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Dr. Placheta von der Uniklinik

von Gabriel Weber

Am 8. Juni 1918 brachte Therese Placheta, Gattin des Oberleutnants der k. u. k . Artillerie Hugo Placheta, im heute rumänischen Marosheviz ihren ersten und einzigen Sohn Gunther zur Welt (52 cm, 3350 g). Der Junge sollte später eine sehr vielfältige Begabung an den Tag legen.

In Wien aufgewachsen, wo sein Vater als Tierarzt tätig war, entdeckte Gunther schon früh seine Begeisterung für den Schwimmsport. Er hatte grossen Erfolg als Brustschwimmer, nahm an mehreren internationalen Wettkämpfen teil und wäre 1936 beinahe für Österreich bei den Olympischen Sommerspielen in Berlin angetreten. Hauptberuflich studierte er Medizin und wurde Arzt. Nachdem er während des Krieges in der Wehrmacht erste praktische Erfahrungen gesammelt und nach dem Krieg einige Zeit in Kriegsgefangenschaft verbracht hatte, kam Gunther als Stationsarzt an die psychiatrische Universitätsklinik in Wien. Es sollte seine letzte Station in diesem Beruf sein; Ende 1949 hängte Dr. med. Gunther Placheta den weissen Kittel an den Nagel – und wurde Schauspieler.

Gunther machte sich bald einen Namen als Komiker, zunächst auf der Bühne, dann auch vor der Filmkamera. Zu den bekanntesten und erfolgreichsten Werken in seiner Filmographie gehören Die Deutschmeister, Der BettelstudentKaiserjäger, Unsere tollen Tanten sowie über ein Dutzend Filme, in denen Gunther mit Peter Alexander zusammen auftrat, darunter Im weissen Rössl, Die Abenteuer des Grafen BobbyDie Fledermaus und Schwejks Flegeljahre. Ausserdem schrieb Gunther aber auch Theaterstücke und Drehbücher und betätigte sich als Autorennfahrer. Der Wunsch seines Vaters, Gunther solle Geige spielen lernen, erwies sich jedoch als Reinfall (man kann eben nicht für alles Talent haben).

Zu Beginn seiner Karriere als Schauspieler legte Gunther sich einen Künstlernamen zu, da er nach der Meinung von Fachleuten (besonders nach der Meinung von Fräulein Cech, der Sekretärin des Max-Reinhardt-Seminars) auf der Bühne unmöglich Placheta heissen konnte. Er nannte sich fortan Gunther Philipp und veröffentlichte 1989 seine Memoiren Mir hat’s fast immer Spass gemacht (jetzt bei buchplanet.ch).

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