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Einer spinnt immer

von Gabriel Weber

Dass Begabung und Geisteskrankheit zuweilen nahe beieinander liegen, ist spätestens seit Friedrich Nietzsche bekannt. Aber der Friedrich Wilhelm mit dem Riesenschnauzer war nicht der einzige. In dem Buch Genie, Irrsinn und Ruhm von Wilhelm Lange-Eichbaum und Wolfram Kurth werden Persönlichkeiten der Weltgeschichte auf ihre psychischen Gebrechen hin analysiert. Auch die Frage „Was ist ein Genie?“ wird erörtert.

Der „Marschall Vorwärts“, Gebhard von Blücher, war zeitweise schwer depressiv. Dante Alighieri reagierte mit seinen Schilderungen der Hölle seinen Sadismus ab. Ebenfalls sadistisch veranlagt war Wilhelm Busch. Michelangelo litt an Paranoia, während Napoleon einen ausgeprägten Ödipuskomplex aufwies. Sigmund Freud wird „fast schon verdächtige Musterknabenhaftigkeit“ attestiert, William Shakespeare als „in sexueller Hinsicht hemmungslos“ bezeichnet. Christoph Columbus war anscheinend ein notorischer Aufschneider.

Genie, Irrsinn und Ruhm ist das reinste Panoptikum. Wenn man zu lange darin liest, kommt einem die Weltgeschichte irgendwann wie eine einzige psychiatrische Klinik vor. Offenbar hatte fast jede historisch bedeutende Persönlichkeit einen Sprung in der Schüssel bzw. einen Dachschaden (irgendwie beruhigend, finde ich). Das Werk ist alles andere als leicht; wenn man es wirklich konzentriert lesen will, sollte man ein psychiatrisches Wörterbuch hinzuziehen. Über Franz Liszt heisst es beispielsweise: „Zyklothyme Konstitution, passionierter Idealismus, artistisches Proselytentum.“ Wie bitte? Prosely-was? Ich verstehe nur Bahnhof…

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