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„Bleib am Leben für unsere Kinder!“

von Gabriel Weber

Das waren die letzten Worte von Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich, gerichtet an seine Frau Sophie. Am 28. Juni 1914 fielen in Sarajevo zwei Schüsse, die eine Katastrophe auslösen sollten, wie die Welt sie bis dahin noch nicht erlebt hatte. Franz Ferdinand ist die Hauptperson des Romans Der Thronfolger von  Ludwig Winder.

Am 18. Dezember 1863 kommt Franz Ferdinand in Graz zur Welt. Er ist das erste Kind von Erzherzog Karl Ludwig, einem Bruder von Kaiser Franz Joseph, und Erzherzogin Maria Annunziata. Die Mutter, in einer Mischung aus frömmlerischer Bigotterie und geradezu krankhaftem Ehrgeiz sehr unsympathisch dargestellt, stirbt 1871; der Vater, ein schlichtes Gemüt, befolgt (wie immer) den Befehl seiner dominanten Mutter, der berühmt-berüchtigten Erzherzogin Sophie, und heiratet erneut. Franz Ferdinand erlebt eine unglückliche Kindheit, ist misstrauisch, finster und verschlossen und beneidet seinen Bruder, den überall beliebten Otto.

Durch den Suizid von Kronprinz Rudolf 1889 und den Tod seines Vaters 1896 avanciert Franz Ferdinand zum Thronfolger von Österreich-Ungarn. Wenig später tut er das, wofür er bis heute berühmt ist: Er verliebt sich in die Gräfin Sophie Chotek und will sie heiraten. Die Hofburg erbebt in ihren Grundfesten, der Kaiser ist zunächst sprachlos, dann verbietet er es: Eine Gräfin Chotek ist weit unter der Würde des zukünftigen Kaisers von Österreich. Doch Franz Ferdinand gibt nicht nach und setzt sich schliesslich durch: Er darf Sophie heiraten, wenn auch nur morganatisch. Weder wird sie Erzherzogin, noch haben ihre Kinder Anspruch auf den Thron. Franz Ferdinand wartet sehnsüchtig auf den Tod des Kaisers, dieser tut ihm den Gefallen jedoch nicht. Am 28. Juni 1914 bremst der Wagen des Thronfolgerpaares in Sarajevo zufälligerweise genau vor der Nase eines gewissen Gavrilo Princip…

Ich weiss nicht, wie weit dieser Roman historisch ist; aber wenn Erzherzog Franz Ferdinand wirklich so ein jähzorniger, rachsüchtiger Misanthrop und Egoist war, ist es vielleicht ein Glück, dass er nie Kaiser wurde…

 

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