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Archiv vom Juni, 2014

26. Juni 2014

Tiere aller Länder, vereinigt euch!

by Gabriel Weber

Ich habe seinerzeit im Englischunterricht am Gymnasium ganz verschiedene Bücher gelesen. Aber kaum eines hat mich so beeindruckt wie George Orwells Klassiker Animal Farm (Farm der Tiere).

Auf einer Farm in England bricht eines Tages die Revolution aus. Die Pferde, Schweine, Hühner, Schafe und anderen Tiere verjagen den Bauern Jones und übernehmen die Farm selbst. Sie haben es nämlich satt, von den Menschen ausgebeutet zu werden! Sie wollen frei und ihre eigenen Herren sein – und von ihrer Farm aus wird sich die Revolution ausbreiten, bis alle Tiere der Welt ihre Freiheit erlangt haben! Tiere, hört die Signale! Das klingt gut; und am Anfang läuft auch alles bestens mit den Genossen. Aber mit der Zeit bildet sich doch eine neue „herrschende Klasse“ heraus, nämlich die Schweine. Besonders der Eber Napoleon versteht es, die Macht auf der Farm an sich zu reissen. Denn wenn auch alle Tiere gleich sind, so sind doch einige immer noch gleicher als die anderen…

In dieser genialen Satire auf die Russische Revolution und ihre Folgen ist vieles enthalten: die revolutionäre Begeisterung, die Hoffnung auf ein besseres Leben, Streitigkeiten und Machtkämpfe innerhalb der Führungsriege, der Wert der Propaganda, Manipulation der Massen, Einschüchterung der Gegner durch Terror und Schauprozesse… und irgendwann stellt man sich die Frage, ob die Tiere durch ihre „Revolution“ nicht vom Regen in die Traufe gekommen sind. Diese Dinge haben nicht nur für die Russische Revolution Gültigkeit, sondern sind leider auch heute immer noch aktuell – und mit ihnen Orwells Buch (der Autor hatte übrigens gestern Geburtstag).

24. Juni 2014

Bootsfahrt mit Hindernissen

by Gabriel Weber

In seinem Klassiker Drei Mann in einem Boot (Three Men in a Boat) erzählt der englische Schriftsteller Jerome K. Jerome mit viel Humor von einer Bootsfahrt, während derer so ziemlich alles schiefgeht, was schiefgehen kann.

Drei offenbar hypochondrisch veranlagte Londoner, die Herren George, Harris sowie der Ich-Erzähler J. (Jerome), beschliessen, zwecks Erholung eine mehrtägige Bootsfahrt auf der Themse zu unternehmen. Sie wollen mal so richtig ausspannen und die Seele baumeln lassen. Doch das ist leicht gesagt; schon das Packen erweist sich als Angelegenheit, die generalstabsmässig geplant werden muss, wenn man innert nützlicher Frist fertig werden will. Am Bahnhof angekommen, hat keiner der drei eine Ahnung, auf welchem Gleis ihr Zug fährt; nachdem ihnen jeder gefragte Bahnbeamte eine andere Auskunft gegeben hat, bleibt den drei Männern nichts anderes übrig, als einen Lokomotivführer zu bestechen, damit er mit seinem Zug dorthin fährt, wo sie hin wollen. So geht es weiter…

Jerome erzählt sehr farbig und anschaulich von den Widrigkeiten des Lebens. Man lernt dabei einiges. Wenn ein Hemd ins Wasser fällt, ist das zum Umfallen komisch – aber nur, sofern es nicht das eigene Hemd ist. Und das Teewasser bringt man am besten dadurch zum kochen, dass man so tut, als wolle man gar keinen Tee. Unterwegs schweift der Autor immer wieder ab und berichtet auch von anderen Erlebnissen (zum Beispiel davon, wie sein Onkel ein Bild aufhängen will und dabei das halbe Zimmer in Schutt und Asche legt; oder davon, wie Freund Harris auf einer Abendgesellschaft ein humoristisches Lied zum Besten gibt).

19. Juni 2014

Die 2000 Schafe auf dem Hollywood Boulevard

by Gabriel Weber

Amerika ist bekanntlich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das erstreckt sich auch auf die Gesetzgebung. Roman Leuthner hat in seinem Buch Nackt baden streng verboten die kuriosesten Gesetze aus aller Welt zusammengetragen und ist dabei besonders in den Vereinigten Staaten von Amerika fündig geworden. Im Vorwort äussert er sich auch darüber, wie solche Paragraphen zustande kommen.

In Idaho darf ein Mann seiner Angebeteten keine Pralinenschachtel überreichen, die weniger als 50 Pfund wiegt. (Da werden sich die Pralinenliebhaberinnen aber freuen!) In Pennsylvania darf kein Mann ohne die schriftliche Genehmigung seiner Frau Alkohol kaufen. (Wie viele Frauen wären für eine solche Bestimmung dankbar!) In Massachusetts hat eine Frau beim Sex immer unter dem Mann zu liegen. (Wie das wohl im Zweifelsfall vor Gericht bewiesen werden soll?) Im selben Staat ist es auch illegal, Duelle mit Wasserpistolen auszutragen. (Blöde Idee. Die sollten Wasserpistolen als Duellwaffen für obligatorisch erklären.) In Kalifornien dürfen Fahrzeuge ohne Fahrer mit nicht mehr als 96 km/h unterwegs sein. (Hoffen wir, dass die fahrerlosen Autos sich daran halten. Solange sie nur 96 fahren, kann ja nichts passieren.) Wenn sich in Kansas zwei Züge auf dem selben Gleis treffen, darf keiner von beiden weiterfahren, bevor der andere vorbei ist. (Na Bravo! Ich wünsche frohes Warten!) In Hotels in Louisiana ist es verboten, zu schnarchen, wenn dadurch andere Gäste gestört werden. (Das nenne ich ein menschenfreundliches Gesetz!) In Maine ist das Aussteigen aus einem Flugzeug verboten, solange es fliegt. (Kurioses Gesetz. Wie die wohl auf den Gedanken gekommen sind…) In Missouri sind Filme und Bücher über Robin Hood verboten, wegen kommunistischer Propaganda. (Gut so, endlich merkt es mal jemand!) Und in Kalifornien dürfen auf keinen Fall mehr als 2000 Schafe gleichzeitig den Hollywood Boulevard hinunter getrieben werden. (Das gäbe ja sonst ein Gedränge!)

He, Moment mal! Nicht überheblich werden! Auch in anderen Ländern gibt es eigentümliche Paragraphen. In Kanada zum Beispiel ist es verboten, ohne „lebenssicherndes Gerät“ aus einem Flugzeug zu springen. (Logisch. Ohne Fallschirm könnte man ja beim Runterfallen versehentlich jemanden erschlagen.) Und das Ungeheuer von Loch Ness steht unter Naturschutz – aber nur unter der ausdrücklichen Voraussetzung, dass es existiert. (Wer hätte das gedacht!)

17. Juni 2014

Der beste Freund des Menschen

by Gabriel Weber

Ihre Majestät Elizabeth II., ihres Zeichens Langzeit-Monarchin von Grossbritannien und Nordirland, hat bekanntlich eine Leidenschaft für Hunde, insbesondere Corgis (und zwar schon seit 1933). Dass sie damit in ihrer Verwandtschaft nicht alleine ist, beweist Noble Hounds and Dear Companions von Sophie Gordon (jetzt bei buchplanet.ch). Die Autorin hat eine beachtliche Anzahl von Fotos aus den königlichen Alben zusammengetragen, die Mitglieder des britischen Königshauses mit ihren vierbeinigen Gefährten zeigen.

Schon Königin Victoria war vernarrt in Hunde, ebenso ihr Prinzgemahl Albert; auch Edward VII. und Alexandra, George V. und Mary sowie George VI. und Elizabeth hatten ihre Terrier, Labradors, Pekinesen usw. Die königlichen Hunde waren ganz selbstverständlich auf Familienbildern präsent, teilweise wurden sie sogar porträtiert. Victorias Spaniel Dash war nur einer von diversen Artgenossen, die nach ihrem Tod in der Nähe von Windsor Castle begraben wurden – mit Grabstein und allem. Als König Edward VII. 1910 zu Grabe getragen wurde, folgten dem Sarg nicht nur sein Reitpferd und Staatsgäste aus aller Welt, sondern auch sein Terrier Caesar – derselbe Caesar, von dem der König eine Miniatur aus Porzellan hatte anfertigen lassen, und zwar von keinem geringeren als dem berühmten Juwelier Carl Fabergé.

Es scheint, als hätten manche britischen Royals zu Hunden eine weitaus engere Beziehung als zu Menschen – sogar eine weitaus engere als zu den eigenen Kindern. Wenn ich heute diese Bilder betrachte, frage ich mich: Handelte es sich hier einfach um „gewöhnliche“ Tierliebe? Oder war das Leben dieser Menschen wirklich so leer, dass ihnen nicht anderes übrig blieb, als ihr Herz an Vierbeiner zu hängen?

5. Juni 2014

Difunta Correa, Argentinien

by Sara Grob

REISEERINNERUNG VON SARA GROB

Dies ist der vierte und (vorerste) letzte Bericht meiner Argentinienreise. Passenderweise hat eine Mitarbeiterin von buchplanet.ch diesen Beitrag in die spanische Sprache übersetzt (die Übersetzung finden Sie ganz am Ende des Textes). Herzlichen Dank!

Sagen, Legenden, Mythen und Märchen haben seit jeher eine Faszination auf mich ausgeübt. Wenn die Grenze zwischen Realität und Fantasie verschwimmt, bleibt immer noch Raum für die eigene Interpretation.

Ich möchte Ihnen hier die Geschichte von Maria Antonia Deolinda y Correa erzählen.  Im Jahre 1841 herrschte in Argentinien Bürgerkrieg.  Maria Antonia Deolinda y Correa und ihr Mann waren glücklich zusammen, vor kurzem waren die beiden Eltern geworden. Doch dann wurde ihr Mann von spanischen Soldaten verschleppt. Sie verzweifelte schier, sie vermisste ihren Mann doch so und war sehr in Sorge. Also machte sie sich mit dem Baby auf den Weg ihn zu suchen. Sie marschierte durch die trockene Gegend in der Provinz Juan. Einige Tage später fanden Gauchos (argentinische Kuhhirten) ihre Leiche am Fusse eines Hügels in der Wüste. Das Baby, welches an ihrer Brust lag, lebte jedoch noch. Es ernährte sich mehrere Tage von der Muttermilch, die trotz dem Tode der Mutter nicht versiegte.
Die Gauchos begruben Deolinda Correa auf dem Hügel, nahmen das Baby mit sich und verbreiteten die Kunde über dieses Wunder im ganzen Land.

Leider verschweigt uns die Legende was aus dem Baby geworden ist. In meiner Fantasie wurde das Baby von liebenden Pflegeeltern aufgezogen und hat später selbst eine Familie gegründet. Die Nachfahren der Difunta Correa leben noch immer in Argentinien und besuchen regelmässig ihren Schrein, ohne zu wissen, dass sie mit ihr verwandt sind.

„Ihren Schrein?“, werden Sie sich jetzt vielleicht fragen. Die Difunta Correa ist so was wie eine Volksheilige von Argentinien. Sie war eine treue Frau, die ihrem geliebten Manne folgte und sie opferte sich für ihr Kind und seine Zukunft auf: das ideale Frauenbild in einem katholischen Land. Der Ort ihres Grabes in Vallecito (Provinz San Juan) wurde zu einem Wallfahrtsort. Die Verehrung der Difunta Correa ist ohne kirchliche Anerkennung.

Auf einem Hügel befinden sich mehrere Kapellen für Difunta Correa, 70 Treppenstufen führen zu den Kapellen. Manche Gläubige robben die Treppenstufen auf Knien hoch. Wie Sie auf dem Foto sehen können, sind die Treppenstufen mit einem Dach gedeckt. Das Dach ist bedeckt mit Auto- und Töffnummern und vielen roten Bändel. Die Treppe ist gesäumt von selbstgebastelten Miniaturhäusern, die  mit Danksagungen für Difunta Correas Schutz bepinselt sind.

Ich habe mir sagen lassen, dass die Difunta Correa „Cobradora“ (aus dem Spanischen, cobradora = die Kassiererin) sei. Sie kassiert für ihre Dienste. Wenn man um ihren Schutz bittet oder sonst einen Wunsch an sie richtet, sollte man ihr auch eine Bezahlung versprechen. Zum Beispiel bitten viele junge Damen um einen Heiratskandidaten. Sie versprechen der Difunta, dass sie ihr das Hochzeitskleid spenden werden wenn sie endlich verheiratet sind.

In Vallecito steht aber nicht der einzige Schrein für Difunta Correa. Im ganzen Land finden sich Gedenkstätten, die der Difunta Correa gewidmet sind. Da Difunta Correa ja verdurstet ist legt man an diesen Plätzen (zum Beispiel auf Passstrassen) mit Wasser gefüllte Pet-Flaschen nieder. Kein Mensch sollte mehr verdursten müssen. (Sollten Sie also einmal orientierungslos in der argentinischen Wüste herumirren, bitten Sie Difunta Correa um ihren Schutz und hoffen Sie, dass Sie bald eine Gedenkstätte für sie entdecken. Und wenn Sie das dringende Bedürfnis nach einer Zigarette verspüren, dann hoffen Sie auf einen Schrein, der Gauchito Gil gewidmet ist, denn dort legt man traditionellerweise Zigaretten, Coca-Blätter und Wein nieder.  Gauchito Gil ist ebenfalls ein Volksheiliger in Argentinien)

Die Difunta Correa gilt als Schutzheilige der Reisenden. Deshalb habe ich ihr natürlich auch etwas Kleines geopfert. Sie hat ihr Versprechen gehalten und dafür gesorgt, dass wir wohlbehalten wieder zurück in die Schweiz kamen.

 

Schrein an einer Passstrasse

Schrein an einer Passstrasse

 

Schrein an einer Landstrasse mit sehr vielen Pet-Flaschen

Schrein an einer Landstrasse mit sehr vielen Pet-Flaschen

 

Pet-Flaschen mit einer Dankestafel

Pet-Flaschen mit einer Dankestafel

 

Am Wallfahrtsort in Vallecito

Am Wallfahrtsort in Vallecito

 

Miniaturhäuser für Difunta Correa in Vallecito

Miniaturhäuser für Difunta Correa in Vallecito

 

Autonummern und rote Bändeli in Vallecito

Autonummern und rote Bändeli in Vallecito

 

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2. Juni 2014

Erdnüsse aus Amerika

by Gabriel Weber

Erdnüsse heissen auf englisch peanuts. Und ebenso heisst auch der vermutlich erfolgreichste Comicstrip der Welt, kreiert von Charles M. Schulz: Peanuts. Schulz zeichnete über Jahrzehnte hinweg unzählige Vier-Bilder-Geschichten über die mehr oder weniger alltäglichen Erlebnisse einer Gruppe von Kindern.

Charlie Brown, der schüchterne, herumgestossene, stets vom Pech verfolgte kleine Junge; Lucy, die ständig an Allem und Jedem herumnörgelnde Miesmacherin; Linus, Lucys kleiner Bruder (und, neben Charlie Brown, ihr Lieblingsopfer); Schroeder, der Klavierspieler und Beethoven-Fan, der sich ständig Lucys Avancen erwehren muss; Pig Pen, der Dreckspatz; Peppermint Patty, die resolute Draufgängerin mit Schulproblemen. Der zweifellos populärste Peanuts-Charakter überhaupt ist Charlie Browns Hund Snoopy. Dieser Tausendsassa von einem Beagle reüssiert (zumindest in seiner Phantasie) unter Anderem als Rechtsanwalt, als Schriftsteller und als Jagdflieger des Ersten Weltkriegs, immer unterstützt von seinem besten Freund, dem kleinen Vogel Woodstock. Snoopy spielt Tennis und Baseball, leitet eine Pfadfindertruppe und schläft nie in seiner Hundehütte, sondern immer auf deren Dach.

Charlie Brown ist Captain einer notorisch erfolglosen Baseball-Mannschaft. Seine kleine Schwester Sally ist unglücklich in Linus verliebt. Snoopy versucht erfolglos, seine Romane irgendeinem Verlag anzudrehen. Peppermint Patty will ihrer Freundin Marcie abgewöhnen, sie dauernd „Sir“ zu nennen. Im Grunde sind die Peanuts eine einzige Geschichte von Misserfolgen – aber Misserfolgen mit Charme und Humor. Ich finde diesen Mikrokosmos grossartig; voller liebevoller Details und pfiffiger Pointen.

Charles Schulz‘ Einfallsreichtum scheint nahezu unerschöpflich gewesen zu sein. Im Katalog von buchplanet.ch finden sich (und zwar sehr günstig) Peanuts auf französisch: La vie est un rêve, Charlie Brown und Imbattable Snoopy.