Blog von buchplanet.ch | gebrauchte Bücher zu unschlagbaren Preisen

Der Mörder ist immer der Gärtner

von Gabriel Weber

Schon Wachtmeister Studer wusste: „Zu einem Mord gehört der Schuldige wie die Butter aufs Brot, sonst reklamieren die Leute.“ Geschieht ein Verbrechen, will die Öffentlichkeit einen Täter sehen. Und wenn sie keinen findet, kann es leicht geschehen, dass irgendjemand in ein schiefes Licht gerät, obwohl er völlig unschuldig ist. Davon erzählt Willi Fährmann in seinem Jugendbuch Es geschah im Nachbarhaus.

Im Rheinland, um 1890: Ein Kind wird ermordet! Der kleine Jean Seller liegt erstochen in einer Scheune. Natürlich ist die ganze Kleinstadt entsetzt. Wer ist der Täter? Es dauert nicht lange, da kursieren bereits die ersten Gerüchte: „Das kann nur der Viehhändler Bernhard Waldhoff gewesen sein, der ist nämlich Jude! Und jedes Kind weiss doch, dass die Juden Blut von christlichen Kindern brauchen, das war schon immer so!“ So beginnt ein regelrechtes Kesseltreiben. Zuerst ist es nur ein Gerücht, dann fällt diesem und jenem etwas dazu ein… Was man so alles gesehen und gehört hat… Man hat es ja schon immer gewusst, und überhaupt, diese Juden… Es wird getuschelt, man weicht dem Verdächtigen aus, Bekannte ziehen sich plötzlich zurück, Geschäftspartner gehen auf Distanz… Wer nicht aktiv mittut, schweigt aus Feigheit und schaut weg, viele scheinen direkt froh zu sein, endlich ihre Vorurteile und Ressentiments ausleben zu können. Plötzlich ist die Familie Waldhoff auf sich allein gestellt. Für Vater Bernhard, Mutter Hannah, Tochter Ruth und Sohn Sigi beginnt eine sehr schwierige Zeit. Nur Karl Ulpius bleibt unerschütterlich Sigi Waldhoffs bester Freund.

Ein erschütterndes Buch, umso mehr, als es auf historischen Tatsachen beruht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.