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Geh’n wa Taubn vergiften im Park

von Gabriel Weber

Ein Mann sitzt am Flügel, mit einer riesigen Brille auf der Nase, und singt. Sich selbst auswendig begleitend, singt er wahlweise auf hochdeutsch, in Wiener Mundart oder mit jiddischem Akzent. Und was singt er? Da werden Tauben vergiftet, reihenweise Ehefrauen umgebracht, missratene Söhne machen der ganzen Familie Schande, indem sie General werden, und man überlegt sich, wie schön Wien wäre, wenn es nur keine Wiener gäbe…

Georg Kreisler (1920-2012), aus Wien gebürtig, musste als Jude 1938 nach Amerika emigrieren. Nach seiner Rückkehr in die österreichische Heimat in den 50er Jahren machte er sich bald einen Namen als Kabarettist und erwarb sich den „Ruf, ein makaberer Mensch zu sein“ (Originalzitat Kreisler). Jahrzehntelang übte Kreisler scharfe, bittere Kritik an der braven Lebensweise der durchschnittlichen Spiessbürger, an der hohen Politik, an Geschäftsleuten, die trotz Millionen auf dem Konto den Hals nie voll genug kriegen, und nicht zuletzt an der seiner Meinung nach weltfremden, heuchlerischen katholischen Kirche. Verpackt ist diese Kritik stets in rabenschwarzen Humor und in beschwingte Melodien. Lange Zeit hat Kreisler in Basel gelebt. Erst kurz vor seinem Tod zog er nach Salzburg. Die österreichische Staatsbürgerschaft, die ihm 1938 entzogen wurde, hat er nie zurückbekommen.

Für mich war Georg Kreisler ein kabarettistisches Genie. Ich kann nur sagen: R. I. P. Georg – und Danke.

 

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