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Zwei Jungmannen im Sudetenland

von Gabriel Weber

Eine LBA (Lehrerbildungsanstalt) in Böhmen ist der Schauplatz von Josef Holubs Jugendbuch Lausige Zeiten. Und lausig waren die Zeiten wirklich. Zwei Jungen in braunen Uniformen machen da so ihre Erfahrungen.

Sudetenland, im Herbst 1940: Josef Böhm, 14 Jahre alt, kommt in die LBA, weil er später Lehrer werden soll. Eigentlich will er gar nicht dorthin, seine streng katholische Mutter hat ihn vor diesen gottlosen Nazis gewarnt, aber es ist eben doch eine bedeutende Chance für eine Karriere. In der LBA wird der nunmehrige „Jungmann Böhm“ in eine Uniform gesteckt und muss nun sehen, wie er in dieser brutalen Umgebung zurechtkommt. Die Schüler (und zukünftigen Lehrer) lernen mehr Strammstehen, Marschieren und „Heil“-Schreien als nützliches Wissen. Und beim Wissen ist überhaupt nur noch die Frage: „Passt es denen weiter oben in den Kram?“, nicht mehr: „Stimmt es überhaupt?“  Doch es gibt in dem ganzen militaristischen Terror auch Lichtblicke, manche Lehrer behandeln die Jungmannen (so die offizielle Mehrzahl, nicht etwa „Jungmänner“!) wenigstens halbwegs menschlich, einige sind sogar richtig nett, die Mathematiklehrerin Theodora Lawatzki zum Beispiel, mit der man auch mal „ohne Tritt“ einen Ausflug in den Wald machen kann. Oder der Musiklehrer Ferdinand Mathner, der seinen Schülern Kirchenchoräle beibringt – gegen allem Widerstand von weiter oben.  Ein eigenes Kapitel sind die Mitschüler: Da ist beispielsweise Wotan Rammel, der einen hohen Parteibonzen zum Vater hat und sich dauernd aufspielt. Dann gibt es Franz Franek, der nicht kriecht und sich nicht schikanieren lässt. Und natürlich Florian Demel, der Josefs bester Freund wird. Gemeinsam versuchen die Beiden, in diesen lausigen Zeiten ihre Menschlichkeit zu behalten. Florian, der keiner Fliege etwas zuleide tun könnte, nicht einmal seinem grössten Feind, bringt dem unsicheren Josef bei, wie das geht.

Während der Heimreise in die Ferien meint ein Feldwebel mit einem Blick auf Josef nur lakonisch: „Was die heutzutage mit den Kindern treiben!

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