Blog von buchplanet.ch | gebrauchte Bücher zu unschlagbaren Preisen

Die Zürcher Buddenbrooks

von Gabriel Weber

In seinem Roman Schweizerspiegel liefert der Schriftsteller Meinrad Inglin ein grosses Panorama der Schweiz zur Zeit des Ersten Weltkriegs.

Zur Zeit des Staatsbesuchs Kaiser Wilhelms II. in der Schweiz im September 1912 ist für die Zürcher Familie Ammann die Welt noch in Ordnung: Alfred Ammann, Oberst, Brigadekommandant und Nationalrat, und seine Frau Barbara sind wohlhabende, angesehene Bürger. Die Tochter Gertrud ist standesgemäss verheiratet, der älteste Sohn Severin arbeitet als Journalist, Fred studiert noch, nur Paul macht den Eltern Sorgen, denn der promovierte Philologe scheint partout keiner geregelten Tätigkeit nachgehen zu wollen. Knapp zwei Jahre später beginnt der Aktivdienst und mit ihm der langsame „Verfall einer Familie“, wie Thomas Mann gesagt hätte. Vater Ammann muss nach einer blamablen Manöver-Niederlage seiner Brigade (Kommentar von Divisionär Bosshart: „Deine ganze Gesellschaft ist versohlt und versäckelt!“) das Kommando niederlegen; Gertrud verlässt ihren Gatten, Oberstleutnant Albrecht Hartmann, zugunsten des mittellosen Dichters Albin Pfister; Severin treibt durch seine Sympathie für Deutschland einen Keil zwischen die Ammanns und ihre Westschweizer Verwandtschaft; Der Freigeist Paul entzieht sich seiner bürgerlichen Familie immer mehr und mehr; Fred bringt es zwar zum Leutnant, scheint es aber mit einem zivilen Broterwerb nicht eilig zu haben…

Alles ist in diesem Buch enthalten: Die umstrittene Wahl General Willes. Der Standesdünkel der Offiziere und die berüchtigte „Schule Wille“. Die Spannungen zwischen Deutschschweiz und Romandie.  Der Ärger mancher Soldaten darüber, dass sie zwar ständig für den Krieg gedrillt werden, aber letztlich doch nie ernsthaft mit ihm in Berührung kommen. Und dann ist da auch noch die spanische Grippe 1918…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.