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Mit Stock, Schnauz und Melone

von Gabriel Weber

Die Zuschauer, die sich anno 1914 den Film Kid Auto Races at Venice ansahen, ahnten vermutlich nicht, dass sie gerade die Geburt einer Legende miterlebten. Immer wieder tauchte in dem Film ein kleiner Mann mit einem schwarzen Schnauzbart unter der Nase auf; mit einer Melone, einem Bambusstock, zu weiten Hosen und zu grossen Schuhen drängte er sich immer wieder vor die Kamera…

Sir Charles Spencer Chaplin KBE (1889-1977), besser bekannt als „Charlie“, gehört zweifellos zu den berühmtesten und bedeutendsten Filmschauspielern aller Zeiten – und das als reiner künstlerischer Autodidakt! Mit seinem „Tramp“ hat er eine Kunstfigur geschaffen, die heute noch auf der ganzen Welt bekannt ist. Über 20 Jahre und über 50 Filme  lang hat sich das Äussere des „Tramps“ nur geringfügig verändert. Innerlich hingegen wandelte er sich langsam vom brutalen Egoisten zum gutmütigen Romantiker. Doch Charlie konnte auch ohne den „Tramp“ komisch sein, wie seine späten Filme beweisen (Monsieur Verdoux, Limelight, A King in New York). Weder das Aufkommen des Tonfilms noch der Abschied von der Figur des „Tramps“ schadeten seiner künstlerischen Tätigkeit. Chaplins Slapstick, mit viel Körpereinsatz und unter ständiger Zweckentfremdung von Gegenständen, ist so charakteristisch, dass es heute sogar in mehreren Sprachen ein Wort dafür gibt: chaplinesk. Aber Slapstick war bei Weitem nicht alles: Immer wieder nutzte Chaplin das Medium Film, um seine humanistische Gesinnung kundzutun (man denke nur an die berühmte Rede in The Great Dictator) oder auf Missstände hinzuweisen (wie das Leben der Fabrikarbeiter in Modern Times).

Doch so populär Chaplins Filme schon zu seinen Lebzeiten waren, so skandalumwittert war sein Privatleben. Er hat viermal geheiratet (davon zweimal notfallmässig, weil bereits ein Kind unterwegs war), erlebte einen turbulenten Vaterschaftsprozess (in dem er verurteilt wurde, obwohl er nachweislich nicht der Vater war) und wurde in den frühen 50er Jahren ein Opfer der Kommunisten-Hetze in den USA. Deshalb kehrte er 1953 nach rund 40 Jahren nach Europa zurück und verbrachte seinen Lebensabend in der Schweiz, in Corsier-sur-Vevey VD. Und übrigens: drei Monate nach Chaplins Tod wurde seine Leiche aus dem Grab gestohlen, tauchte aber wenig später wieder auf.

Ein Standardwerk für jeden Chaplin-Fan ist David Robinsons Chaplin. Sein Leben, seine Kunst (jetzt bei buchplanet.ch).

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