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Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir!

von Gabriel Weber

Aber was wir für das Leben lernen, ist eine andere Frage. Schulen sind kuriose Einrichtungen, ganz besonders Internate. In England, dem Land der noblen Elite-Internate, spielt Patrick Redmonds Thriller Das Wunschspiel.

Kirkston Abbey ist 1954 ein vornehmes, traditionsreiches Knaben-Internat – nicht nur sehr exklusiv, sondern auch über jeden Zweifel erhaben, zumindest nach aussen. Hinter der ehrenwerten Fassade ist jedoch die Hölle los: Da die Lehrer sich darauf beschränken, den Schülern Bücherwissen einzutrichtern, und sie ansonsten sich selbst überlassen, gilt ausschliesslich das Recht des Stärkeren. Die Stärkeren (und Brutaleren) tyrannisieren die Schwächeren, die ihnen auf Gnade oder Ungnade ausgeliefert sind. Jonathan Palmer zum Beispiel hat unter sadistischen Mitschülern ebenso zu leiden wie unter versnobten Lehrern, die auf ihn herabsehen, weil er aus einfachen Verhältnissen stammt. Richard Rokeby hingegen hat zwar den passenden familiären Hintergrund, kapselt sich aber freiwillig von den Mitschülern ab. So sind beide soziale Aussenseiter – und freunden sich an. Der selbstbewusste Richard, der vor niemandem kuscht und sich durch nichts einschüchtern lässt, bringt dem schüchternen, gebeutelten Jonathan bei, wie er den Psychoterror bekämpfen kann. Schön und gut – doch um welchen Preis? In ihrer homoerotisch angehauchten Freundschaft verfällt Jonathan seinem Beschützer immer mehr, er wird emotional abhängig von Richard. Und dieser wird nur von etwas getrieben, nämlich von grenzenlosem Hass…

Ein verstörendes Buch. Spätestens dann, wenn allen, die sich Richard und Jonathan in den Weg stellen, auf mysteriöse Weise irgendein Unglück zustösst, bekommt der Leser ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Ausserdem sind sechs Tote und diverse ruinierte Existenzen ein ziemlich happiges Quantum. Hingegen empfand ich die Genauigkeit, mit welcher der Autor das menschenverachtende Klima in Kirkston Abbey, das geradezu nach Gewalt schreit, und die verheerenden Folgen blinden Hasses beschreibt, als sehr positiv. Der Roman ist auch hochgradig spannend; Ich habe die rund 400 Seiten in zwei Tagen verschlungen (Vorsicht! Kein Happy End!).

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