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Vaterländische Erbauungsliteratur

von Gabriel Weber

Lange vor Fernsehen, Internet usw. war das Buch das wichtigste Mittel der Volkserziehung. Auch in der Schweiz wurde versucht, die Bürgerinnen und Bürger mit patriotischen Geschichten  zu erziehen – nicht nur während nationaler Krisen. Vom heutigen Standpunkt aus wirken solche Bücher in ihrer durchschaubaren „Heimatlichkeit“ oft unfreiwillig humoristisch.

Ein besonders wichtiges (da noch formbares) Publikum war die Jugend, ganz besonders die männliche, also die zukünftigen Soldaten und Stimmbürger. Mit herzerwärmenden, erbaulichen Jugendbüchern sollten die jungen Männer zu „richtigen“ Schweizern gemacht werden – tüchtig, anständig, solidarisch untereinander, aber auch gehorsam gegenüber den Autoritäten und natürlich kritiklos vaterlandsliebend; im Kriegsfall steht man selbstverständlich mit Freuden an die Grenze, um die liebe Heimat zu beschützen! Oft kommen Burschen vor, die noch gar nicht dem helvetischen Ideal entsprechen und erst „zurechtgehobelt“ werden müssen. Bei Erwachsenen geschieht das oft im Militär, bei Minderjährigen zum Beispiel im Vor-Militär (Kadettenkorps).

Aber auch die weibliche Jugend wurde beglückt – nicht nur mit „Heidi“. Hier lauteten die Parolen: brav, folgsam, bescheiden und fern von jeglicher Eitelkeit – und nähere Herrenbekanntschaften natürlich erst, wenn man mit dem betreffenden Herrn verheiratet ist! Die beruflichen Perspektiven beschränken sich auf Küche und Kinder; und wehe der Frau, die irgendwelchen modernen Ideen puncto Berufstätigkeit u. ä. zum Opfer fällt!

Vom historischen Standpunkt aus gesehen hatte diese Literatur in Zeiten der „geistigen Landesverteidigung“ durchaus ihre Berechtigung. Heute jedoch kann man über diese veraltete Spiessigkeit nur noch den Kopf schütteln.

Beispiele für „Vaterländische Erbauungsliteratur“ im Buchplanet:

  • „Fahrerin Scherrer“ von Max Werner Lenz
  • „Die Kadetten von Wallingen“ von Paul Girardin
  • „Schwarzwasser“ von René Gardi

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