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Archiv vom Dezember, 2013

31. Dezember 2013

Trara, die Post ist da!

by Gabriel Weber

Auch wenn es heutzutage immer seltener wird, dass jemand einen Brief verschickt: die Post ist aus dem Alltagsleben nicht wegzudenken. Die Schweizer Post ist bekannt für ihre Zuverlässigkeit. Wenn wir einen Brief ordnungsgemäss frankiert in den Briefkasten werfen, verlassen wir uns darauf, dass er innert nützlicher Frist sein Ziel erreicht. Zu Recht?

Von der Gotthard-Postkutsche bis zum modernen Postauto und vom altmodischen „Pöschtler“ mit der Umhängetasche bis zum Logistiker auf dem Motorrad: Die Geschichte der Post in der Schweiz ist lang und faszinierend. Dazu findet sich im Angebot von buchplanet.ch das Werk Die Post in der Schweiz von Arthur Wyss. Am 13. Oktober 1864 wurde die Gotthardpost auf dem Monte Ceneri von bewaffneten Banditen überfallen, wobei ein Passagier getötet und der Postillon schwer verletzt wurde. Lesen und Schreiben musste ein Postillon nicht unbedingt können, aber dafür Posthornblasen. Die ersten Postautos verkehrten 1906 auf den Linien Bern-Detligen und Bern-Bolligen. Die Karren waren aber so unzuverlässig, dass auf der Linie nach Bolligen vorübergehend wieder auf Pferdekutschen umgestellt wurde…

Lange Zeit war die Post das schnellsten Kommunikationsmittel über weite Strecken (zu einer Zeit, als es – horribile dictu! – noch keine Handys und kein Internet gab). Deshalb war sie auch für die Entwicklung unseres Landes von enormer Bedeutung.

24. Dezember 2013

Es lebe der Kantönligeist!

by Gabriel Weber

Die Schweiz besteht bekanntlich aus (zur Zeit) 26 Kantonen, nämlich 20 ganzen und 6 halben. Und jeder einzelne davon hat nicht nur einen eigenen Dialekt und ein eigenes Schulwesen, sonder auch ein eigenes Parlament, einen „Grossen Rat“, „Kantonsrat“, „Landrat“, „Grand Conseil“, „Grande Consiglio“ oder ein „Parlement“.

Paul Stadlin hat 1990 ein Buch veröffentlicht „Les Parlements des cantons suisses – Die Parlamente der schweizerischen Kantone – I Parlamenti dei cantoni svizzeri„. Darin werden alle 26 Kantonsparlamente detailliert beschrieben, und zwar von „Insidern“. In Genf sprechen die Parlamentarier stehend von ihren Sitzen aus, in Graubünden hingegen bleiben sie sitzen. In Uri darf laut Geschäftsordnung kein Redner unterbrochen werden. Im Zuger Ratssaal hängt ein riesiges Kruzifix. Und wer dem Zürcher Kantonsrat unentschuldigt fernbleibt, wird mit Busse bestraft… Manche Dinge ähneln sich von Kanton zu Kanton, aber die Schweiz wäre ja schliesslich nicht die Schweiz, wenn nicht jeder so seine Eigenheiten hätte (man ist ja schliesslich anders, sprich besser, als alle anderen…).

Das Buch ist nicht mehr das neuste, zugegeben. Ich bin mir auch nicht sicher, ob sich seither in den Kantonsparlamenten nicht einiges verändert hat. Aber eines steht fest: Dieser Föderalismus oder, wie böse Zungen sagen, dieser „Kantönligeist“ ist und bleibt bezeichnend für die Schweiz – mit allen Vor- und Nachteilen.

19. Dezember 2013

In des Waldes finstern Gründen

by Gabriel Weber

Christian August Vulpius ist vor allem durch seine Schwester Christiane bekannt, die Frau Goethes. Seine schriftstellerische Tätigkeit hingegen ist heute weitgehend vergessen. Dabei war der Roman Rinaldo Rinaldini seinerzeit ein Bestseller!

Rinaldini scheint gewissermassen ein italienischer Verwandter von Robin Hood zu sein. Er ist zwar Hauptmann einer Räuberbande, aber so gut und edel und ritterlich, wie man es sich nur wünschen kann. Natürlich bestiehlt er ausschliesslich die Reichen; bei der einfachen Bevölkerung ist er sehr beliebt, weil er viel besser für Recht und Gerechtigkeit sorgt als die korrupte Obrigkeit. In schwachen Momenten pflegt Rinaldo entweder zu dichten oder sich deprimiert darüber Gedanken zu machen, wie furchtbar schlecht er doch ist.. Natürlich darf in einem solchen Roman auch eine romantische Liebesgeschichte nicht fehlen! Wer wissen möchte, was Rinaldo Rinaldini, „der Räuber allerkühnster“  so alles erlebt, hat jetzt beim Buchplanet die Gelegenheit.

Übrigens: Goethe passte der schriftstellerische Erfolg seines Schwagers gar nicht…

16. Dezember 2013

Der Gang in den Keller

by Gabriel Weber

In der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 1918 stieg  ein bärtiger Mann in einer schlichten russischen Militäruniform und hohen Stiefeln in den Keller eines Hauses im sibirischen Jekaterinburg. Auf seinen Armen hielt er seinen dreizehnjährigen Sohn, der ebenfalls eine Militäruniform nebst Stiefeln und Schirmmütze trug. Zusammen mit seiner Frau, den vier Töchtern sowie vier Dienstboten betrat der bärtige Mann einen Kellerraum, den  – was er in jenem Augenblick nicht ahnte – keiner von ihnen lebend wieder verlassen sollte.

Die Ermordung der russischen Zarenfamilie gehört zu den grossen Mysterien des 20. Jahrhunderts. Jahrzehntelang blieb die Welt im Ungewissen, was genau sich damals in Jekaterinburg abgespielt hat – zumal keine Leichen gefunden wurden. Erst nach dem Ende der Sowjetunion wurde gründlich und schliesslich erfolgreich nach den sterblichen Überresten der im Wald verscharrten Romanows gesucht.

Das Mysteriöse an dieser ganzen Geschichte, dass eben kaum jemand etwas genaues wusste, war ein gefundenes Fressen für Hochstapler aller Art. Von den 20er bis in die 60er Jahre tauchten überall auf der Welt Leute auf, die behaupteten, ein Mitglied der Zarenfamilie zu sein, welches das Massaker überlebt hätte. Der Zar und die Zarin kamen dabei zwar nie vor, aber „Zarenkinder“ gab es massenweise (wesentlich mehr Kinder, als Nikolaus II. und Alexandra je gehabt haben…). Der berühmteste Fall ist zweifellos derjenige von Anna Anderson alias „Anastasia“ (man denke nur beispielsweise an den Film Anastasia von 1956 mit Ingrid Bergmann und Yul Brynner).

Allen, die sich für dieses Thema interessieren, kann ich Robert K. Massies Buch Die Romanows – Das letzte Kapitel (jetzt bei Buchplanet.ch) empfehlen.

12. Dezember 2013

So schön sein wie Sophia Loren

by Simone Gröbli

Ja meine „Ladies“, dieser Titel ist keine Fata Morgana. Sie können tatsächlich „essere bella come la loren“. (Schön sein wie die Loren). Die berühmte „bella figura“ also.

Und ich versichere Ihnen das geht ganz einfach. Meine Damen, nehmen Sie ganz einfach das Buch „Das Geheimnis meiner Schönheit“ der „Loren“ in die Hand, lesen und befolgen Sie die genauen Instruktionen und ihre Verwandlung beginnt; „e finito und basta“

Was legt denn die Loren uns Frauen in diesem Buch ans Herz und Busen? Da wird über Disziplin und Schönheit geschrieben, da wird der Charme entschlüsselt, da kommt die gesunde Ernährung zur Sprache, es wird über Ruhe und Ausgeglichenheit und dem Abfinden des Älterwerdens philosophiert und so weiter und so fort. Ehrlich gesagt gerade dieses Kapitel über das Alter hat mich, sagen wir es einmal so, am meisten aufgewühlt.

Schliesslich erreiche ich nächstens Jahr die Lebensmitte, somit geht es bei mir nur noch bergab und wenn ich die Fotos der heutigen, (Verzeihung Sophia, wenn ich nun den Fauxpas begehe und dein Alter verrate),bald achtzig werdenden Loren sehe; „Mamma mia“, Da steht mir ja ein wahrer Parforceritt bevor, um in dem Alter noch so auszusehen wie die Sophia.

Aber vielleicht reicht es auch, wenn ich ab sofort nach der Devise der Loren lebe; „Jede Frau kann schön sein. Schönheit ist weniger ein Geschenk der Natur als Arbeit an sich selbst.“

Wenn dem wirklich so ist, dann muss ich mir eingestehen, dass ich in dieser Hinsicht in den vergangenen 49 Jahren zu wenig gearbeitet habe. Oder ich richte ganz einfach eine Beschwerde an meine Eltern, mit dem Inhalt, dass sie es mit meiner Schönheit nicht so genau genommen haben. Oder noch einfacher; ich melde mich einfach bei Dr. Mang‘s Klinik im Rorschacherberg mit dem Wunsch, wie die Loren aussehen zu wollen, an.

Aber was soll es; Schönheitsoperationen sind teuer. Da ist es alle mal billiger ein paar Kapitel aus dem Buch der Diva zu kopieren und die darin vorkommenden Ratschläge zu befolgen. Das Buch selber wird brav in den buchplanet gestellt, schliesslich sollen alle „meine Genossinnen“ Möglichkeit haben, die Tipps der Loren zu Gemüte führen zu können.

Demzufolge zum Schluss eine kleine vorsorgliche Warnungen an alle Ehemänner, Lebenspartner und Lebensgefährten; erschreckt bitte nicht, wenn ihr eines Morgens erwacht, euch zu eurer Partnerin wendet und das Gefühl habt, neben euch liegt ein Sophia Loren Verschnitt. Das sind dann nicht die Folgen eines Alptraums oder des berühmten letzten Bieres des vergangenen Abends, das zu viel und zu schlecht war, nein verdammt nochmal, das ist das Ergebnis dieses verflixten Buches!

Ich werde jedenfalls keine Verantwortung dafür übernehmen!

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10. Dezember 2013

Kurt und Lisa

by Gabriel Weber

Zu den zahlreichen Emigranten, die nach 1933 aus Deutschland in die Schweiz kamen, gehörten neben Thomas Mann auch die Eheleute Kläber, Kurt und Lisa, die sich im Tessin niederliessen. Kurt Kläber war Schriftsteller – und ausserdem Sozialist. Da diese Kombination in der Schweiz zumindest bei den Behörden ganz und gar nicht beliebt war, durfte Kläber in der Schweiz nicht publizieren.

Eines Tages brachte Kläber von einer Reise an die Adria eine Romanidee mit nach Hause. Er hatte nämlich die kroatische bzw. jugoslawische Hafenstadt Senj besucht und auch die Burg Nehajgrad besichtigt. Nun setzte Kurt sich an den Schreibtisch und verfasste ein Buch über ein rothaariges Mädchen (noch vor Pippi Langstrumpf), das, verwaist und ausgestossen, zusammen mit Leidensgenossen um das tägliche Überleben kämpfen muss – und dabei der hohen Obrigkeit immer wieder eine lange Nase dreht. Kurt legte viel Politisches in die Geschichte hinein: Das arme, aber solidarische Proletariat kämpft gegen die Bourgeoisie. Doch trotz allem Klassenkampf ist das Buch friedlich; Es ist keine blutige Revolution nötig, um die Verhältnisse zu bessern. Es reicht schon, wenn die Bourgeoisie etwas toleranter wird und den Proletariern eine Chance gibt.

Während des Krieges stiess Lisa, Kurts Frau, auf die historische Begebenheit, dass im 19. Jahrhundert viele arme Tessiner Bauern ihre Söhne nach Mailand verkaufen mussten – wo die Knirpse dann als lebende Besen Kamine fegen mussten und dabei oft genug jämmerlich ums Leben kamen. Kurt und Lisa schrieben ein Buch darüber. Und wie in Senj liegt auch in Mailand der Schlüssel im Zusammenhalten. Wieder muss keine Revolution stattfinden; gerettet wird das Proletariat durch das liberale, fortschrittliche Bürgertum – und das A und O bei dieser Rettung ist Bildung, mit anderen Worten: die Gründung von Schulen.

Da Kurt in der Schweiz eigentlich nicht publizieren durfte, wurde Die rote Zora und ihre Bande unter dem Pseudonym Kurt Held veröffentlicht. Die schwarzen Brüder erschien unter dem Namen von Kurts Frau, Lisa Tetzner, die bereits einen ausgezeichneten Ruf als Kinderbuchautorin genoss (zum Beispiel durch Die Kinder aus Nr. 67). Die schwarzen Brüder haben es bereits auf die Musicalbühne geschafft (Walensee 2010) und werden unter der Regie von Xavier Koller ab dem 19. Dezember 2013 auch die Kinoleinwände erobern.

5. Dezember 2013

Ein ganz besonderer Saft

by Gabriel Weber

Vermutlich ist kaum ein Fabelwesen in der heutigen westlichen Populärkultur so allgegenwärtig wie der Vampir. Ein Blick auf die Bücher und Filme der letzten Jahrzehnte beweist: Es wimmelt nur so von diesen Blutsaugern. Doch obwohl Vampire praktisch unsterblich sind, erleben sie doch gewisse Veränderungen. Seit Bram Stokers Zeiten hat sich einiges getan.

Betrachten wir die Filmgeschichte: die ersten Leinwand-Vampire waren noch Albtraumgestalten, denen man nicht einmal am helllichten Tag begegnen möchte, geschweige denn nachts (Nosferatu, 1922). Anfangs der dreissiger Jahre prägte dann ein ungarischer Schauspieler namens Bela Lugosi einen neuen Typus, der seither oft kopiert wurde; nämlich den des eleganten, gepflegten Gentleman-Monsters, das fast ausschliesslich im Frack herumläuft und das R rollt (Dracula, 1931). Aus heutiger Sicht fällt bei diesem Film übrigens auf, dass die Titelfigur niemals die Zähne zeigt und dass sich die Kamera bei jedem Biss verschämt wegdreht…

Im späteren 20. Jahrhundert wurde das Blutsauger-Genre weiter ausgeweitet. Roman Polanski entdeckte Vampire als Komödienpersonal (The fearless Vampire Killers/Tanz der Vampire). Und Angela Sommer-Bodenburg „zähmte“ die Vampire quasi, indem sie die einstigen Ungeheuer, die es zu vernichten galt, zu Sympathieträgern machte (Der kleine Vampir). Inzwischen gibt es auch schon „vegetarische“ Vampire, die sich nur von Tierblut oder sogar von Ketchup ernähren.

Auch im Angebot von Buchplanet sind die Sauger des „ganz besonderen Saftes“ gut vertreten. Stephenie Meyer etwa ist bei uns mit 13 einschlägigen Titeln aktenkundig, Angela Sommer-Bodenburg hingegen momentan nur mit einem einzigen.

2. Dezember 2013

Jack und sein Schrank

by Gabriel Weber

Dass am 22. November 1963 John F. Kennedy starb, weiss jeder. Weit weniger bekannt ist, dass am gleichen Tag in der englischen Universitätsstadt Oxford ein bedeutender Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Religionsphilosoph verschied. Clive Staples Lewis, der seine Vornamen so sehr hasste, dass er schon als Kind nur auf den Namen „Jack“ hörte, ist heute vor allem als Verfasser der Chroniken von Narnia ein Begriff.

The Chronicles of Narnia – ein Mythos, bewundert viel und noch mehr gescholten. Die sieben dünnen Bände stehen heute im Schatten der ganzen Bibliothek, die Jacks Freund und Kollege J. R. R. Tolkien über Mittelerde und seine Bewohner verfasst hat. Weil Jack Narnia ausdrücklich für Kinder schrieb, werden die Bücher oft nicht ernst genommen. Und weil der gläubige Christ Jack (ursprünglich Atheist, später von Tolkien bekehrt) viel religiöse Symbolik in seine Narnia-Bände hineinlegte, wurden diese auch schon als „fundamentalistische Bibelstunde“ geschmäht.

Tolkiens Werke sind mir zu monumental. Ich habe dabei immer das Gefühl, quasi eine Wagner-Oper zu hören. Bei Jack ist alles eine Nummer kleiner, einfacher, übersichtlicher (in Narnia spricht zum Beispiel alles, was da kreucht und fleucht, dieselbe Sprache, nämlich englisch). Im Gegensatz zu vielen Leuten, für die Kinderliteratur ein eher abwertender Begriff (Bedeutungslosigkeit, mangelnde Qualität, keine ernst zu nehmende Literatur) ist, halte ich Kinder für die anspruchsvollsten Leser, die es überhaupt gibt. Ausserdem sind sie das erwachsene Publikum der Zukunft, folglich ist ihre Literatur auch Literatur! Und von wegen fundamentalistisch: Im letzten der sieben Bände, The last Battle (Der letzte Kampf), enthüllt Jack sein ausgesprochen tolerantes Credo: Es kommt darauf an, ob das, was man tut, gut oder schlecht ist! Und nicht darauf, auf wen man sich dabei beruft! Da könnten sich nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene eine Scheibe abschneiden…

Aus all diesen Gründen schätze ich (selbst in meinem „fortgeschrittenen“ Alter) Jacks Narnia-Bücher sehr. Man kann sie – ganz nach Wunsch – entweder als christliche Allegorie oder als spannende Fantasy lesen – oder als witzige Erzählungen voll britischen Humors. Seine Geburtsstadt Belfast gedenkt des Autors übrigens mit einem Denkmal, das Jack zusammen mit seinem Kleiderschrank aus The Lion, the Witch and the Wardrobe (Der König von Narnia) zeigt.