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Eine trügerische Idylle

von Gabriel Weber

Ein Klassiker der Schauerliteratur ist Bis zum Äussersten (im Original The Turn of the Screw, wörtlich „Die Drehung der Schraube“) von Henry James.

Eine junge Pfarrerstochter tritt eine Stelle als Gouvernante an. Ein reicher Junggeselle hat sie eingestellt, um auf seine beiden Mündel aufzupassen. Wichtigste Bedingung: Er will unter allen Umständen in Ruhe gelassen werden, sie soll alles allein machen. Die junge Frau reist also nach Bly, einem hochherrschaftlichen Landsitz in Essex. Es gefällt ihr dort gut; ihre beiden Schützlinge, Flora und Miles, erweisen sich als hübsche, brave und wohlerzogene Kinder – fast ein bisschen zu hübsch, brav und wohlerzogen. Doch im Laufe der Zeit gelangt die Gouvernante zu der Ansicht, dass hinter der idyllischen Bilderbuchfassade Abgründe lauern… Die eigentümlichen Dinge, die sie beobachtet, lassen nur einen Schluss zu: Quint, der einstige Kammerdiener des Hausherrn, und Miss Jessel, die frühere Gouvernante, zwei zutiefst schlechte Menschen, haben Miles und Flora verdorben,  ihnen das Schlechte eingeimpft. Zwar sind Quint und Miss Jessel inzwischen beide tot; aber die Gouvernante ist überzeugt, dass sie die Kinder immer noch heimsuchen. Und dass es irgendwann zu einer Katastrophe kommen wird, wenn sie nichts unternimmt. Aber was soll sie unternehmen?

Das besonders Faszinierende an der Geschichte besteht in der Subjektivität. Alles wird aus der Sicht der Gouvernante erzählt; so wird nie recht klar, ob das alles eigentlich real ist oder ob sie es sich nur einbildet. Die Erzählung war ein grosser Erfolg; sie wurde bis heute mehrmals verfilmt und diente Benjamin Britten sogar als Vorlage für eine Oper.

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