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Archiv vom August, 2015

27. August 2015

Kleinkariert

by Gabriel Weber

Natürlich gibt es Füdlibürger oder „Spiesser“, wie man auf hochdeutsch sagt, nicht nur in der Schweiz. Im Gegenteil, sie sind weltweit verbreitet. Wie man sie erkennt? Dafür gibt es Bücher wie Der moderne Spiesser von Charlotte Förster und Justus Loring.

Ob im Büro (Handapparat mit imposanten Büchern, die man noch nie gelesen hat), in der Kantine (Pause? Nee, Networking!), zuhause vor dem Fernseher (Ob man gemeinsam Downton Abbey oder Tatort schaut, sagt eine Menge über ein Paar aus), wenn Besuch kommt (anmerken, dass „das Beste gerade gut genug“ für ihn sei) oder ob man selber zu Besuch ist (während der ersten zehn Minuten wird die Immobilie der Gastgeber gelobt)…  Es gibt Filme, die man als echter Spiesser gesehen haben muss (Pulp Fiction), und Gegenstände, die in keinem Spiesser-Haushalt fehlen dürfen (Handstaubsauger!). Und das Reisen erst! Da gibt es vom Vielflieger mit Aktenkoffer über den Backpacker unterwegs ins Paradies bis zur heilsuchenden Esoterikerin alle möglichen Sorten. Natürlich müssen auch die Kinder frühzeitig auf das Spiesserleben vorbereitet werden: Kurse, Workshops, Kreativmittagschlaf, Talentfrüherkennung und so weiter und so fort.

Ja, ja, grinsen Sie nur! Aber mal ehrlich: Wenn man dieses Buch gelesen hat, hegt man den Verdacht, wir seien alle irgendwie heimliche Spiesser…

25. August 2015

Füdlibürger unter sich

by Gabriel Weber

Wer sich darüber informieren möchte, wie Politik auf Gemeindeebene in einem typischen Deutschschweizer Dorf funktioniert, kann Charles Maurers Der Gemeinderat von Füdlistorf zu Rate ziehen (jetzt bei buchplanet.ch).

Füdlistorf (auf das „t“ legen die Einwohner besonderen Wert) ist eine Gemeinde im Mittelland mit 297 Einwohnern. Regiert wird sie vom fünfköpfigen Gemeinderat: Jakob Michel, SVP, seit Urzeiten Gemeindepräsident, ausserdem Zivilstandsbeamter, Friedensrichter, Sektionschef, und, und, und… Geschäftsführer des einzigen nennenswerten Industriebetriebs am Ort, ferner mit der Ausübung diverser Nebenerwerbs-Tätigkeiten beschäftigt, von denen die Steuerbehörde nichts weiss; sein Stellvertreter Max Schmid, SVP, Tierarzt, daher für das Gesundheitswesen zuständig, liebt das Pfeiferauchen und das Jassen; Karl Möckli, SVP, Grossbauer und Grossrat, zuständig für die Landwirtschaft, Präsident der Schulkommission und der reformierten Kirchgemeinde; Kurt Fuhrimann, FDP (früher Autopartei), KMU-Vertreter, Feuerwehr-Kommandant, zuständig für das Strassen- und Verkehrswesen; und als einzige Frau Anita Lieblich, SP, zuständig für Schule und Sport, Lehrerin von Beruf, sehr emanzipiert, nur dank Frauenquote in der Regierung.

Diese Ansammlung von Klischees macht deutlich, dass es sich hier um Satire handelt. Und so geht es, anlässlich einer Sitzung des Gemeinderates, weiter: Willkür, Eigennutz und Bequemlichkeit bestimmen in Füdlistorf die Politik. Das einzige, was wirklich funktioniert, ist der sogenannte „Filz“. Aber wer weiss, vielleicht eines Tages…

20. August 2015

Der unzivilisierte Aussteiger

by Gabriel Weber

Der unvergessliche Jules Verne gilt als einer der Begründer der Science-Fiction-Literatur. Zu seinen bekanntesten Werken gehört der Roman 20000 Meilen unter dem Meer.

Im Jahr 1867 beunruhigt die Nachricht von einem geheimnisvollen Seeungeheuer die Schifffahrt. Die Fregatte Abraham Lincoln läuft aus, um das Monster zu erlegen, erleidet bei dem Versuch jedoch Schiffbruch. Der französische Naturforscher Professor Pierre Aronnax, sein Diener Conseil und der kanadische Harpunier Ned Land werden von dem „Seeungeheuer“ an Bord genommen. Es handelt sich nämlich in Wirklichkeit um das Unterseeboot Nautilus. Kapitän Nemo, der Kommandant und Erbauer, nimmt die drei Schiffbrüchigen gastfreundlich auf (auch wenn er nicht die Absicht hat, sie je wieder fortzulassen). Er ist ein Mann, der sich von den Menschen und der menschlichen Gesellschaft losgesagt hat. Erfüllt von Hass gegen die ganze Welt, unerreichbar für die Menschen und ohne jeden Kontakt zum Festland, so reist er in seinem technischen Wunderwerk durch die Ozeane, die ihm alles geben, was sein Herz begehrt: Von Nahrung über Kleidung bis zu unermesslichen Reichtümern aus gesunkenen Schiffen. Prof. Aronnax und seine Leidensgenossen erleben an Bord der Nautilus eine unvergessliche Reise durch die Meerestiefen. Aber wie sollen sie je wieder von dort wegkommen?…

Jules Verne verstand es wie kaum ein anderer, sich auszumalen, was man mit der Technik, die zu seiner Zeit noch in den Kinderschuhen steckte (U-Boote, Elektrizität usw.), alles anstellen könnte. Und wie es am (damals noch unbekannten) Südpol sein könnte. Kapitän Nemo, der Aussteiger, der von sich selber sagt, er sei kein „zivilisierter“ Mensch, ist wohl Vernes populärste Romanfigur.

18. August 2015

Majestät haben gelacht!

by Gabriel Weber

Zu meinen Lieblings-Theaterstücken gehört Carl Zuckmayers Der Hauptmann von Köpenick.

Wilhelm Voigt, Schuhmacher von Beruf, sitzt ziemlich tief im Schlamassel: In seiner Jugend hat er 15 Jahre Zuchthaus abgesessen und dann im Ausland gelebt. Jetzt ist er wieder in Preussen und muss feststellen, dass er nirgends hin kann; vorbestraft, kein Pass, keine Arbeit – und vor allem nicht gedient, nie Militärdienst geleistet! So jemanden kann man im Königreich Preussen nicht gebrauchen, für so jemanden ist keine Behörde zuständig. Er bekommt keine Aufenthaltserlaubnis ohne Arbeit und keine Arbeit ohne Aufenthaltserlaubnis. Nach endlosen Gängen von Pontius zu Pilatus hilft nur noch Hilfe zur Selbsthilfe: Eines Tages kauft Voigt bei einem Trödler eine ausgediente Hauptmannsuniform, zieht sie an – und plötzlich läuft alles wie geschmiert. Der falsche Hauptmann hält auf der Strasse einen Trupp Soldaten an und lässt das Rathaus des Berliner Vorortes Köpenick besetzen. Alles pariert vor dem angeblichen Offizier bzw. vor der Uniform, keiner wagt zu widersprechen. Voigt verhaftet den Bürgermeister von Köpenick und beschlagnahmt die Stadtkasse. Dann taucht er unter und es dauert eine Weile, bis die Beteiligten merken, dass sie einem Hochstapler auf den Leim gegangen sind…

Gnadenlos entlarvt Zuckmayer den preussischen Militarismus („Vom Gefreiten aufwärts beginnt der Darwinismus. Aber der Mensch fängt erst beim Leutnant an.“). Das Beste ist, das es sich um ein historisches Ereignis handelt. Wilhelm Voigt hat wirklich gelebt. Ganz Europa lachte damals über seinen Lausbubenstreich – inklusive Kaiser Wilhelm II., der den Missetäter sogar begnadigte. Berühmt, wie er nun war, hatte Voigt ausgesorgt und verbracht einen gemütlichen Lebensabend.

17. August 2015

Blutriegel von Manuel Knobel

by Sara Grob

Manuel Knobel wurde 1980 in Luzern geboren und lebt und arbeitet (Schuhmacher) nun in Zürich. Er war und ist in vielen Bands aktiv, zum Beispiel: Zeugen Utopias, Kunz & Knobel, Die Formfehler, Die Knopiloten, The Goodbye Johnnys,…

Am 8.8.2015 erschien sein Roman  „Blutriegel“ über den Vertrieb Mbassador als eBook im Eigenverlag. Eine kurze Beschreibung des Inhalts:

Wir schreiben das Jahr 1998. Eine blutjunge Schweizer Band tourt in einem kaputten Bus zwei Wochen durch Deutschland. Bassist Strauss sabotiert das Unternehmen stets mit Missgeschicken. Schlagzeuger Elvis kämpft mit seinem schwierigen Charakter und Sänger Priester versucht verzweifelt das Ganze zusammenzuhalten. Zum Glück ist da noch Tourmanager Torben. Er schafft es fast immer, mit allen Widrigkeiten fertig zu werden. Zwischen Konstanz und Flensburg treffen sie auf so manche seltsame Gestalt und erleben viele blaue Wunder. Eigentlich ist es ein einziges blaues Wunder und zu 83% eine wahre Geschichte, die ihren Anfang im Luzerner Musikzentrum Sedel nimmt und auch dort endet.

Leseproben, Informationen und Verlosungen findet man auf dem dazugehörigen Blog: https://blutriegel.wordpress.com

Blutriegel Cover

 

 

Manuel Knobel

Manuel Knobel

13. August 2015

Salz nach Belieben!

by Gabriel Weber

A propos Hunde (Blog vom 11. August): Ein besonders imposantes Exemplar dieser Spezies ist Bootsmann, ein riesiger Bernhardiner. Er ist eine der Hauptfiguren in Astrid Lindgrens Klassiker Ferien auf Saltkrokan. Sein Frauchen ist die kleine Tjorven, die ungekrönte Königin von Saltkrokan, die eine entfernte Verwandte von Pippi Langstrumpf zu sein scheint.

Die Schäreninsel Saltkrokan vor der schwedischen Küste ist das Ferienziel der Familie Melcherson aus Stockholm. Vater Melcher, verwitweter Schriftsteller mit zwei linken Händen; Tochter Malin, fast zwanzig und seit dem Tod der Mutter die Dame des Hauses (sowie Ersatzmutter für alle Männer der Familie, Melcher inbegriffen); Johann und Niklas, zwei lebhafte Lausbuben; und schliesslich der siebenjährige Pelle, ein sensibler, verträumter Tierfreund. Die Melchersons verbringen einen herrlichen Sommer im sogenannten Schreinerhaus, dass sie für ihre Ferien gemietet haben, und freunden sich mit der Nachbarsfamilie Grankvist an, zu der Tjorven und Bootsmann gehören. Manchmal allerdings geht es turbulent zu. Und daran ist meistens der Familienvater schuld. Melcher mag zwar ein guter Schriftsteller sein, für alles andere ist er jedoch geradezu bemerkenswert ungeschickt. Da kann es schon mal vorkommen, dass er bei Heimwerkerarbeiten die ganze Küche unter Wasser setzt. Oder dass er die Anweisung „Salz nach Belieben“ in einem Kochrezept zu wörtlich nimmt und die ganze Familie dann vor einer bis zur Ungeniessbarkeit versalzenen Mahlzeit sitzt…

Die grösste Sorge der Männer in der Familie besteht übrigens darin, dass Malin heiraten und deshalb fortgehen könnte. Aus diesem Grund werden alle potentiellen Kandidaten sehr genau unter die Lupe genommen (und vergrault, wenn möglich)! Auf Saltkrokan gibt es mindestens deren drei… Als der Sommer vorüber ist, steht für die Melchersons eines fest: Sie werden zurückkommen! Pelle zu seinem Kaninchen Jocke, Johann und Niklas zu Tjorvens zwei älteren Schwestern, Melcher zum Schreinerhaus und Malin vielleicht zu einem jungen Mann, der sich nicht von ihren Brüdern abschrecken lässt…

11. August 2015

Das Doppelleben eines Hundes

by Gabriel Weber

Felix Salten? Nie gehört! Bambi? Weltberühmt! Die Geschichte des kleinen Rehbocks (Bambi ist nämlich ein Er!) wurde durch Walt Disneys Film unvergesslich. Doch den Autor des Buches kennt man heute kaum noch. Neben Bambi hat Salten noch weitere Bücher geschrieben, darunter Der Hund von Florenz, jetzt in englischer Übersetzung (The Hound of Florence) bei buchplanet.ch erhältlich.

Wien, im 19. Jahrhundert: Lucas Grassi, unlängst verwaister Sohn eines italienischen Künstlers, ist ein junger Mann voller Hoffnungen und Träume. Doch er ist arm und einsam, seine Zukunft scheint ziemlich düster. Eines Tages beobachtet er, wie Erzherzog Ludwig, ein Mitglied des österreichischen Kaiserhauses, mit grossem Pomp zu einer Reise nach Florenz aufbricht, begleitet von einem wunderschönen Hund namens Cambyses. Nach Florenz! Es war schon immer Lucas‘ Traum, dorthin zu kommen, um Künstler zu werden wie sein Vater. Wie beneidet er das Gefolge des Erzherzogs, wie beneidet er selbst diesen Hund! Wie sehr wünscht er sich, dieser Hund zu sein! Und schon hat Lucas ein Fell, läuft auf vier Beinen neben der Kutsche des Erzherzogs her und bellt… Fortan ist Lucas jeweils abwechselnd für einen Tag er selbst, der angehende Künstler Lucas Grassi, und für einen Tag Cambyses, der Hund des Erzherzogs. So kommt er nach Florenz und wird ein Schüler des berühmten Cesare Bandini, was er sich immer erträumt hat. Er findet Freunde und verliebt sich. Doch auf die Dauer ist so ein Doppelleben sehr anstrengend. Ausserdem ist der Erzherzog kein gutes Herrchen, besonders nicht für einen Hund, der jeden zweiten Tag spurlos verschwindet und dann ganz plötzlich wieder auftaucht. Wie soll Lucas das Hunde-Dasein bloss wieder los werden? Oder muss er am Ende für den Rest seines Lebens zwischen seinem eigenen Ich und Cambyses hin und her wechseln?…

Eine interessante, poetische Geschichte, nicht nur über die Konsequenzen des Wünschens, sondern auch über das Menschsein.

6. August 2015

Die Suppe des Papstes

by Gabriel Weber

Essen hält Leib und Seele zusammen, behauptet ein Sprichwort. Folglich müsste sich auch die Kirche für das Essen interessieren. Der Theologe und Hobbykoch Josef Imbach befasst sich in Geheimnisse der kirchlichen Küchengeschichte mit dem Zusammenhang zwischen Religion und Ernährung.

In der Bibel werden 17 mal Feigen erwähnt, Feigenbäume sogar 37 mal (auch wenn Adam und Eva ihre Blösse nicht mit Feigenblättern bedeckten). Fisch spielt eine wichtige Rolle, ebenso der Wein. Von zentraler Bedeutung ist aber auch das Nicht-Essen, also das Fasten. Viele Päpste legten grossen Wert auf ihre Leibköche. Manche dieser sogenannten päpstlichen „Geheimköche“ (etwa jene von Martin V. und von Pius V.) hinterliessen der Nachwelt umfangreiche Kochbücher. Den klassischen Überlieferungen zufolge verbrachten Heilige ihre Zeit fast ausschliesslich mit Beten, Predigen und Leiden, über ihre Ernährung erfährt man hingegen kaum etwas. Eine Ausnahme bildet der Heilige Augustinus, dessen Essgewohnheiten von einem seiner Schüler detailliert überliefert wurden. Franz von Assisi war der Ansicht, wichtiger als alle Fastenvorschriften sei es, dass jeder auf die Natur höre und seinem Körper das Nötige gebe, um Gott dienen zu können. Martin Luther war den Freuden der reich gedeckten Tafel keineswegs abgeneigt; nicht umsonst sind seine Tischgespräche bis heute berühmt.

Ergänzt werden Imbachs Ausführungen durch zahlreiche schmackhafte Rezepte.

4. August 2015

Bier her, Bier her, oder ich fall‘ um

by Gabriel Weber

„Hopfen und Malz, Gott erhalt’s!“ „Es gibt kein Bier auf Hawaii…“ Ja ja, das Bier… Ob Feldschlösschen, Ale oder Pils, das Hopfengetränk gehört (und zwar nicht nur in Bayern) zum Alltag, und das schon sehr lange.

Aber Bier ist natürlich nicht einfach gleich Bier, nee! Da gibt es untergärige Biere wie Pilsner oder Bock, obergärige Biere wie Kölsch oder Porter sowie die Weizenbiere. Dann muss noch Fass-, Flaschen-, Fest-, Alt-, Stark-, Spezial- und Lagerbier unterschieden werden. Von der Berliner Weissen über das irische Guinness bis zu der hauptsächlich aus Europa importierten Brau-Tradition in Nordamerika – Bier (eines der ältesten Getränke der Welt) ist heute weltweit verbreitet. Sogar bis nach Mittelerde ist es vorgedrungen. Auch die Schweiz kann mithalten, man denke nur an Schützengarten, Quöllfrisch, Cardinal oder Calanda. Als die Bier-Nation par excellence gelten jedoch die Deutschen – und zwar nicht ohne Grund, wenn man Verbrauch (nur schon das Oktoberfest treibt die Statistik nach oben) und Produktion betrachtet. Übrigens war Martin Luther ein ebenso leidenschaftlicher Biertrinker wie Otto von Bismarck.

Für alle Bier-EnthusiastInnen und solche, die es werden wollen, hat buchplanet.ch jetzt Das grosse Buch vom Bier von Michael Jackson (vermutlich nicht identisch mit dem gleichnamigen Popsänger) im Angebot. In diesem Sinne: Prost!