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Erich, der Musterknabe

von Gabriel Weber

Am 3. Oktober 1953 sassen im Zunfthaus zur Zimmerleuten in Zürich drei Personen zusammen: Astrid Lindgren, P. L. Travers und Erich Kästner. Die Schwedin und der Deutsche schwangen sogar das Tanzbein. Erich Kästner ist im Katalog von buchplanet.ch zahlreich vertreten.

Erich Kästner erblickte am 23. Februar 1899 in Dresden das Licht der Welt, als einziges Kind von Emil und Ida Kästner-Augustin. Besonders letztere sollte im Leben ihres Sohnes eine wichtige Rolle spielen. Da die Familie arm war (der Vater Angestellter in einer Kofferfabrik, die Mutter Friseuse), musste Erich schon früh tätig werden, im Haushalt helfen und der Mutter zur Hand gehen. All das tat er bereitwillig und fleissig. Ausserdem war er der reinste Musterschüler und sollte Lehrer werden, doch die Ausbildung am Lehrerseminar (der „Kinderkaserne“) wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Nach dem Krieg studierte Erich in Leipzig Germanistik, promovierte und fand bald eine Betätigung als Journalist. Auffallend: er war ein Musterschüler wie Emil Tischbein und Martin Thaler und musste wie Anton Gast neben der Schule den Haushalt führen.

1929 schlug die Verlegerin Edith Jacobsohn Erich vor, ein Kinderbuch zu schreiben. Er tat es – und wurde durch Emil und die Detektive über Nacht berühmt. Es folgten Pünktchen und Anton (1931), Der 35. Mai (1932) und Das fliegende Klassenzimmer (1933). Im gleichen Jahr war Erich dabei, als in Berlin seine Bücher verbrannt wurden; durch seinen Pazifismus und seine Tätigkeit als kritischer Beobachter des Zeitgeschehens hatte er sich verdächtig gemacht. Sein Publikationsverbot hatte zur Folge, dass Drei Männer im Schnee (1934) und Emil und die drei Zwillinge (1935) im Ausland erscheinen mussten. Zur Emigration konnte Erich sich allerdings nicht entschliessen. Nach dem Krieg veröffentlichte er Das doppelte Lottchen (1949), Die Schildbürger (1954) und seine Jugenderinnerungen Als ich ein kleiner Junge war (1957). Erich Kästner starb am 29. Juli 1974. Geheiratet hat er nie (obwohl er einen Sohn hatte); an Erichs Ideal, nämlich seine Mutter, kam keine Frau heran…

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