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Die saure Gurke

von Gabriel Weber

Was heisst „Cornichon“? Zum Einen: Essiggurke. Zum Anderen: Eine Stück Schweizer Geschichte.

1934 gegründet, attackierte das Cabaret Cornichon im Hotel „Hirschen“ im Zürcher Niederdorf mit Witz, Satire und vor allem viel Mut die Herrschaft der Nazis in Deutschland. Mit Textschreibern wie Max Werner Lenz und Walter Lesch, Komponisten wie Otto Weissert und Tibor Kasics, Schauspielern wie Emil Hegetschweiler, Heinrich Gretler, Elsie Attenhofer, Zarli Carigiet und Margrit Rainer (die ursprünglich an der Kasse sass) hatte das Cornichon grossen Erfolg. Aber nicht ohne Kehrseite, denn die Arbeit war gefährlich: Mehrmals gab es Ärger mit der deutschen Botschaft, die sich über die Verunglimpfung ihrer Regierung beschwerte, und die Cornichon-Mitglieder wussten genau, was ihnen im Falle eines deutschen Einmarschs geblüht hätte.

1975 gab Cornichon-Veteranin Elsie Attenhofer die Erinnerungen an ein Cabaret heraus (jetzt bei buchplanet.ch). Darin finden sich neben zahlreichen Bildern aus der Geschichte des Cabarets auch Informationen über das Ensemble, zeitgeschichtliche Notizen und – für mich das interessanteste – Texte. Sketche, Chansons und Gedichte von Lesch, Lenz und anderen, witzig, pointiert und bitterböse. „Mensch ohne Pass“, „Heissi Marroni“, „Sokrates im Kerker“… Zum Teil auch heute noch beängstigend aktuell! So schwer jene Zeit ansonsten auch gewesen sein mag – für die Schweizer Kleinkunst war sie jedenfalls ein „goldenes Zeitalter“.

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