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Einigkeit und Recht und Freiheit

von Gabriel Weber

1945 war bekanntlich der Zweite Weltkrieg beendet und mit ihm Nazi-Deutschland. Doch die zwölf Jahre der braunen Diktatur konnten natürlich nicht so einfach ausgelöscht werden. Die Schatten der Vergangenheit blieben und suchen Deutschland bis heute immer wieder heim. 1961 veröffentlichte Bertram Otto in Bonn einen kleinen Bildband mit dem vielsagenden Titel: Hitler marschiert in der Ostzone. Anhand von Fotografien will der Autor beweisen, dass die Ostzone (sprich die DDR) im Grunde nichts anderes sei als ein Drittes Reich mit anderen Vorzeichen.

Der Autor stellt Bilder aus der Nazi-Zeit solchen aus der DDR gegenüber. Und das Resultat ist recht frappierend: Hüben und drüben Pompöse Massenaufmärsche. Exzessiver Führerkult. Keine Opposition. Wahlen ohne Auswahl. Polizeilicher Terror gegen Regimegegner. Eine Parteidoktrin so quasi als Religions-Ersatz. Kunst als Mittel der Propaganda. Hasspredigten gegen einen erfundenen Feind. Sogar die Uniformen sind sich nicht unähnlich.

Aber es ist meiner Meinung nach in einem solchen Fall wichtig, beide Seiten zu sehen. Ich habe versucht, mir vorzustellen, wie wohl ein entsprechendes DDR-Werk über West-Deutschland aussehen würde. Alle die alten Nazis in den Chefetagen der Bundesrepublik, alle die Wehrmacht- und SS-Kaderleute in der Bundeswehr, alle die zu Gefängnisstrafen Verurteilten der Nürnberger Prozesse, von denen kaum einer seine Strafe wirklich vollständig abgesessen hat…

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