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Der bon-à-rien

von Gabriel Weber

Diktatoren haben selten Humor. In der Regel fürchten sie nichts mehr als das Gelächter der Leute über sie. Das war bei Hitler und den übrigen Nationalsozialisten auch nicht anders. Jetzt bei buchplanet.ch: Der politische Witz im Dritten Reich von Max Vandrey.

Hinter vorgehaltener Hand witzelte man über Göring und seine zahllosen Orden (Eine Militärkapelle bringt Göring ein Ständchen. Der Reichsmarschall erscheint in voller Montur auf dem Balkon. Da stürzt unten bei der Kapelle der Schellenbaum mit Geklimper und Getöse um. Frau Göring ruft entsetzt aus dem Badezimmer: „Hermann, bist du verletzt?“) ebenso wie über Goebbels (den Reichslügenbold und Schutt-Patron von Berlin) und seine Propagandalügen (Goebbels meldet bei einer Veranstaltung: „8000 SA-Männer stehen im Sportpalast und 8000 draussen – macht zusammen 88000 SA-Männer!“). Auch der Antisemitismus und die Rolle der Juden als Sündenböcke für Alles und Jedes kamen dran (Ein SS-Mann provozierend zu einem Juden: „Wer ist schuld daran, dass wir den Weltkrieg verloren haben?“ Der Jude: „Die jüdischen Generäle natürlich!“ „Hä? Deutschland hatte doch damals gar keine jüdischen Generäle.“ „Eben! Die Entente schon.“).

Im besetzten Frankreich wurde aus Hitler est un bon Arien (Hitler ist ein guter Arier) sehr bald Hitler est un bon-à-rien (Hitler ist zu nichts zu gebrauchen). Und in Anlehnung an das bekannte Goethe-Gedicht Vom Vater hab ich die Statur schrieb man über den Führer:

Vom Duce hat er die Montur,
die römischen Allüren,
von Marx die Kollektivnatur,
die Lust am Nivellieren.
Am Staat, der über Leichen geht,
ist Machiavell beteiligt
und Sankt Ignatius Pate steht
beim Zweck, der alles heiligt.

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