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Eine solche Jugend ist schwer

von Gabriel Weber

Wenn es auch nur einen einzigen Deutschschweizer Jugendbuchklassiker gibt (einmal abgesehen von Heidi), dann ist dies wohl Klaus Schädelins Mein Name ist Eugen.

Der fast dreizehnjährige Eugen lebt an der Herrengasse in Bern. Die jungen Leute von heute (bzw. von 1955) haben es nicht leicht. Eltern, Lehrer und andere verdächtige Subjekte haben einfach kein Verständnis für die Bedürfnisse eines Schweizerbuben – da nützt alles brav sein nichts. Deshalb müssen Eugen und sein Freund Franz, genannt Wrigley, sich öfters etwas einfallen lassen. Wird ein Kostüm für eine Tante in einem Theaterstück benötigt? Kein Problem, schliesslich wohnt im gleichen Haus Tante Melanie mit einem ganz Schrank voller Kleider. Zu dumm, dass besagte Tante bei der Aufführung im Publikum sitzt… Und was können brave Buben schon dafür, wenn im Museum ein Helm so provokativ aussieht, dass man ihn einfach aufprobieren muss? Und dass man den blöden Helm hinterher nicht mehr los wird, hat einem ja schliesslich auch niemand gesagt (Ich weiss nicht, ob diese Geschichte wirklich auf Schädelins Mit-Gymnasiasten Richard von Weizsäcker zurückgeht, aber wenn das nicht wahr ist, ist es jedenfalls gut erfunden)… Ganz zu schweigen davon, dass der Weg vom Tessin nach Zürich per Velo nun einmal mit Versuchungen (beispielsweise Turmuhren) gepflastert ist …

Eugen berichtet „frisch von der Leber weg“, grammatikalisch nicht immer korrekt und mit unzähligen Helvetismen gespickt. Und genau das macht, neben der Nostalgie, den Charme dieses Buches aus. Eine weitere fast unerschöpfliche Quelle des Witzes sind Wrigleys (in der Regel erfolglose) Versuche, Beispiele seiner hohen Bildung zum Besten zu geben…

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