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Es lebe der Kantönligeist!

von Gabriel Weber

Die Schweiz besteht bekanntlich aus (zur Zeit) 26 Kantonen, nämlich 20 ganzen und 6 halben. Und jeder einzelne davon hat nicht nur einen eigenen Dialekt und ein eigenes Schulwesen, sonder auch ein eigenes Parlament, einen „Grossen Rat“, „Kantonsrat“, „Landrat“, „Grand Conseil“, „Grande Consiglio“ oder ein „Parlement“.

Paul Stadlin hat 1990 ein Buch veröffentlicht „Les Parlements des cantons suisses – Die Parlamente der schweizerischen Kantone – I Parlamenti dei cantoni svizzeri„. Darin werden alle 26 Kantonsparlamente detailliert beschrieben, und zwar von „Insidern“. In Genf sprechen die Parlamentarier stehend von ihren Sitzen aus, in Graubünden hingegen bleiben sie sitzen. In Uri darf laut Geschäftsordnung kein Redner unterbrochen werden. Im Zuger Ratssaal hängt ein riesiges Kruzifix. Und wer dem Zürcher Kantonsrat unentschuldigt fernbleibt, wird mit Busse bestraft… Manche Dinge ähneln sich von Kanton zu Kanton, aber die Schweiz wäre ja schliesslich nicht die Schweiz, wenn nicht jeder so seine Eigenheiten hätte (man ist ja schliesslich anders, sprich besser, als alle anderen…).

Das Buch ist nicht mehr das neuste, zugegeben. Ich bin mir auch nicht sicher, ob sich seither in den Kantonsparlamenten nicht einiges verändert hat. Aber eines steht fest: Dieser Föderalismus oder, wie böse Zungen sagen, dieser „Kantönligeist“ ist und bleibt bezeichnend für die Schweiz – mit allen Vor- und Nachteilen.

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