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Archiv vom 16. Dezember 2014

16. Dezember 2014

Amor vincit omnia

by Gabriel Weber

Die Pompadour; Die Cosel; Die Montez… Verschiedene Mätressen sind in die Geschichte eingegangen. Obwohl im Protokoll nicht vorgesehen, übten die Geliebten regierender Fürsten oft grossen Einfluss aus – oft grösseren als die angetrauten Ehefrauen. In Mätressen der Weltgeschichte von Hermann Schreiber kann man die oft geradezu romanhaften Lebens- und Liebesgeschichten der fürstlichen Favoritinnen nachlesen.

Maria Mancini, eine Nichte Kardinal Mazarins, wurde neben ihren Schwestern kaum beachtet. Bis sie eines Tages die falsche Tür öffnete und einem jungen Mann begegnete, von dem sie zunächst nicht wusste, dass es Ludwig XIV. war… Sie wurde die grosse Jugendliebe des Sonnenkönigs. Eine ihrer Nachfolgerinnen, Athénais de Montespan, verabreichte ihrem königlichen Liebhaber heimlich Liebestränke und bemühte sogar den Okkultismus, um ihre Stellung zu behaupten. Ihr Ehemann war furchtbar eifersüchtig und kämpfte sogar um sie – gegen den König! Die vermutlich letzte Königs-Mätresse alten Stils war Magda Lupescu, die im 20. Jahrhundert jahrelang mit dem rumänischen König Carol II. zusammenlebte. Die meisten Mätressen waren nicht besonders beliebt, man gab ihnen auch gern die Schuld an allen Missständen am Hof. Aber es gab auch Ausnahmen, zum Beispiel Nell Gwyn, die populäre Geliebte Karls II. von England, die unter Anderem dafür bekannt war, dass sie sich selber öfters als „Hure“ bezeichnete.

Mätressen hatten stets eine undankbare Rolle. Sie wurden in Pamphleten und von Kanzeln herab geschmäht, aber war ihr Tun denn wirklich so schlimm? Warum sollte ein aus politischen Gründen verheirateter Monarch nicht tun dürfen, was man jedem bürgerlichen Untertan gestattete, nämlich sich eine Partnerin aus Neigung suchen? Kinder von Mätressen zeigten wesentlich seltener Degenerationserscheinungen als legitime Königskinder und wurden manchmal sogar bedeutende Persönlichkeiten wie zum Beispiel Moritz von Sachsen, der „Maréchal de Saxe“ (Sohn Augusts des Starken). Eine bedeutende Mätresse habe ich in diesem Buch allerdings vermisst: Franziska von Hohenheim, angesehene und beliebte Favoritin des Herzogs Karl Eugen von Württemberg.