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The Importance of being Oscar

von Gabriel Weber

Oscar Fingal O’Flaherty Wills Wilde (1854-1900), kurz Oscar Wilde, war ein irischer Schriftsteller, der zweifellos zu den bekanntesten und bedeutendsten Literaturgrössen englischer Sprache gehört. Nach seinem Studium in Oxford wurde er in London ansässig. Bekannt als Dandy und Provokateur, amüsierte er die viktorianische High Society durch seine geistreichen Komödien, erschreckte sie aber zugleich auch durch unbürgerliche, gesellschaftskritische, teilweise gewollt „unmoralische“ Werke. 1895 wurde Wilde wegen homosexueller Praktiken (die in Grossbritannien, wie auch anderswo, damals illegal waren) zu einer Zuchthausstrafe verurteilt. Nach seiner Entlassung war er ein gebrochener Mann und schrieb nur noch ernste Texte. Am 30. November 1900 starb er in Paris – zwar pleite, aber in einem Nobelhotel. Wildes Kommentar dazu: „Ich sterbe über meine Verhältnisse.“

Für mich war Oscar Wilde ein Genie. Nur schon seine Komödien wie The Importance of being Earnest (Ernst sein ist alles, auch bekannt unter dem Titel Bunbury) oder An Ideal Husband (Ein idealer Gatte) – jeder Satz eine Pointe, jede Zeile ein Seitenhieb auf die ebenso heuchlerischen wie oberflächlichen „besseren Herrschaften“. Auch die Prosa – von dem ernsthaften Horrorroman The Picture of Dorian Gray (Das Bildnis des Dorian Gray; ein eitler Schönling erreicht, dass statt seiner sein Porträt altert – mit grässlichen Folgen.) bis zu der parodistischen Schauergeschichte The Canterville Ghost (Das Gespenst von Canterville; ein echtes britisches Schlossgespenst zieht zwar alle Grusel-Register, beisst sich aber an der modernen, aufgeklärten amerikanischen Familie, die in sein Schloss gezogen ist, trotzdem die Zähne aus.) – zeugt von Wildes Begabung. Aber er war bei weitem nicht nur Humorist. So beschreibt er zum Beispiel in seinen Erzählungen Teleny und Der Priester und der Messnerknabe (jetzt bei buchplanet.ch) die Tragik des Homosexuellen, der durch kleinliche gesellschaftliche Konventionen und die Vorurteile engstirniger Mitmenschen zerstört wird – ein Schicksal, das Wilde selber nur allzu gut kannte. Seine Beziehung zu Lord Alfred Douglas wurde ihm, dem verheirateten Familienvater, schliesslich zum Verhängnis.

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