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Kurt und Lisa

von Gabriel Weber

Zu den zahlreichen Emigranten, die nach 1933 aus Deutschland in die Schweiz kamen, gehörten neben Thomas Mann auch die Eheleute Kläber, Kurt und Lisa, die sich im Tessin niederliessen. Kurt Kläber war Schriftsteller – und ausserdem Sozialist. Da diese Kombination in der Schweiz zumindest bei den Behörden ganz und gar nicht beliebt war, durfte Kläber in der Schweiz nicht publizieren.

Eines Tages brachte Kläber von einer Reise an die Adria eine Romanidee mit nach Hause. Er hatte nämlich die kroatische bzw. jugoslawische Hafenstadt Senj besucht und auch die Burg Nehajgrad besichtigt. Nun setzte Kurt sich an den Schreibtisch und verfasste ein Buch über ein rothaariges Mädchen (noch vor Pippi Langstrumpf), das, verwaist und ausgestossen, zusammen mit Leidensgenossen um das tägliche Überleben kämpfen muss – und dabei der hohen Obrigkeit immer wieder eine lange Nase dreht. Kurt legte viel Politisches in die Geschichte hinein: Das arme, aber solidarische Proletariat kämpft gegen die Bourgeoisie. Doch trotz allem Klassenkampf ist das Buch friedlich; Es ist keine blutige Revolution nötig, um die Verhältnisse zu bessern. Es reicht schon, wenn die Bourgeoisie etwas toleranter wird und den Proletariern eine Chance gibt.

Während des Krieges stiess Lisa, Kurts Frau, auf die historische Begebenheit, dass im 19. Jahrhundert viele arme Tessiner Bauern ihre Söhne nach Mailand verkaufen mussten – wo die Knirpse dann als lebende Besen Kamine fegen mussten und dabei oft genug jämmerlich ums Leben kamen. Kurt und Lisa schrieben ein Buch darüber. Und wie in Senj liegt auch in Mailand der Schlüssel im Zusammenhalten. Wieder muss keine Revolution stattfinden; gerettet wird das Proletariat durch das liberale, fortschrittliche Bürgertum – und das A und O bei dieser Rettung ist Bildung, mit anderen Worten: die Gründung von Schulen.

Da Kurt in der Schweiz eigentlich nicht publizieren durfte, wurde Die rote Zora und ihre Bande unter dem Pseudonym Kurt Held veröffentlicht. Die schwarzen Brüder erschien unter dem Namen von Kurts Frau, Lisa Tetzner, die bereits einen ausgezeichneten Ruf als Kinderbuchautorin genoss (zum Beispiel durch Die Kinder aus Nr. 67). Die schwarzen Brüder haben es bereits auf die Musicalbühne geschafft (Walensee 2010) und werden unter der Regie von Xavier Koller ab dem 19. Dezember 2013 auch die Kinoleinwände erobern.

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