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Die tapferen Schneiderlein

von Gabriel Weber

Paris ist und bleibt eine der Hauptstädte der Mode. Warum das so ist? Davon erzählt Rudolf Kinzel in Die Modemacher.

Erfunden wurde die Pariser Haute Couture nicht etwa von einem Franzosen, sondern von einem Engländer: Charles Frederick Worth (1825-1895). Sein Anfang: Ein bettelarmer Bursche aus Lincolnshire, der in einem Tuchgeschäft arbeitete. Sein Ende: Der Modekönig Europas, millionenschwerer Inhaber des „Maison Worth“ an der Rue de la Paix, Lieferant von Königinnen ebenso wie von Kurtisanen, aber auch ein exzentrischer Sonderling, über den ganz Paris grinste und der ein lohnendes Sujet für Karikaturen war. Als 1870 die Pariser Bevölkerung die Tuilerien stürmte, stürmte Worth mit; er hoffte, die Garderobe der nach England geflohenen Kaiserin Eugenie retten zu können…  Sein „Nachfolger“ war Paul Poiret (1879-1944), der die Ganz- und auch die Halbwelt der Belle Époque einkleidete, aber nach dem Ersten Weltkrieg mit der Entwicklung nicht mehr Schritt halten konnte und verarmt und vergessen starb… Elsa Schiaparelli (1886-1973) kam aus enttäuschter Liebe und finanzieller Not in die Modebranche und begann ihre Karriere damit, dass sie Pullover strickte. Ihre grösste Konkurrentin Gabrielle „Coco“ Chanel (1883-1971) pflegte zuweilen vom Fenster ihrer Suite im Hotel Ritz aus Schiaparellis Schaufenster gegenüber per Fernglas zu beobachten, weil sie nicht dabei ertappt werden wollte, wie sie die Auslagen der Konkurrenz begutachtete…

Den Pariser Modekönigen scheint nichts menschliches fremd geblieben zu sein. Immer wieder wurden sie Mitwisser von Skandalen, zum Beispiel wenn ein hoher Herr anstatt seiner Frau seine Geliebte einkleiden liess… Das macht Kinzels Buch so unterhaltsam, selbst wenn man sich nicht für Mode interessiert.

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