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Majestät haben gelacht!

von Gabriel Weber

Zu meinen Lieblings-Theaterstücken gehört Carl Zuckmayers Der Hauptmann von Köpenick.

Wilhelm Voigt, Schuhmacher von Beruf, sitzt ziemlich tief im Schlamassel: In seiner Jugend hat er 15 Jahre Zuchthaus abgesessen und dann im Ausland gelebt. Jetzt ist er wieder in Preussen und muss feststellen, dass er nirgends hin kann; vorbestraft, kein Pass, keine Arbeit – und vor allem nicht gedient, nie Militärdienst geleistet! So jemanden kann man im Königreich Preussen nicht gebrauchen, für so jemanden ist keine Behörde zuständig. Er bekommt keine Aufenthaltserlaubnis ohne Arbeit und keine Arbeit ohne Aufenthaltserlaubnis. Nach endlosen Gängen von Pontius zu Pilatus hilft nur noch Hilfe zur Selbsthilfe: Eines Tages kauft Voigt bei einem Trödler eine ausgediente Hauptmannsuniform, zieht sie an – und plötzlich läuft alles wie geschmiert. Der falsche Hauptmann hält auf der Strasse einen Trupp Soldaten an und lässt das Rathaus des Berliner Vorortes Köpenick besetzen. Alles pariert vor dem angeblichen Offizier bzw. vor der Uniform, keiner wagt zu widersprechen. Voigt verhaftet den Bürgermeister von Köpenick und beschlagnahmt die Stadtkasse. Dann taucht er unter und es dauert eine Weile, bis die Beteiligten merken, dass sie einem Hochstapler auf den Leim gegangen sind…

Gnadenlos entlarvt Zuckmayer den preussischen Militarismus („Vom Gefreiten aufwärts beginnt der Darwinismus. Aber der Mensch fängt erst beim Leutnant an.“). Das Beste ist, das es sich um ein historisches Ereignis handelt. Wilhelm Voigt hat wirklich gelebt. Ganz Europa lachte damals über seinen Lausbubenstreich – inklusive Kaiser Wilhelm II., der den Missetäter sogar begnadigte. Berühmt, wie er nun war, hatte Voigt ausgesorgt und verbracht einen gemütlichen Lebensabend.

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