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Escapismus und Cäsarenwahn

von Gabriel Weber

Als Michael Endes opus magnum gilt sein Fantasy-Roman Die unendliche Geschichte. Hierbei handelt es sich nicht nur um Fantasy, sondern auch um einen hochinteressanten psychologischen Entwicklungsroman.

Bastian Balthasar Bux ist ein lohnendes Opfer für gewisse Mitschüler: klein, rundlich, unsportlich, schüchtern und verträumt. Eines Tages stösst er (durch Zufall?) auf ein Buch, das ihn geradezu magisch anzieht: Die unendliche Geschichte. Damit verkriecht er sich auf dem Dachboden und beginnt zu lesen. Bastian liest von dem Land Phantásien, dem unendlichen Reich der Fantasie, das vom Untergang bedroht ist. Der Junge Atréju (überhaupt scheinen Accents  in Phantásien eine wichtige Rolle zu spielen), eine Grünhaut (so eine Art Indianer), ist verzweifelt auf der Suche nach einem Ausweg. Kurz bevor Phantásien endgültig vergeht, wird Bastian buchstäblich in das Buch hineingesaugt – und findet sich in der Dunkelheit wieder, in der er kraft seiner Fantasie und Kreativität Phantásien neu erschaffen soll.

In diesem neuen Phantásien hat Bastian nun alles, was er sich immer gewünscht hat: Blendendes Aussehen, Mut, Stärke und die Bewunderung und Verehrung der Einwohner, die wissen, dass er sie vor dem Untergang gerettet hat. Doch wenn alle Wünsche in Erfüllung gehen und alle einen anhimmeln, hat dies Konsequenzen für den Verstand eines Menschen. Atréju macht sich aufrichtige Sorgen um Bastian, die Hexe Xayíde hingegen versteht  – mit einer perfiden Mischung aus Speichelleckerei und sanfter Manipulation – die Situation für sich zu nutzen. Während Bastian immer tiefer im Cäsarenwahn versinkt, erlöschen in ihm immer mehr Erinnerungen an sein früheres Leben. Wie soll er bloss wieder nach Hause kommen?

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