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Archiv vom Februar, 2015

26. Februar 2015

Zu grosse Schuhe

by Gabriel Weber

Um noch einmal auf das Thema zurückzukommen: Das Papsttum ist wirklich ein sonderbares Ding. Der Papst regiert bloss über 44 Hektaren mitten in Rom. Aber kaum ein Staatsoberhaupt hat soviel Wirkung auf die Öffentlichkeit wie er. Der Papst ist nach katholischer Lehre der Nachfolger des Apostels Petrus, er geht quasi In den Schuhen des Fischers. So heisst auch ein Roman von Morris L. West.

Der Papst ist tot. Ordnungsgemäss treten die Kardinäle zum Konklave zusammen, das mit einer faustdicken Überraschung endet. Gewählt wird nämlich ausgerechnet der Russe Kyrill Lakota, der erst vor kurzem Kardinal geworden ist, nachdem er zuvor 17 Jahre lang in sowjetischer Gefangenschaft war. Der neue Papst Kyrill I. sieht sich gleich mit verschiedenen Problemen konfrontiert; eines davon ist der Jesuit Pater Jean Télémond mit seinen ungewöhnlichen Ansichten, ein anderes der Kalte Krieg. Wieder einmal droht der Konflikt zwischen Ost und West zu eskalieren und alle Welt erwartet vom Papst, dass er eingreift. Kyrill hat da einen Vorteil: Er kennt den sowjetischen Ministerpräsidenten Kamenew persönlich, dieser war nämlich früher Gefängnisaufseher…

Übrigens wurde der Roman auch verfilmt: The Shoes of the Fisherman mit Anthony Quinn als Kyrill Lakota, Laurence Olivier als Kamenew und John Gielgud als Kyrills Vorgänger auf dem Papstthron.

24. Februar 2015

Schmalz lass nach!

by Gabriel Weber

Im Online-Katalog von buchplanet.ch existiert auch eine Rubrik „Trivialliteratur“. Versuchshalber (man ist ja schliesslich kein Snob) habe ich einmal ein Buch aus dieser Rubrik gelesen: Das verschwundene Dokument von der historische Königin des Kitschromans, Hedwig Courths-Mahler (1867-1950).

Rochus Bernd, ein verwitweter Millionär aus Berlin, ist gutmütig, grosszügig und grundehrlich. Sein Mündel Ruth Alving ist die reinste Heilige, so nett, brav, anständig, loyal, aufrichtig (hier bitte noch ein Dutzend weiterer positiver Eigenschaften dazudenken)… Die einzigen Verwandten des alten Herrn, die Geschwister Kurt und Lena Bernd, sind hingegen ausschweifend, habgierig, brutal, arrogant (hier bitte noch ein Dutzend weiterer negativer Eigenschaften dazudenken)… Für Kurt und Lena ist die Alving nichts weiter als eine Erbschleicherin übelster Sorte, obwohl nichts der guten Ruth ferner liegen könnte. Als Rochus Bernd schliesslich unerwartet ohne Testament stirbt, reiben sich die lieben Verwandten bereits die Hände – bis plötzlich Gert Herfurt, der verschollene Enkel des Erbonkels, aufkreuzt. Zwischen ihm und Ruth (übrigens zwei ausgesprochen attraktiven jungen Leuten) ist es Liebe auf den ersten Blick (Schmalz, Schmalz, Schmalz…). Und sie müssen zusammenhalten, denn Kurt und Lena Bernd sind zu Allem bereit, um ihr Erbe zu bekommen – jawohl, zu Allem!

Doch das Happy End kommt so sicher wie das Amen in der Kirche!