestellte“ heiraten konnte); Françoise behielt ihren bisherigen Titel bei und war offiziell weiterhin nur die Mätresse des Königs. Ihr Einfluss war gross, besonders in Fragen der Religion.

Nach dem Tod Ludwigs XIV. 1715 zog sich seine heimliche Ehefrau Françoise d’Aubigné, Marquise de Maintenon aus Versailles nach Saint-Cyr (wo sie ein Mädchenpensionat gegründet hatte) zurück und starb dort 1719 im Alter von 84 Jahren. Liselotte von der Pfalz, die vom Rhein stammende Schwägerin des Königs, konnte Madame de Maintenon überhaupt nicht leiden und bedachte sie in ihren Briefen an ihre Verwandten in Deutschland mit den originellsten Schimpfwörtern („Alte Zott„, „Rompompel„). Jetzt bei buchplanet.ch: Der Sonnenkönig von Nancy Mitford.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.