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Der junge Ehemann

von Gabriel Weber

Zu den weniger bekannten Werken des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann gehört der Roman Königliche Hoheit.

Prinz Klaus Heinrich wächst in einem deutschen Kleinstaat um 1900 auf – im ständigen Bewusstsein, dass er in einer Welt des „schönen Scheins“ lebt und vom wirklichen Leben keine Ahnung hat. Der einzige, der ihm einige „tiefere Einblicke“ vermittelt, ist sein Lehrer Dr. Raoul Überbein. Eines Tages erhält Klaus Heinrich von seinem Bruder, dem regierenden Grossherzog Albrecht II., den Auftrag, ihn bei zahlreichen repräsentativen und zeremoniellen Anlässen zu vertreten. Der Grossherzog ist nämlich ein ausgeprägter Hypochonder und hegt ausserdem eine tiefe Abneigung gegen Anlässe mit Publikum. Deshalb ist er ganz froh, die meisten öffentlichen Auftritte an seinen Bruder delegieren zu können. Klaus Heinrich, der übrigens in der Öffentlichkeit immer seinen verstümmelten linken Arm verbergen muss (Verweis auf Kaiser Wilhelm II.), macht seine Sache gut und wird bei der Bevölkerung bald sehr populär.

Über dem Grossherzogtum schwebt dauernd der Pleitegeier. Die Wirtschaft liegt darnieder, der Staat steht vor dem Bankrott. Hoffnung erscheint in der Gestalt von Samuel N. Spoelmann. Dieser amerikanische Multimillionär deutscher Abstammung lässt sich in der Hauptstadt nieder und bewirkt dort nur schon durch seine Steuern ein gewisses Aufatmen. Prinz Klaus Heinrich hingegen interessiert sich weniger für den stets grantigen Spoelmann als vielmehr für dessen schöne Tochter Imma. Er macht ihr eifrig den Hof, doch die resolute Millionenerbin, sarkastisch und spitzzüngig, lässt durchblicken, dass sein Prinzentum ihr nicht im geringsten imponiert. Inzwischen wittern Ministerpräsident Knobelsdorff und Finanzminister Krippenreuter Morgenluft. Prinz Klaus Heinrich als Schwiegersohn des sagenhaft reichen Industriemagnaten… Eine solche Verbindung könnte das Land unter Umständen vor dem endgültigen Ruin bewahren…

Thomas Mann selbst bezeichnete Königliche Hoheit als „Roman eines jungen Ehemannes“. In diesem Roman (einem seiner seltenen Ausflüge ins heitere Fach) verarbeitete er Erfahrungen aus der Zeit, als er um die Tochter eines reichen Professors warb.

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