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Das bisschen Garten, oh wie wohl das tut

von Gabriel Weber

Nach Edith Nesbit (26. November 2013) muss ich nun auch noch einer anderen britischen Kinderbuchautorin ein Kränzchen winden: Frances Hodgson Burnett. Ihr wohl bekanntestes Werk ist Little Lord Fauntleroy (Der kleine Lord), aber mein persönlicher Favorit ist The Secret Garden (Der geheime Garten).

Nordengland, zu viktorianischer Zeit: Nach dem Tod ihrer Eltern kommt Mary Lennox, bisher in der Kronkolonie Indien aufgewachsen, nach Misselthwaite Manor, dem herrschaftlichen Landsitz ihres Onkels in Yorkshire. Die kleine Mary ist ein äusserst unsympathisches Mädchen, griesgrämig und herrschsüchtig; ihre Eltern haben sich nie für sie interessiert und überliessen sie devoten indischen Dienstboten, die das Kind hoffnungslos verzogen und verhätschelten. In Misselthwaite scheint Mary zunächst vom Regen in die Traufe zu kommen: ihr depressiver Onkel hält sie von sich fern, für die gestrenge Hausdame Mrs. Medlock ist das Waisenkind nichts weiter als eine zusätzliche Belastung und über die seltsamen Schreie und das Weinen, das Mary manchmal hört, will ihr niemand Auskunft geben.

Doch im Laufe der Zeit macht Mary in und um Misselthwaite allerhand Entdeckungen. Im Park befindet sich ein geheimnisvoller, ummauerter Garten, der schon seit Jahren verschlossen ist; dann ist da der sympathische Naturbursche Dickon, der alles über die Pflanzen und Tiere von Yorkshire weiss; und schliesslich entdeckt Mary eines Nachts ihren Vetter Colin Craven, der, offenbar an Hypochondrie leidend, sein Leben fast ausschliesslich im Bett verbringt, in der festen Überzeugung, bald zu sterben. Ausserdem ist er beinahe noch griesgrämiger und herrschsüchtiger als seine Cousine. Mary kümmert sich gemeinsam mit Dickon um den vernachlässigten Garten. Sie ahnt, dass diese Tätigkeit nicht nur ihr selbst gut tut, sondern vielleicht auch Colin helfen könnte…

Als klassischer „Stubenhocker“ habe ich das ganze Theater wegen diesem Garten nie so recht begriffen. Diese Welt ist mir völlig fremd. Aber ich verstehe, dass so ein „Projekt“ jemanden, der wie Colin und ich an einer schweren Angsterkrankung leidet, aus seiner Lähmung befreien kann. Ich schätze das Buch The Secret Garden, weil ich mich nur allzu gut einfühlen kann in Colins deprimierte Verzweiflung (wenn ich auch hoffentlich nie so ein Ekel war). Ich kann nur hoffen, dass ich vielleicht eines Tages auch so einen „Garten“ finde.

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