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Archiv vom Mai, 2014

27. Mai 2014

Tatü tata, die Feuerwehr ist da!

by Gabriel Weber

Wenn die berühmte Sirene erklingt und grosse rote Autos durch die Strassen brausen, weiss jedes Kind: Da kommt die Feuerwehr! Und sie kommt nicht nur, wenn es brennt; ob eine Katze von einem Baum gerettet, ob Öl am Auslaufen gehindert oder ob ein Bienenschwarm entfernt werden muss – die Feuerwehr, dein Freund und Helfer (leider ist der Slogan ein Plagiat). Einschlägige Lektüre gefällig? Florian 14: Achter Alarm von Hans Georg Prager.

Das Feuer ist für die Menschen seit jeher Fluch und Segen zugleich. Schon in der Antike existierten daher die ersten professionellen Feuerwehren und die ersten Brandschutzregeln. Das Mittelalter hingegen war eine dunkle Epoche der Brandbekämpfung im heutigen Sinn; vielerorts war man der Ansicht, Brände seien eine Strafe Gottes und deshalb sei es geradezu frevlerisch, mit Wasser dagegen vorgehen zu wollen. Wenn überhaupt, könne so ein Feuer nur durch Beten oder durch Herbeitragen von Monstranzen bekämpft werden…

Aber natürlich geht es in dem Buch des erfahrenen Feuerwehrmannes Prager nicht nur um die Geschichte, sondern auch um den heutigen Feuerwehr-Alltag (bzw. um den Feuerwehr-Alltag zu der Zeit, als das Buch geschrieben wurde). Es wird genau erklärt, was bei Eisenbahnunfällen, Schiffsbränden, Waldbränden und andere Ereignissen geschieht. Auch die Brandprävention wird abgehandelt und mit vielen Beispielen aus Herrn Pragers Berufspraxis angereichert; so sind zum Beispiel Feuermelder die „Lieblingsproblemkinder“ der Feuerwehr.

Der Titel des Buches, ebenso wie manches im Inhalt, verweist übrigens auf den heiligen Florian, den Schutzpatron gegen Feuersbrunst (Man denke an den nicht ganz ernst gemeinten Spruch: Heiliger Sankt Florian/verschon‘ mein Haus/zünd‘ andere an).

22. Mai 2014

Der Schlamassel

by Gabriel Weber

Einmal – es ist schon einige Jahre her – kam es vor, dass ich mich eine Zeit lang den ganzen Tag darauf freute, abends endlich in einem ganz bestimmten Buch weiterlesen zu können. Dieses Buch war Chaim Potoks Die Erwählten (jetzt bei buchplanet.ch).

New York in den 1940er Jahren: Reuven Malter, 15 Jahre alt, ist der Sohn eines sehr liberalen jüdischen Journalisten. Eines Tages steht er beim Baseball ausgerechnet seinem weltanschaulichen Erzfeind gegenüber: Danny Saunders, dem ebenfalls 15jährigen Sohn des Rabbiners der strenggläubigen Chassidim, die Reuven, wie viele liberale Juden, nicht ausstehen kann. Danny verletzt sein Gegenüber mit dem Ball am Auge; Reuven hat also allen Grund, ihn nicht zu mögen. Doch auf Wunsch seines Vaters freundet er sich (nach einigen Schwierigkeiten am Anfang) trotzdem mit Danny an – und staunt nicht schlecht; Denn der Sohn des berühmten und geradezu gefürchteten Rebbe Saunders ist ganz anders, als Reuven sich einen Chassiden vorgestellt hat…

Der vermeintliche Todfeind ist bei näherer Betrachtung ganz anders, als man zu wissen glaubte – dies ist meiner Ansicht nach eines der zentralen Themen in den Erwählten. Ausserdem lernt der Leser so einiges über das Judentum; zum Beispiel, dass die Juden eine ebenso heterogene Gruppe sind wie die Christen oder die Muslime.

21. Mai 2014

Museo Rocsen in Nono, Argentinien

by Sara Grob

REISEERINNERUNG VON SARA GROB

Dies ist der dritte Bericht meiner Argentinienreise. Passenderweise hat eine Mitarbeiterin von buchplanet.ch diesen Beitrag in die spanische Sprache übersetzt (die Übersetzung finden Sie ganz am Ende des Textes). Herzlichen Dank!

Wer mich einmal in meiner Wohnung besucht hat der weiss, dass ich eine begnadete Sammlerin von allen möglichen und unmöglichen Gegenständen bin. Ich habe diverse Sammlungen: alte Bilderbücher mit wunderschönen Illustrationen, Paperweights / Briefbeschwerer, alte und neue Postkarten, schönes Geschirr, Kunstgegenstände, süsse Staubfänger für den Setzkasten, …

Das Museo Rocsen in Nono in der Provinz Córdoba in Argentinien ist ein Paradies für Sammler wie mich. Dies war ein Höhepunkt unserer Argentinienreise.

Das Museum  wurde von  Juan Santiago Bouchon eröffnet und wird weiterhing von ihm geführt.. Es handelt sich um ein Privatmuseum, Monsieur Bouchon wird nicht staatlich unterstützt. Das Ziel des Museums ist laut Monsieur Bouchon: „Deseo que en mi museo se encuentre todo el hombre para todos los hombres.“ = Ich wünsche, dass sich in meinem Museum der ganze Mensch für alle Menschen findet.
Auf einer Fläche von 1530 m² finden sich über 20‘000 Ausstellungsstücke. Die Kuriositäten und Gegenstände sind thematisch geordnet und umfassen praktisch alle Bereiche des menschlichen Lebens.

Unser Besuch im Museo Rocsen dauerte etwa vier Stunden und das war eindeutig zu kurz! Bei meinem nächsten Besuch würde ich zwei Tage für das Museum einrechnen um alles in Ruhe betrachten zu können und die Eindrücke auf mich wirken zu lassen.

Monsieur Bouchon scheint ein bewegtes Leben geführt zu haben. Seine Lebenserinnerungen in Buchform würde ich mir sofort kaufen. Er wurde am 3. Juli 1928 in Nizza, Frankreich geboren.

Laut einem Bericht der NZZ (siehe hier: http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/italienische-und-franzoesische-traeume-in-argentinien–1.692816 ) sei Monsieur Bouchon Ende 1950 als französischer Diplomat nach Buenos Aires berugen worden, seit 1959 lebt er in Nono und eröffnete schliesslich im Jahre 1969 das Museo Rocsen.
Einen Hinweis auf seine Familiengeschichte gibt uns der Name des Museums: Museo Rocsen. Rocsen leitet sich von den Wörtern rocca (Fels) und sacer (heilig) ab und bezeichnete ursprünglich einen Familienbesitz Bouchons‘, der im Zweiten Weltkrieg verloren ging.

Das Museumsgebäude ist sehr faszinierend, die Fassade wird von 49 (7×7) Statuen in Nischen geschmückt. Monsieur Bouchon hat die Statuen selbst geschaffen, sie sollen die Geschichte des Denkens repräsentieren und ein Zeichen des Pazifismus und Humanismus sein. Kein Krieger und kein Eroberer hat von Monsieur Bouchon eine Statue erhalten.

Es ist wahnsinnig schwierig dieses Museum mit Worten zu beschreiben. Ich lasse deshalb nun die Fotografien für sich sprechen und hoffe, dass ich einige neue Personen für Monsieur Bouchons Lebenswerk begeistern konnte.

Informationen

http://www.museurocsen.org

Öffnungszeiten: 9 Uhr bis Sonnenuntergang an 365 Tagen pro Jahr

Das Museum von aussen mit den 49 Statuen.

Das Museum von aussen mit den 49 Statuen.

 

Ein Bruchteil der Lampensammlung.

Ein Bruchteil der Lampensammlung.

 

Einige Schreibmaschinen.

Einige Schreibmaschinen.

 

Weitere Schreibmaschinen.

Weitere Schreibmaschinen.

 

Liebevoll eingerichtet und dekoriert.

Liebevoll eingerichtet und dekoriert.

 

Das Atelier einer Bekleidungsgestalterin.

Das Atelier einer Bekleidungsgestalterin.

 

Diverse Dosen und kleine Fläschli.

Diverse Dosen und kleine Fläschli.

 

Auch die Werkstatt ist Teil des Museums!

Auch die Werkstatt ist Teil des Museums!

 

Ein sehr spezielles Velo - aus Holz!

Ein sehr spezielles Velo – aus Holz!

 

Klicken Sie auf “Weiterlesen” um diesen Beitrag in spanischer Übersetzung zu lesen.

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20. Mai 2014

Das hüpfende Komma…

by Gabriel Weber

…äh, ich meine: der springende Punkt bei meiner Begeisterung für Heinz Erhardt ist seine Sprachakrobatik. Für Erhardt-Enthusiasten empfiehlt buchplanet.ch Das grosse Heinz Erhardt Buch.

Heinz Erhardt (1909-1979) war Schauspieler, Kabarettist, Schriftsteller und vieles mehr. Er begeisterte die Bundesrepublik Deutschland der Wirtschaftswunderzeit nicht nur als Komiker in Film und Fernsehen, wo er meistens den gutmütigen Kleinbürger spielte, sondern auch auf der Bühne, wo er seine selbst geschriebenen Geschichten und Gedichte „zum Allerbesten“ gab. Seine Spezialität waren dabei Wortverdrehungen, Wortspiele und Abänderungen bekannter Redewendungen (siehe Titel). Die Westdeutschen liebten den „kleinen Mann von nebenan“ und seine (zumindest vordergründig) ganz unpolitische Komik.

Das grosse Heinz Erhardt Buch enthält vor allem Gedichte (die Erhardt bei seinen Vorträgen jeweils mit den klassischen Worten „Noch n‘ Gedicht“ einzuleiten pflegte). Da geht es um den König Erl, den Pv (sprich: Pfau), die Q (sprich: Kuh), das Nasshorn, die Uhrsache, um den berühmten Ausruf des Kolumbus („Ei!“) und um den Ritter Fips, der, als er sich in voller Rüstung über seines Schlosses Brüstung beugte, zuerst den Helm verlor, dann den Halt und schliesslich auch noch das Leben…

Sehr tragisch war, dass Heinz Erhardt in späteren Jahren einen Hirnschlag erlitt, der ausgerechnet sein Sprachvermögen massiv beeinträchtigte. Himmel, Gesäss und Nähgarn!

19. Mai 2014

Schmelzkäse

by Gabriel Weber

Spätestens seit dem Film „Die Schweizermacher“ ist bekannt: Was ein richtiger Schweizer ist, der isst Fondue. Egal ob die Fondue (wie die Romands sagen) oder das Fondue (Deutschschweizer Variante), der geschmolzene Käse im Caquelon gehört ohne Zweifel zu den Nationalgerichten der Schweiz.

Doch wer glaubt, beim Fondue (beziehungsweise bei der Fondue) gehe es nur um geschmolzenen Käse und Brotstückchen, der irrt sich. Und zwar gewaltig! Das beweisen Eva und Ulrich Klever mit ihrem „grossen Buch der Fondues“ (konkurrenzlos billig bei Buchplanet). Darin sind zahlreiche bekannte und weniger bekannte Fonduerezepte enthalten, von Moitié-Moitié bis hin zum Schokoladenfondue. Und übrigens ist das (die) Fondue keineswegs etwas urschweizerisches; auch in anderen Ländern gibt es ähnliche Rezepte. Das Buch macht regelrecht Appetit. Ausserdem enthält es auch Ratschläge für Beilagen und für den Kauf von Fondue-Zubehör. Und was zu tun ist, wenn die (das) Fondue zu dick oder zu dünn geraten ist, steht auch drin.

Wenn ich jemals Besuch von einem Einbürgerungsbeamten zum Abendessen bekäme, würde ich ihm wahrscheinlich kein(e) Käsefondue vorsetzen, sondern ein(e) neuseeländische(s) Lammfondue…

15. Mai 2014

Horch, mein Kilchberg läutet jetzt

by Gabriel Weber

Der neben Gottfried Keller „andere“ Schweizer Dichter des 19. Jahrhunderts ist Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898). Als Sohn eines Historikers und Politikers in Zürich geboren, begann er 1844 nach der Matura ein Jusstudium, gab es aber schon bald wieder auf (Jawohl!), versuchte sich zunächst als Maler und lebte später bescheiden und einsam von seinen Dichtungen. Erst durch seine Heirat mit der reichen Patriziertochter Luise Ziegler 1875 stabilisierte sich Meyers Existenz. Er liess sich in Kilchberg am Zürichsee nieder, wo er seine intensivste Schaffenszeit erlebte. Doch nachdem er bereits als junger Mann mit psychischen Problemen zu kämpfen gehabt hatte, machte ihm seine Geisteskrankheit in den letzten Jahren das Schreiben unmöglich.

Meyers Spezialität waren Novellen. Darunter befinden sich hochdramatische Geschichten wie Das Leiden eines Knaben (Der zwar schöne und sympathische, aber intellektuell komplett unbegabte Julian wird von seinem Vater chronisch überfordert), Die Richterin (der Ritter Wulfrin quält sich mit der inzestuösen Liebe zu seiner Halbschwester Palma) und Die Hochzeit des Mönchs (Der Franziskaner Astorre wird von seinem Vater gezwungen, den Orden zu verlassen und die Witwe seines Bruders zu heiraten, damit die Familie nicht ausstirbt), aber auch amüsante Schwänke wie Plautus im Nonnenkloster (Der italienischer Gelehrte Poggio sucht in einem Thurgauer Frauenkloster nach einem Buch mit Komödien von Plautus) und Meyers berühmtes Meisterwerk Der Schuss von der Kanzel (Damit seine Nichte Rahel ihren Freund Pfannenstiel heiraten kann, muss General Wertmüller zunächst Rahels Vater etwas unter Druck setzen…).

Während meiner Schulzeit habe ich eine Zeit lang jedes Wochenende eine Meyer-Novelle gelesen – so lange, bis keine mehr übrig war…

13. Mai 2014

Der Vogelfänger bin ich ja…

by Gabriel Weber

…stets lustig, heissa, hoppsassa! Die Auftrittsarie des Papageno ist nur eines von zahlreichen Musikstücken aus Wolfgang Amadeus Mozarts Oper Die Zauberflöte, die weltberühmt geworfen sind. Auch „In diesen heiligen Hallen“, „Der Hölle Rache“ und „Ein Mädchen oder Weibchen“ gehören dazu. Hanskarl Kölsch hat dazu ein Buch verfasst: Wolfgang Amadeus Mozart. Die Rätsel seiner Zauberflöte.

Die Zauberflöte enthält viele ungelöste Rätsel. Warum zum Beispiel gilt dieses schwierige, anspruchsvolle Mysterienspiel heute als Familienoper par excellence (es war seinerzeit auch mein zweites Opernerlebnis)? Wieso ist gerade Papageno mit drei Arien und zwei Duetten mehr beschäftigt als alle anderen Solisten? Handelt es sich bei Papagenos Federn um Natur oder Kostüm? Warum hält der „gute“ und „weise“ Sarastro eigentlich Sklaven? Und was hat der falsche Fuffziger Monostatos in seiner Umgebung zu suchen? In welchem Verhältnis stehen Sarastro und die Königin der Nacht zueinander? Und wie kommt es zu dem plötzlichen „Bruch“ bei der Frage, wer von beiden im Recht ist?

Der Autor nimmt das Werk sehr genau unter die Lupe, Szene für Szene. Das von Emmauel Schikaneder verfasste Libretto mit seiner ganzen komplizierten freimaurerischen, aufklärerischen und pseudo-ägyptischen Symbolik wird Auftritt für Auftritt erläutert. Aber natürlich erfährt der Leser auch, was Mozart alles in die Musik hineingelegt hat (dass es beispielsweise kein Zufall ist, wenn die drei Knaben ganz anders klingen als die drei Damen). Übrigens: Auch wenn Frauen in der Zauberflöte im Allgemeinen nicht besonders gut wegkommen – die Oper beginnt immerhin damit, dass ein Mann vor Angst in Ohnmacht fällt und von Frauen gerettet wird…

8. Mai 2014

Tschipfu, tschipfu, tuuut!

by Gabriel Weber

Zu jenen weit zurückliegenden Zeiten, da das Flugzeug noch nicht erfunden war, da war die Eisenbahn das bei weitem komfortabelste Transportmittel über weite Entfernungen. Der Siegeszug der Eisenbahn ab der Mitte des 19. Jahrhunderts vereinfachte das Reisen so sehr, dass sogar Reisen zum Vergnügen in Mode kam! Ebenso wie Hotels und Ozeandampfer wurden auch Züge immer vornehmer und mit der Erfindung des Schlafwagens durch George Pullman begann die Zeit der Luxuszüge. Als „Zug der Könige und König der Züge“ gilt ganz klar der Orientexpress. buchplanet.ch empfiehlt: Abenteuer Orient Express von E. H. Cookridge.

1883 verwirklichte der belgische Unternehmer Georges Nagelmackers seinen Traum: Eine transkontinentale Eisenbahnlinie von Paris über München, Wien und Budapest nach Konstantinopel. Nach dem ersten Weltkrieg bekam der Orientexpress eine neue Strecke: Paris-Lausanne-Mailand-Belgrad-Istanbul (wie Konstantinopel inzwischen hiess). Dieser so genannte Simplon-Orientexpress ist der Schauplatz von Agatha Christies Mord im Orientexpress. Nach dem zweiten Weltkrieg begann dann der Abstieg des legendären Zuges, der 1977 zum letzten Mal verkehrte. Die Liste der gekrönten und ungekrönten Staatsoberhäupter, Künstler, Millionäre, Verbrecher und Spione im Orientexpress ist endlos.

Viel Raum in diesem Buch nehmen natürlich die illustren Passagiere ein, beispielsweise zwei steinreiche, geheimnisumwitterte Geschäftsleute, in deren Leben der Orientexpress eine wichtige Rolle gespielt hat: Der Waffenhändler Basil Zaharoff und der Ölmagnat Calouste Gulbenkian. Zaharoff machte im Orientexpress die Bekanntschaft einer jungen spanischen Herzogin auf Hochzeitsreise, die nach einem Mordversuch seitens ihres geisteskranken Ehemannes in sein Abteil flüchtete. Der Ehemann kam in eine Klinik, die Herzogin wurde Zaharoffs Geliebte und später seine Frau. 1929 blieb ein Zug kurz vor Istanbul eine Woche lang im Schnee stecken; 1891 wurde in der gleichen Gegend ein Zug sogar wie im Wilden Westen von bewaffneten Banditen überfallen.

König Ferdinand von Bulgarien, ein grosser Eisenbahnfreund, stieg, wenn der Orientexpress durch sein Land fuhr, hin und wieder auf die Lokomotive und führte den Zug eigenhändig…

6. Mai 2014

Der Tod, das muss ein Wiener sein

by Gabriel Weber

Auch wenn es morbid klingen mag: ich gehe sehr gerne auf Friedhöfen spazieren. Und meiner Ansicht nach gibt es einen Friedhof, den Friedhof aller Friedhöfe, der ist wie kein anderer Gottesacker auf der Welt: gemeint ist der Zentralfriedhof in Wien. Darunter ist ein Gelände zu verstehen, das zwar „zentral“ heisst, aber überhaupt nicht zentral liegt, und teilweise mehr an einen verwilderten Park erinnert als an einen Friedhof. Für jene, die (wie ich) gerne Prominente „besuchen“, empfiehlt buchplanet.ch Ehrengräber am Wiener Zentralfriedhof. Hier ein kleiner Auszug:

In der Bundespräsidentengruft werden die österreichischen Staatsoberhäupter beigesetzt (man stelle sich vor, wir hätten eine Gruft für Bundesräte!). Antonio Salieri (1750-1825), seinerzeit berühmter und gefeierter Komponist, Lehrer Beethovens und Schuberts – und angeblicher Mörder Mozarts; Alois von Negrelli (1799-1858), Erbauer des Suezkanals; Johann senior, Johann junior, Josef und Eduard Strauss, allesamt Walzerkomponisten; Hans Moser (1880-1964), sehr populärer Volksschauspieler; Theo Lingen (1903-1978), näselnder Schauspieler; Bruno Kreisky (1911-1990), langjähriger Bundeskanzler; Curd Jürgens (1915-1982), Filmstar von Hollywood-Format;  Marie Luise von Sturmfeder (1789-1866), Erzieherin Kaiser Franz Josephs. Mozart hat nur einen Gedenkstein; wo er begraben wurde, weiss man nicht genau.

Doch auch Ruhestätten von weniger prominenten Leuten sind sehr interessant; zum Beispiel jüdische Gräber, auf denen sich kleine Steine häufen. Oder die Gräber von Sinti und Roma.

1. Mai 2014

De apibus semper dubitandum est

by Gabriel Weber

Wenn es im Lateinunterricht um Lektüre geht, handelt es sich meistens um die üblichen Verdächtigen: Cäsars Gallischer Krieg, Ovids Metamorphosen, Briefe von Plinius… Warum nicht einmal etwas ganz neues? Alexander Lenard hat einen modernen Klassiker ins Lateinische übersetzt, nämlich A. A. Milnes Winnie the Pooh (Winnie ille Pu, jetzt bei buchplanet.ch).

Die Erlebnisse von Eduardus Ursus, amicis suis agnomine Winnie ille Pu – aut breviter Pu – notus, Christophorus Robinus, Porcellus, Ior und den anderen im silva centum iugerum sind von A bis Z auf das reizvollste latinisiert. Dabei verwendet der Übersetzer viele Formulierungen, die auch bei antiken Autoren wie etwa Cicero vorkommen. Und Pus sinniger Ausspruch „Man kann Bienen nicht trauen“ (siehe Titel) könnte genauso gut ein klassisches Zitat sein… Ein umfangreiches Glossar mit Vokabeln und grammatikalischen Erläuterungen rundet das Buch ab.

Das ganze Buch ist ein Hauptspass, den ich allen frustrierten Lateinschülern und Lateinschülerinnen wärmstens empfehlen kann. Nunc est legendum!