Blog von buchplanet.ch | gebrauchte Bücher zu unschlagbaren Preisen

Horch, mein Kilchberg läutet jetzt

von Gabriel Weber

Der neben Gottfried Keller „andere“ Schweizer Dichter des 19. Jahrhunderts ist Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898). Als Sohn eines Historikers und Politikers in Zürich geboren, begann er 1844 nach der Matura ein Jusstudium, gab es aber schon bald wieder auf (Jawohl!), versuchte sich zunächst als Maler und lebte später bescheiden und einsam von seinen Dichtungen. Erst durch seine Heirat mit der reichen Patriziertochter Luise Ziegler 1875 stabilisierte sich Meyers Existenz. Er liess sich in Kilchberg am Zürichsee nieder, wo er seine intensivste Schaffenszeit erlebte. Doch nachdem er bereits als junger Mann mit psychischen Problemen zu kämpfen gehabt hatte, machte ihm seine Geisteskrankheit in den letzten Jahren das Schreiben unmöglich.

Meyers Spezialität waren Novellen. Darunter befinden sich hochdramatische Geschichten wie Das Leiden eines Knaben (Der zwar schöne und sympathische, aber intellektuell komplett unbegabte Julian wird von seinem Vater chronisch überfordert), Die Richterin (der Ritter Wulfrin quält sich mit der inzestuösen Liebe zu seiner Halbschwester Palma) und Die Hochzeit des Mönchs (Der Franziskaner Astorre wird von seinem Vater gezwungen, den Orden zu verlassen und die Witwe seines Bruders zu heiraten, damit die Familie nicht ausstirbt), aber auch amüsante Schwänke wie Plautus im Nonnenkloster (Der italienischer Gelehrte Poggio sucht in einem Thurgauer Frauenkloster nach einem Buch mit Komödien von Plautus) und Meyers berühmtes Meisterwerk Der Schuss von der Kanzel (Damit seine Nichte Rahel ihren Freund Pfannenstiel heiraten kann, muss General Wertmüller zunächst Rahels Vater etwas unter Druck setzen…).

Während meiner Schulzeit habe ich eine Zeit lang jedes Wochenende eine Meyer-Novelle gelesen – so lange, bis keine mehr übrig war…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.