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Archiv vom Dezember, 2014

30. Dezember 2014

„Das Alte vor dem Neuen Testament!“

by Gabriel Weber

Der (inzwischen heiliggesprochene) Papst Johannes XXIII., geborener Angelo Roncalli, war ein aussergewöhnlicher Mensch. Obwohl er mit seinen 77 Jahren zum Zeitpunkt seiner Wahl mehr als „Übergangspapst“ galt, hat er eine bedeutende Modernisierungswelle innerhalb der katholischen Kirche ins Rollen gebracht. Ausserdem war der einfache Bauernsohn aus Norditalien seiner schlichten, humorvollen Art wegen äusserst beliebt. Einige Anekdoten sind von Kurt Klinger in dem Buch Ein Papst lacht zusammengetragen worden.

Von der sedia gestatoria, der päpstlichen Sänfte, sagte Johannes XXIII., ihm werde schwindlig vom Gewackel dieses Schaukelstuhls. Das dauernde Fotografieren kommentierte er mit den Worten: „Gott hat schon vor 77 Jahren gewusst, dass ich Papst werden würde… Hätte er mich da nicht ein bisschen fotogener machen können?“ Einmal begegnete Johannes dem (sehr fülligen) Trommler der Palatingarde. Der Papst: „Bei der Paukerei sind sie ziemlich auseinander gegangen. Aber machen Sie sich nichts draus – mit uns Dicken hat man es halt.“ Der Trommler: „Fett macht nett, Heiliger Vater.“ Und als Seine Heiligkeit einmal seine Brille suchte, meinte er, das Nachlassen seiner Augen sei Gottes Wille, aber die Brille zu verlegen sei eine Schlamperei von ihm, dem Papst.

Der Titel bezieht sich auf die Worte, mit denen der damalige Nuntius Roncalli einmal einem jüdischen Geistlichen den Vortritt liess.

29. Dezember 2014

Nijinskis letzter Tanz

by Gabriel Weber

Die Schweiz lebt bekanntlich u. a. auch vom Tourismus. Und zwar kommen seit jeher nicht nur ordinäre Pauschaltouristen zu uns, sondern auch die künstlerische, politische und wirtschaftliche Elite. Ein Blick in das Buch Literarische Grandhotels der Schweiz von Silke Behl und Eva Gerberding beweist dies.

Vladimir Nabokov hatte seinen festen Wohnsitz im Palace in Montreux; Die Frage nach dem Warum beantwortete er schlicht mit „Weil ich es verdiene!“ Leo Tolstoj war Gast im Schweizerhof in Luzern und verewigte das Hotel in einer Erzählung wenig schmeichelhaft als Bühne seiner Gesellschaftskritik. Im Quellenhof in Bad Ragaz konnte man Rainer Maria Rilke erleben, der sich mit solcher Hingabe seiner Freundin, der Fürstin von Thurn und Taxis, widmete, dass er aus Angst vor Überanstrengung auf eine Badekur verzichten musste. Das Baur au Lac in Zürich (zu dessen Stammgästen ein halbes Jahrhundert lang auch Thomas Mann zählte) war der Ort, wo Bertha von Suttner mit Alfred Nobel über die Stiftung eines internationalen Friedenspreises sprach – und übrigens ein Zimmer bewohnte, in dem kurz zuvor Kaiserin Elisabeth von Österreich logiert hatte.

Der legendäre Ballettänzer Vaslav Nijinski trat im Winter 1918/19 im Suvretta House in St. Moritz zum letzten Mal vor Publikum auf – dann fiel er in geistige Umnachtung…

23. Dezember 2014

Nicht nur am Nil…

by Gabriel Weber

…sondern auch mitten im Ruhrgebiet gibt es Krokodile. Und zwar eine ganz besondere Sorte, nämlich solche mit zwei Beinen. Ach, das glauben Sie nicht? Max von der Grün hat schon 1976 mit seinem Kinderbuchklassiker Die Vorstadtkrokodile den Beweis geliefert.

Das jüngste von diesen zweibeinigen Krokodilen ist der zehnjährige Hannes. Es hat ihn einiges gekostet; bei der obligatorischen Mutprobe wäre er beinahe abgestürzt und musste von der Feuerwehr gerettet werden. Aber jetzt ist er dabei! Und er ist dafür, dass auch Kurt in den Verein aufgenommen wird. Doch die übrigen Krokodiler (Olaf, Maria, Theo, Peter, Willi, Otto, Rudolf und Frank) sind nicht gerade begeistert, Kurt ist nämlich querschnittgelähmt. Was sollen die Vorstadtkrokodile mit so einem „Krüppel“ anfangen, dem sie ausserdem womöglich auch noch beim Wasser lassen helfen müssten? Doch schon bald stellt sich heraus, dass Kurt auch seine Qualitäten hat. Wegen seiner eingeschränkten Mobilität hat er zum Beispiel viel Zeit zum Nachdenken und zum Beobachten. Das erweist sich als äusserst nützlich, als es darum geht, eine mysteriöse Serie von Einbrüchen in der Nachbarschaft aufzuklären. Heikel wird die Sache jedoch, als sich herausstellt, dass möglicherweise Egon, der ältere Bruder des Krokodilers Frank, in diese Einbrüche verwickelt ist. Den kann man doch nicht verraten, oder?…
Wie es im Leben eben manchmal so geht: Zuerst muss Hannes die Krokodiler beinahe zwingen, sich überhaupt mit dem Gelähmten abzugeben – und irgendwann würden sie nicht mehr auf ihn verzichten wollen. Max von der Grün hat dieses Buch übrigens seinem Sohn gewidmet, der, wie Kurt, auch im Rollstuhl sitzt.
22. Dezember 2014

Der Dicke und seine Bilder

by Gabriel Weber

In der Schorfheide, nördlich von Berlin, erinnern heute nur noch zwei Torhäuser daran, das da mal etwas war. Von „Carinhall“, dem prunkvollen Landsitz Hermann Görings, ist nichts mehr übrig. Wer sich darüber informieren will, muss daher das Buch Görings Reich. Selbstinszenierungen in Carinhall von Volker Knopf und Stefan Martens zu Rate ziehen.

Während sich Adolf Hitler vor dem Volk gerne als strenger Asket inszenierte, liebte der „Zweite Mann im Dritten Reich“, Hermann Göring, den Prunk. Seine Eigenheit, immer mehr Ämter und Titel anzuhäufen, seine Vorliebe für pompöse Uniformen und seine Orden, die er oft und gerne spazieren trug, waren genau so legendär wie sein Übergewicht. Auch im Privaten umgab sich Göring mit Luxus. 1934 schenkte das Land Preussen seinem Ministerpräsidenten Göring eine relativ bescheidene Jagdhütte in der Schorfheide, die Jagd war nämlich eines von Görings Hobbies. Doch dieses Häuschen war für den „ersten Paladin des Führers“ natürlich nicht gut genug. 1936/37 wurde Carinhall (nach Görings 1931 verstorbener erster Gattin Carin) zum repräsentativen Landsitz ausgebaut, 1939/40 folgte ein weiterer Ausbau und noch im Januar 1945 plante Göring, das Anwesen nochmals um das Doppelte zu vergrössern. Diese Bautätigkeit wurde übrigens grösstenteils von den deutschen Steuerzahlern finanziert.

Bei Kriegsende enthielt Carinhall unter anderem zwei Innehöfe (insgesamt 15800 Quadratmeter), einen Speisesaal (411 Quadratmeter), eine Bibliothek (315 Quadratmeter), ein Musikzimmer (154 Quadratmeter), das Schlafzimmer des Hausherrn (33 Quadratmeter), ein Hallenbad nebst Sauna, einen Fitnessraum und nicht zu vergessen Görings heissgeliebte Modelleisenbahn (ca. 45 Quadratmeter). Erwähnenswert ist auch die Kunstsammlung des Hausherrn, deren Bestandteile grösstenteils in den besetzten Ländern zusammengeraubt wurden.

Und diese ganze Geschmacksverstauchung auf Staatskosten!

18. Dezember 2014

I bi vo Vaz und kummä vo Vaz

by Gabriel Weber

Der Maler Alois Carigiet, Bühnenbildner des Cabaret Cornichon, brachte zuweilen seinen jüngeren Bruder Balthasar mit, der ihm bei der Arbeit half. Bei einer solchen Gelegenheit 1934 entdeckte Cornichon-Chef Walter Lesch durch einen Zufall das komische Talent des damals 27jährigen Bündners und engagierte ihn. Es war der Beginn der Karriere des unvergleichlichen Zarli Carigiet (1907-1981).

Der Zarli mit seinem Kraushaar, seiner auffallenden Zahnlücke und seinem markanten Dialekt war eine unverwechselbare Figur auf der Bühne und im Film (Füsilier Wipf, Wachtmeister Studer, Gilberte de Courgenay, Hinter den sieben Gleisen u. a.). Doch so oft er auch beruflich die Leute zum Lachen brachte – privat wurde er häufig von schweren Depressionen gequält, besonders nachdem er 1947 das Cabaret Cornichon verlassen hatte. Nach Auftritten im Cabaret Fédéral erlebte Zarli (der übrigens nie Schauspiel- oder Gesangsunterricht gehabt hatte und dem ausserdem das Auswendiglernen von Texten sehr schwer fiel) 1959 schliesslich seinen grössten Erfolg. Als Clochard in dem Musical Eusi chlini Stadt sang er zur Eröffnung des Theaters am Hechtplatz in Zürich „Miis Dach isch dr Himmel vo Züri“ und blieb fortan einer der beliebtesten Volksschauspieler der Schweiz. Von 1960 bis 1963 schrieb er zusammen mit Gion Janett mit Vater, ist’s wahr Schweizer Radiogeschichte und zur gleichen Zeit entstand auch Es Dach überem Chopf, ein Film, bei dem erstmals (und letztmals) der Name Zarli Carigiet an erster Stelle genannt wurde. Nachdem er eine Zeit lang solo mit einer selbstgebauten Drehbühne aufgetreten war (unter Anderem mit Texten von Fridolin Tschudi), zog sich Zarli (ohne Frau und Kinder) in das heimatliche Trun im Vorderrheintal zurück und widmete sich mit Vorliebe der Malerei. Seine Popularität blieb jedoch ungebrochen.

Zarlis Witwe Doris Carigiet hat für das Buch Miis Dach isch dr Himmel vo Züri. Zarli Carigiet 1907-1981 unzählige Fotos und Erinnerungen zusammengetragen. Zu diesem Buch gehört ausserdem auch eine CD mit Zarlis besten Auftritten. I kummä värruckt!

16. Dezember 2014

Amor vincit omnia

by Gabriel Weber

Die Pompadour; Die Cosel; Die Montez… Verschiedene Mätressen sind in die Geschichte eingegangen. Obwohl im Protokoll nicht vorgesehen, übten die Geliebten regierender Fürsten oft grossen Einfluss aus – oft grösseren als die angetrauten Ehefrauen. In Mätressen der Weltgeschichte von Hermann Schreiber kann man die oft geradezu romanhaften Lebens- und Liebesgeschichten der fürstlichen Favoritinnen nachlesen.

Maria Mancini, eine Nichte Kardinal Mazarins, wurde neben ihren Schwestern kaum beachtet. Bis sie eines Tages die falsche Tür öffnete und einem jungen Mann begegnete, von dem sie zunächst nicht wusste, dass es Ludwig XIV. war… Sie wurde die grosse Jugendliebe des Sonnenkönigs. Eine ihrer Nachfolgerinnen, Athénais de Montespan, verabreichte ihrem königlichen Liebhaber heimlich Liebestränke und bemühte sogar den Okkultismus, um ihre Stellung zu behaupten. Ihr Ehemann war furchtbar eifersüchtig und kämpfte sogar um sie – gegen den König! Die vermutlich letzte Königs-Mätresse alten Stils war Magda Lupescu, die im 20. Jahrhundert jahrelang mit dem rumänischen König Carol II. zusammenlebte. Die meisten Mätressen waren nicht besonders beliebt, man gab ihnen auch gern die Schuld an allen Missständen am Hof. Aber es gab auch Ausnahmen, zum Beispiel Nell Gwyn, die populäre Geliebte Karls II. von England, die unter Anderem dafür bekannt war, dass sie sich selber öfters als „Hure“ bezeichnete.

Mätressen hatten stets eine undankbare Rolle. Sie wurden in Pamphleten und von Kanzeln herab geschmäht, aber war ihr Tun denn wirklich so schlimm? Warum sollte ein aus politischen Gründen verheirateter Monarch nicht tun dürfen, was man jedem bürgerlichen Untertan gestattete, nämlich sich eine Partnerin aus Neigung suchen? Kinder von Mätressen zeigten wesentlich seltener Degenerationserscheinungen als legitime Königskinder und wurden manchmal sogar bedeutende Persönlichkeiten wie zum Beispiel Moritz von Sachsen, der „Maréchal de Saxe“ (Sohn Augusts des Starken). Eine bedeutende Mätresse habe ich in diesem Buch allerdings vermisst: Franziska von Hohenheim, angesehene und beliebte Favoritin des Herzogs Karl Eugen von Württemberg.

11. Dezember 2014

Pleiten, Pech und Pannen

by Gabriel Weber

Schadenfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Eine besonders amüsante Art, diese Freude auszuleben, ist das Lexikon der Filmpannen (jetzt bei buchplanet.ch).

Du meine Güte, in der Filmbranche wird gestümpert! In Diamonds are forever zum Beispiel steuert James Bond (Sean Connery) sein Auto in eine schmale Gasse – aus Platzmangel gekippt, nur auf den beiden rechten Rädern. Aber wenig später verlässt der Wagen die Gasse auf den linken Rädern… In Titanic sind deutlich Kontaktlinsen sichtbar – die es damals (1912) noch gar nicht gab. In The Ten Commandements steht Charlton Heston als Moses vor dem Volk Israel – und hält dabei seinen Stock (je nach Kameraeinstellung) mal in der rechten, mal in der linken Hand. In Die Blechtrommel verschwindet von einem Moment auf den anderen ein ganzes Lama. In Star Wars sieht man die Schatten von Laserschwertern – aber Laser (sprich Licht) wirft eigentlich gar keinen Schatten… In Anaconda gibt es den berühmten Wasserfall, der aufwärts fliesst. Berühmt ist auch das Wagenrennen in Ben Hur: Neun Wagen gehen an den Start, fünf erleiden unterwegs Totalschaden und fünf kommen ins Ziel…

Die Entdeckung von Filmfehlern ist heute eine Wissenschaft für sich. In manchen Fällen fragt man sich wirklich, ob die Filmemacher eigentlich keine Augen im Kopf hatten.

9. Dezember 2014

Du hast Glück bei den Frau’n, Bel Ami…

by Gabriel Weber

…jawohl, allerdings hat er Glück bei den Frauen, der Mann namens Georges Duroy, Held (wenn man es so nennen will) des Romanklassikers Bel Ami von Guy de Maupassant.

Völlig abgebrannt kommt Georges Duroy, soeben aus den französischen Kolonien in Nordafrika zurückgekehrt, nach Paris. Mithilfe seines alten Freundes Charles Forestier findet er eine Stelle bei der Zeitung Vie française und mithilfe von Forestiers Gattin Madeleine gelingt es ihm, sich einen Namen als Journalist zu machen. Jawohl, ganz richtig: er schreibt miserabel, aber Madeleine Forestier hilft ihm. Duroy hat nämlich eine fabelhafte Wirkung auf das weibliche Geschlecht und nutzt das auch fleissig aus. Er flirtet mit allen, teils zum Vergnügen, teils aus Berechnung. Ob Madeleine Forestier (die er nach dem Tod ihres Mannes heiratet), Suzanne Walter (die Tochter des Herausgebers der Vie française), Suzannes Mutter oder die mondäne Clotilde de Marelle – Bel Ami, wie Duroy von seinen Verehrerinnen genannt wird, kann keine widerstehen. Durch seinen Vorgesetzten, Monsieur Walter, und den Aussenminister Laroche-Mathieu kommt Duroy auch mit der Politik in Berührung, mit Bestechung und Spekulation. Er macht auch erste Schritte auf dem gesellschaftlichen Parkett. Und dank seiner Damen hat Duroy immer Erfolg…
Im Paris der Belle Époque müssen ja schöne Zustände geherrscht haben!
4. Dezember 2014

God save the Kings and Queens

by Gabriel Weber

Die stets mit Hut und Handtasche bewaffnete alte Dame dürfte eine der berühmtesten Frauen der Welt sein. Seit 62 Jahren sitzt Grossbritanniens Dauer-Königin Elizabeth II. auf dem Thron – und allem Anschein nach wird sich daran so bald nichts ändern. Die Geschichte ihrer Familie kann in Königliche Familie von Pierre Berton nachgelesen werden.

Entstanden ist das heutige britische Königshaus eigentlich 1817 aus der Vereinigung zweier Gegensätze. Prince Edward, Duke of Kent, der vierte Sohn von König George III., heiratete Prinzessin Viktoria von Sachsen-Coburg. Beide waren typische Vertreter ihrer jeweiligen Familie: Er pompös, verschwenderisch, leichtlebig, brutal und mit schlechten Manieren. Sie still, genügsam, zurückhaltend, hoch moralisch, aber auch sehr ehrgeizig. Ihre gemeinsame Tochter, Königin Victoria, vereinigte beide Erbschaften in sich. Und mit ihrem Ehemann, Prinz Albert, kam ein weiteres Prachtexemplar von einem Coburger in die Familie. Nachdem die Könige und Prinzen aus dem Haus Hannover mit ihren Extravaganzen dem Ansehen der britischen Monarchie sehr geschadet hatten, wollten Victoria und Albert ihre Familie nun zur idealen, perfekten Vorzeigefamilie (nach Coburger Massstäben) machen – auf Biegen oder Brechen! Ihr ältester Sohn, der spätere König Edward VII., rebellierte gegen die strenge Erziehung, indem er ein ausgesprochener Genussmensch wurde, weltgewandt und kosmopolitisch. Sein Sohn George V. wiederum erwies sich als kleinkarierter Spiesser und Grobian, der (in Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg) partout britischer werden wollte als sämtliche Briten zusammen und, wie einst seine Grossmutter, die Familie zum dauernden „Idealzustand“ verurteilte. Und diesem Idealzustand entsprach niemand weniger als der ruhelose, unkonventionelle, grosszügige, den Frauen zugeneigte und notorisch unpünktliche Edward VIII., der spätere Duke of Windsor. Der stotternde und gehemmte König George VI. war wie sein Vater überaus pünktlich und exakt, was ihn öfters in Konflikt mit seiner Gattin Elizabeth (der späteren Queen Mum) brachte.

Bei dieser Familiengeschichte – wen wundert’s, dass die heutigen Windsors sich zuweilen auch ein wenig exzentrisch verhalten?

2. Dezember 2014

Der gefährlichste Mann von Chicago

by Gabriel Weber

Für alle Krimifreunde hält buchplanet.ch jetzt einen ganz besonderen Leckerbissen bereit: Dickie Dick Dickens gegen Chicago von Rolf und Alexandra Becker.

Dickie Dick Dickens ist der berühmteste und erfolgreichste Gangster von ganz Amerika, so eine Art Leonardo da Vinci des Verbrechens. Begleitet wird er bei seinen Abenteuern in der Unterwelt von Chicago stets von seiner Freundin Effie, seinem väterlichen Freund Opa Crackle und dem furchtbar abergläubischen Bonco. Immer wieder ist es diesem Quartett gelungen, der Justiz ein Schnippchen zu schlagen, bis eines Tages das Schicksal in Gestalt der Kriminalpolizei erbarmungslos zuschlug… Seither sitzt Dickens im Gefängnis (man stelle sich das vor!), und nicht etwa als Mörder, Dieb oder Betrüger, sondern als Bigamist, und das obendrein auch noch zu Unrecht! Doch da in der Unterwelt von Chicago ohne ihn nichts läuft, ist Dickens (durch eine raffinierte List) im Handumdrehen wieder auf freiem Fuss. Zusammen mit seinen Mitarbeitern, ergänzt durch den Juwelier und Hehler Josua Benedikt Streubenguss sowie Edwina Shrewshobber, ihres Zeichens Vorsitzende des Chicagoer Frauenvereins, macht er sich wieder an die Arbeit. Doch Chefkommissar Lionel Mackenzie von der Kriminalpolizei ist ihm dicht auf den Fersen. Und ausserdem hat ein richtiger Gangster unter seinen Kollegen immer auch einige Rivalen, die ihn aus dem Verkehr ziehen wollen… Doch Dickie Dick Dickens, das Gangster-Genie (das übrigens schon im Kindesalter seine grosse Begabung unter Beweis stellte), findet auch in der verzwicktesten Situation einen Ausweg!

Man weiss es ja aus Büchern und Filmen: Im Chicago der 20er Jahre war die Kriminalität eine Branche wie jede andere auch, nur das Berufsrisiko war etwas grösser als anderswo… Die eine Hälfte der Stadtbevölkerung bestand aus Gangstern, die andere aus Gesetzeshütern. Diese und andere Klischees kommen in Dickie Dick Dickens reichlich zum Zug. Die Krimi-Parodie des Schriftsteller-Ehepaars Becker war übrigens früher als Radiohörspiel ein regelrechter Strassenfeger (heute auf CD erhältlich).