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Knigge für Fortgeschrittene

von Gabriel Weber

Gute Manieren sind heutzutage wieder „in“. Aber was sind eigentlich gute Manieren? Das ist schwer zu definieren. Ein weiteres Problem besteht darin, dass Umgangsformen auch eine Frage des Zeitgeistes sind, sich also im Laufe der Zeit verändern. Für Leute, die wissen wollen, was in den 1950er Jahren comme il faut war, empfehle ich die Hohe Schule der Lebensart von Erna Horn.

500 Seiten Benimmregeln! Und zwar für jede Lebenslage: Für Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen, auf Reisen, im Theater bis hin zur persönlichen Körperpflege. Kein Detail wird ausgelassen. So ist beispielsweise die Frage, wer wem wann auf welche Weise vorgestellt wird, eine Wissenschaft für sich. Ähnlich verhält es sich mit dem Problem des korrekten Gehens und Sitzens. Und erst die Kleidung! Männer haben es mit ihren Anzügen ja noch recht einfach (man erinnere sich: das Buch ist aus den Fünfziger Jahren), aber für Damen ist es wesentlich komplizierter. Wann zu welchem Anlass was für ein Kleid in welcher Farbe? Mit Hut? Wenn ja, mit welchem? Und was ist mit der Frisur? Während einige Benimmregeln (etwa die, dass die jüngere Person der älteren die Tür aufhalten soll) nie aus der Mode kommen, ist der (hier noch beschriebene) Handkuss inzwischen völlig überholt.

Die Hohe Schule der Lebensart ist zum Fürchten. Es zeigt deutlich, dass man es mit den Umgangsformen auch übertreiben kann. Vermutlich wäre das Leben zu kurz, um alle in diesem Buch aufgeführten Vorschriften zu verinnerlichen. Ich frage mich, ob die Verfasserin selber stets alle angeführten Benimmregeln im Kopf hatte und auch einhielt!

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