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Archiv vom November, 2013

28. November 2013

Was Herr Leroux Herrn Laemmle empfahl

by Gabriel Weber

Es war einmal ein aus Württemberg stammender amerikanischer Filmproduzent namens Carl Laemmle. Der kam 1924 nach Paris und begegnete einem Schriftsteller, dem er seine Sorgen erzählte. Er, Laemmle, Präsident der Universal Studios, hatte unlängst einen brillanten Schauspieler entdeckt, einen gewissen Lon Chaney, und mit ihm in der Hauptrolle Victor Hugos Notre-Dame de Paris verfilmt. Jetzt musste er Chaney schleunigst eine neue Rolle anbieten, damit dieser nicht zur Konkurrenz überlief. Der Schriftsteller meinte darauf, er habe vor über zehn Jahren mal einen Roman verfasst, der aber inzwischen bereits wieder in Vergessenheit geraten sei. Vielleicht eigne der sich für einen Film mit Lon Chaney… Laemmle nahm das Buch, das der Schriftsteller ihm gab, las es in einer Nacht durch – und hatte seinen Filmstoff gefunden.

Der Schriftsteller hiess Gaston Leroux und das Buch, das er Laemmle empfahl, war Le fantôme de l‘ Opéra. 1925 machte der Stummfilmklassiker The Phantom of the Opera nicht nur Lon Chaney berühmt, sondern auch Leroux‘ Buch. Dieses wurde in den folgenden Jahrzehnten immer wieder verfilmt und diente ausserdem als Vorlage für das wohl erfolgreichste Musical aller Zeiten. Die Geschichte des Musik- und Technikgenies, das im düsteren Keller der Pariser Oper seine Hässlichkeit verbirgt, sein Liebeskummer wegen der schönen jungen Sängerin, der berühmte Kronleuchter, der ins Parkett stürzt – all das scheint das Publikum immer wieder zu faszinieren. Was mich persönlich jedes Mal am meisten interessiert, ist das Schicksal des Phantoms am Ende der Geschichte. Ob es an gebrochenem Herzen stirbt (bei Leroux), ob es von der aufgebrachten Menge erschlagen wird (im Film von 1925) oder ob es mit unbekanntem Ziel flieht (in Andrew Lloyd Webbers Musical).

Als weiterführende Literatur sei übrigens Das Phantom von Manhattan empfohlen. Frederick Forsyth erzählt darin, was später aus dem Phantom geworden ist – ausgehend von Lloyd Webbers Theorie… Ausserdem unterzieht er im Vorwort Leroux‘ Original einer hochinteressanten Analyse.

26. November 2013

Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding…

by Gabriel Weber

In England hat die Kinderliteratur eine lange Tradition, man denke nur an Lewis Carrolls Alice in Wonderland, das erste „nicht-pädagogische“ Kinderbuch überhaupt. In diese Tradition gehört auch Edith Nesbit. Mit ihrem Werk Die Kinder von Arden (The House of Arden) hat sie nicht nur einen Klassiker geschaffen, sondern auch den „grossen Familien“ Englands ein Denkmal gesetzt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Der zehnjährige Edred Arden erbt einen Adelstitel und übersiedelt mit seiner älteren Schwester Elfrida in das verfallene Stammschloss der Familie. Bald erfahren die Geschwister von einem Schatz, der irgendwo im Schloss versteckt sein soll – und der käme den beiden letzten Vertretern des einst reichen und mächtigen, inzwischen aber längst verarmten Hauses Arden sehr gelegen. Also machen sie sich auf die Suche. Dabei begegnen sie nicht nur ihrem Wappentier, einem weissen Maulwurf, sondern reisen auch in die Vergangenheit, treffen Anne Boleyn, erleben die Bedrohung durch Napoleon und werden in die Pulververschwörung verwickelt…

Edith Nesbit hat hier, wie auch in einem anderen Band, Der Traum von Arden (Harding‘ s Luck), ein Geschichtsbuch der besonderen Art geschrieben, das ich jedem Interessierten empfehlen kann. Ausserdem (das weiss ich aus eigener Erfahrung) werden sich alle jüngeren Brüder und alle älteren Schwestern in den Arden-Geschwistern wiedererkennen…

21. November 2013

Haut ihn, dass die Fetzen fliegen

by Gabriel Weber

Wir leben hierzulande Gott sei Dank in einer sehr toleranten, aufgeschlossenen Gesellschaft. Doch leider gibt es auch hier und heute Minderheiten, die Schwierigkeiten haben. Zum Beispiel Homosexuelle (man denke nur an die Vorgänge in Frankreich, als die Homo-Ehe eingeführt werden sollte!). Genau damit befasst sich Ingvar Ambjörnsen in seinem Buch „Flammen im Schnee“.

Hobbydetektiv Peter und sein Kumpel, genannt der Prof, stehen vor einem neuen Fall: Leif, der Bruder des Profs, und sein Lebenspartner Gunnar stehen unter Verdacht, Sex mit einem Minderjährigen gehabt zu haben – mit einem minderjährigen Schwulen namens Reidar, den sie aus Solidarität bei sich aufgenommen haben, um ihn vor seinem Stiefvater zu schützen. Dieser Stiefvater verprügelt nämlich gern Schwule. Jetzt sind Leif und Gunnar anonym angezeigt worden und Reidar, der einzige, der sie entlasten könnte, ist spurlos verschwunden. Obendrein ereignen sich in den Wohnhäusern von „Gesinnungsgenossen“ des Stiefvaters rätselhafte Brände…

Homophobie ist nach wie vor eine tragische Realität und es ist Ambjörnsen hoch anzurechnen, dass er auf dieses Thema aufmerksam macht. Meiner Ansicht nach ist es eine Schande, dass es im 21. Jahrhundert immer noch Menschen gibt, die Homosexuelle quasi als Freiwild betrachten, an dem jeder ungestraft seinen Zorn auslassen kann! Was fällt diesen Leuten eigentlich ein? Fühlen sie sich so sehr in ihrer Männlichkeit bedroht? Und wieso gerade Schwule? Warum nicht Bartträger, Radfahrer oder Schwiegermütter? „Flammen im Schnee“ beschreibt eindrucksvoll, wohin das alles einen jungen Menschen treiben kann. Unterwegs räumt der Autor übrigens noch mit verschiedene Klischees auf, zum Beispiel mit dem, das alle Schwulen Schwächlinge seien…

18. November 2013

Und ich bin der Kaiser von China!

by Gabriel Weber

Was kann man sich als Schweizer schon unter dem sprichwörtlichen „Kaiser von China“ vorstellen? Am besten fragt man jemanden, der es wissen muss: Pu Yi (1906-1967), von 1908 bis 1912 letzter chinesischer Kaiser. Seine Memoiren mit dem Titel „Ich war Kaiser von China“ sind jetzt besonders günstig beim Buchplanet zu haben.

Im zarten Alter von nur zwei Jahren wird Aisin Gioro Pu Yi von seiner Familie getrennt und in die Verbotene Stadt gebracht. Nach dem Tod seines Onkels, des Kaisers, ist er zum Nachfolger bestimmt worden und besteigt als Kaiser Hsüan Tung den Thron. Als solcher erlebt er „die absurdeste Kindheit, die sich nur denken lässt„. Selbst nach dem Sturz der Monarchie 1912 bleibt der kaiserliche Hof mit seinen Eunuchen, Konkubinen usw. der alte – und der kleine Ex-Kaiser für die Menschen in seiner Umgebung der „Sohn des Himmels“. Von klein auf verzogen und verhätschelt, wird Pu Yi erst 1924 aus der verbotenen Stadt geworfen und lässt sich wenig später mit den Japanern ein, weil er sich davon eine Restauration der Monarchie verspricht. Er wird dann auch tatsächlich von Japans Gnaden Kaiser, doch letztlich landet er 1945 als Kriegsverbrecher vor Gericht…

Geradezu sympathisch ist mir Pu Yi nicht, aber seit der Lektüre dieses Buches empfinde ich Mitgefühl mit ihm. Dieser Mensch war im Grunde von klein auf immer nur ein Opfer der Umstände. Ausserdem muss eine solche Kindheit mit Kotau und Drachenroben längerfristig den besten Charakter verderben. Auf jeden Fall ist Pu Yis Autobiografie, die er während seiner „Umerziehung“ in der Volksrepublik China verfasst hat, allemal lesenswert.

14. November 2013

Horch, was kommt von draussen rein

by Gabriel Weber

Bekanntlich war die Schweiz während des zweiten Weltkriegs glücklicherweise kein Kriegsschauplatz. Bei der Lektüre der Thurgauer Zeitung stelle ich allerdings fest, dass der Krieg doch nicht ganz spurlos an der Schweiz vorbeiging.

Freitag, der 13. August 1943 war für zehn Soldaten der US Air Force ganz offensichtlich kein Unglückstag. Sie waren nämlich gerade mit einem Bomberflugzeug im Einsatz, als einer der Motoren zu rauchen begann. Glücklicherweise gelang dem Piloten eine Notlandung – in Österreich, wie er meinte. In Wirklichkeit waren die Amerikaner jedoch in der Thurau bei Wil gelandet. Während das Flugzeug – es handelte sich dabei um einen Liberator-Bomber von ca. 19 Metern Länge und ca. 34 Metern Breite – in Flammen aufging, konnte sich die Besatzung unverletzt in Sicherheit bringen. Später wurde sie in Wil interniert.

Für die Leute von Wil müssen die Amerikaner damals eine Sensation erster Güte gewesen sein. Die Thurgauer Zeitung berichtete jedenfalls detailliert und fast im Stil einer Landung von Ausserirdischen von den zehn Fliegern „von verschiedenem Wuchs und Typ“ (wer hätte das gedacht!) und spricht insbesondere auch von ihrem ausgezeichneten „Notproviant, Bisquits, Schokolade und anderem“ (die Rationierung lässt grüssen!).  Am Mittwoch, dem 18. August, wurden die Besucher aus der Ferne sogar alle zehne mit einem Gruppenbild in der Thurgauer Zeitung verewigt.

12. November 2013

Geh’n wa Taubn vergiften im Park

by Gabriel Weber

Ein Mann sitzt am Flügel, mit einer riesigen Brille auf der Nase, und singt. Sich selbst auswendig begleitend, singt er wahlweise auf hochdeutsch, in Wiener Mundart oder mit jiddischem Akzent. Und was singt er? Da werden Tauben vergiftet, reihenweise Ehefrauen umgebracht, missratene Söhne machen der ganzen Familie Schande, indem sie General werden, und man überlegt sich, wie schön Wien wäre, wenn es nur keine Wiener gäbe…

Georg Kreisler (1920-2012), aus Wien gebürtig, musste als Jude 1938 nach Amerika emigrieren. Nach seiner Rückkehr in die österreichische Heimat in den 50er Jahren machte er sich bald einen Namen als Kabarettist und erwarb sich den „Ruf, ein makaberer Mensch zu sein“ (Originalzitat Kreisler). Jahrzehntelang übte Kreisler scharfe, bittere Kritik an der braven Lebensweise der durchschnittlichen Spiessbürger, an der hohen Politik, an Geschäftsleuten, die trotz Millionen auf dem Konto den Hals nie voll genug kriegen, und nicht zuletzt an der seiner Meinung nach weltfremden, heuchlerischen katholischen Kirche. Verpackt ist diese Kritik stets in rabenschwarzen Humor und in beschwingte Melodien. Lange Zeit hat Kreisler in Basel gelebt. Erst kurz vor seinem Tod zog er nach Salzburg. Die österreichische Staatsbürgerschaft, die ihm 1938 entzogen wurde, hat er nie zurückbekommen.

Für mich war Georg Kreisler ein kabarettistisches Genie. Ich kann nur sagen: R. I. P. Georg – und Danke.

 

11. November 2013

Das Buch für den Herrn

by Sara Grob

Ein friedliches Zusammenleben ist ohne Ordnungen und Verhaltensregeln nicht möglich. Ordnungen und Regeln geben uns Verhaltenssicherheit und sie erhöhen die Vorhersehbarkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen. Verhaltensregeln sind nicht unabänderlich, sondern sie passen sich den gesellschaftlichen Änderungen an. Wie solche Regeln und Ratschläge früher ausgesehen haben, erfahren Sie in im Buch „Das Buch für den Herrn – Ein  vergnügliches und nützliches Brevier für Ihn“.

Aus dem Vorwort: Die Männer werden im Leben, was eine bestimmte Art von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern anbelangt, die sich in so grosser Zahl an die Frau wenden und ihr alle nötigen praktischen Ratschläge erteilen, ausgesprochen stiefmütterlich behandelt. Hätte aber der Herr nicht gleichfalls Anrecht auf ein – wenn auch noch so bescheidenes – Nachschlagewerk des guten Tones und der richtigen Lebensweise, welches ihm in allen Lebenslagen von Nutzen sein könnte? 
Würde er nicht manchmal auch gerne ein Buch zu Rate ziehen können, das sich an die Männer aller Klassen und Altersstufen wendet und ihnen sowohl in ihrem Heim als auch in den Situationen ein guter Wegweiser wäre, wenn sie ihre Verpflichtungen – oder ihre Vergnügungen – nach auswärts rufen?
Aus diesen Überlegungen heraus stammt die Idee dieses „Buches für den Herrn“, welches, wie schon sein Titel sagt, ausschliesslich für die Herrenwelt geschrieben wurde.

Die Zahnbürste
Wählen Sie stets eine gute Qualität.
Sie soll hart sein, so hart Sie sie nur vertragen können.
Werfen Sie sie weg, sobald sie beginnt, weich zu werden.
Achten Sie darauf, dass sie immer peinlich sauber ist.
Spülen Sie sie immer in kaltem Wasser aus.
Zwei Zahnbürsten sind immer besser als eine einzige: eine zur Verwendung am Morgen, eine für abends.
Drei Zahnbürsten sind noch besser als zwei: Behalten Sie zwei in Ihrem Badezimmer und eine in Ihrer Schublade, in der Kleiderablage oder im Büro.

Ihre Schals
Smoking und Frack erfordern einen weissen Seidenschal.
Bei Tag trägt man einfarbige oder unauffällig gemusterte Seiden- oder Wollschals.
Kameenfarbene Kaschmirschals werden nur zu einer ausgesuchten Kleidung getragen.

Zu welchem Zweck soll man telephonieren?

  • Um eine Verabredung zu treffen
  • Um eine Einladung an einen Verwandten, einen Freund oder eine Ihnen nahestehende Person ergehen zu lassen.
  • Um sich nach dem Befinden eines Freundes oder Verwandten zu erkundigen.
  • Um einen Untergeordneten herbeizubefehlen.
  • Um eine wenig wichtige Angelegenheit zu erörtern.
  • Um freundschaftlich zu plaudern.

Und wie soll man telephonieren?

  • Wenn Sie derjenige sind, der anruft, nennen Sie sofort Ihren Namen und Ihren Stand, so dass der Angerufene Sie ohne Mühe und unverzüglich identifizieren kann.
  • Geben Sie hierauf kurz genau an, was der Gegenstand Ihres Anrufes ist.
  • Beenden Sie das Gespräch mit einer Höflichkeitsformel.

In welchen Fällen soll man nicht telephonieren?
Telephonieren Sie nicht an eine Person, die Sie schwer krank wissen, noch anlässlich des Todes jemandes, der nicht zu Ihrer Verwandtschaft gehört, an dessen Wohnsitz.
Rufen Sie nicht eine wichtige Persönlichkeit an, ohne dass Sie dazu ermächtigt sind.
Vermeiden Sie so gut es geht, einen geistigen Arbeiter zu stören, ohne sich vorher der Stunden vergewissert zu haben, zu denen er Ihnen zur Verfügung stehen kann.
Halten Sie sich vor Augen, dass es, ausser in Fällen äusserster Dringlichkeit, unschicklich ist, sehr zeitig am Morgen, spät am Abend oder zur Essenszeit anzurufen.
Unterlassen Sie es, sich telephonisch für ein Geschenk zu bedanken (Sie können höchstens anrufen, um sich für eine vergangene oder zukünftige Einladung zu bedanken).

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Das Buch erhalten Sie einmal in unserem Onlineshop für CHF 15.00

7. November 2013

Les Gloires de la France

by Gabriel Weber

„L‘ état, c’est moi!“ Jeder kennt diesen Satz von Ludwig XIV. (auch wenn er ihn vermutlich niemals gesagt hat). Der „Sonnenkönig“ ist neben Napoleon wohl der berühmteste Monarch, den Frankreich je hatte. Er war und ist der Inbegriff des Absolutismus und regierte (zumindest nominell) volle 72 Jahre lang. Obwohl seine prunkvolle Hofhaltung Frankreich an den Rand des Ruins brachte und er, wie er auf dem Sterbebett selber zugab, „den Krieg zu sehr geliebt“ hat, gilt er in der Geschichtswissenschaft nicht als klassischer Tyrann.

Auf eine seiner nachhaltigsten Ideen kam Ludwig, als er beschloss, ein kleines Jagdschlösschen südwestlich von Paris zu seiner Hauptresidenz zu machen – Versailles. Das Gesamtkunstwerk, das dort in jahrzehntelanger, mühsamer und kostspieliger Arbeit entstand, ist heute eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Frankreichs. Bemerkenswert ist, dass das Schloss selbst zur Zeit der Revolution nie als „Zwing-Uri“ gegolten hat. Obwohl es nach 1789 kein französischer Herrscher mehr wagte, in Versailles zu wohnen, blieb es stets ein Denkmal nationaler Grösse, „A toutes les Gloires de la France“, wie es am Fries des Schlosses heisst. Dass die deutsche Kaiserproklamation 1871 ausgerechnet im Versailler Spiegelsaal stattfand, betrachteten viele Franzosen als nationale Provokation. Sie revanchierten sich, indem die Deutschen 48 Jahre später am selben Ort den berühmten Friedensvertrag unterschreiben mussten…

Ich weiss aus eigener Erfahrung: Wer heute nach Versailles fährt, sieht wenig. Erstens sind zu viele Touristen da und zweitens hat man keine Musse, alles zu betrachten. Deshalb empfehle ich die handliche kleine „Vollständige Besichtigung“ (jetzt im Buchplanet!). In diesem Büchlein mit zahlreichen Farbabbildungen kann man das ganze Prunkschloss in Ruhe und ungestört geniessen, vom Schlafzimmer des Königs (mit dem berühmten „Gartenzaun“ vor dem Bett) bis zum Theater.

Übrigens: Die letzten Worte Ludwigs XIV. (er starb natürlich in Versailles) sollen gewesen sein: Pourquoi pleurez-vous? Est-ce que vous m’avez cru immortel? (Warum weint ihr? Habt ihr mich für unsterblich gehalten?)

 

 

5. November 2013

Gehandelt wurde in Gulden – Bestraft mit dem Tod

by Josef Beda

Im Kanton St. Gallen, der im Jahr 1803 der Schweizerischen Eidgenossenschaft beitrat, wurde bis ins Jahr 1852 in der Währung Gulden – den St. Galler-Gulden – gerechnet. Der heutige Regierungsrat wurde damals noch als Kleiner Rath bezeichnet. Dieser war mit umfassenden Machtbefugnissen ausgestattet und setze sich aus Würdenträgern, welche die höchsten Ämter der Stadt und des Kantons inne hatten, und aus Herren von alteingesessenen Familien zusammen.

Im Amtsbericht des »Kleinen Rathes vom Kanton St. Gallen über das Jahr 1834« ist viel Interessantes nachzulesen. Nebst der »Staatsrechnung«, welche zusätzlich in der Währung Franken erläutert ist, den »Diplomatischen Angelegenheiten, oder Verhältnisse des Kantons zur Eidgenossenschaft, zu anderen Kantonen und zum Ausland« und dem »Militärwesen«, beeindruckt beispielsweise auch der Titel »Kriminelles«:

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«Im Laufe des gegenwärtigen Jahres beurtheilte das Kriminalgericht: Kantonsangehörige 74, Fremde 19, im Ganzen 93 Individien, davon Männer 84, Weiber 9. Die dabei ausgesprochenen Strafen wurden in folgende Verhältnisse verhängt, als: Todesstrafe 2, Kettenstrafe 10, Zuchthausstrafe 9, …, Prügelstrafe 5, …, Pranger 11, …, Schandsäule 19, …, Verwahrung auf unbestimmte Zeit 1, Entlassung mit Verdacht 3.» – Und dann ist in diesem Bericht auch zu lesen, dass die Grenzbezirke Sargans, Gaster und Seebezirk sich nicht vollumfänglich an das verordnete Zahlungsmittel gehalten haben, sondern in Bündner-, Glarner- und Zürcher-Währung handelten.

Die Schrift ist bei uns – buchplanet.ch – bestellbar; sie kostet 6127 Gulden was dem Betrag von 31.00 Schweizer-Franken entspricht.

 

Bild-Quelle:
Bild A: Deckblatt des Berichtes

 

4. November 2013

Mit Schaufel und Zahnbürste

by Gabriel Weber

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg schrieb Kurt W. Marek, eben in die Heimat zurückgekehrt, das Buch „Götter, Gräber und Gelehrte“ und bot es dem Verleger Ernst Rowohlt an. Dieser hielt nichts von der Idee – bis sich das Werk  als Bestseller entpuppte.

„Götter, Gräber und Gelehrte“ wird oft als „Roman der Archäologie“ bezeichnet, doch eigentlich wäre die Bezeichnung „Roman der Archäologen“ passender. Es geht nämlich um Menschen. Heinrich Schliemann, der reiche Geschäftsmann, hat bereits ein Vermögen verdient, als er sich auf seine alten Tage der Aufgabe widmet, das historische Troja zu finden. Mit der Ilias in der Hand sucht er am Ufer der Ägäis nach dem Ort, der Homers Beschreibung am ehesten entspricht… Jean-François Champollion, das einmalige Sprachengenie, befasst sich, während ringsherum die napoleonischen Kriege toben, in mühsamer Kleinarbeit mit der Entzifferung der Hieroglyphen… Die Geschichte dieser und anderer Herren erzählt Marek (der seinen Namen umdrehte und das Pseudonym C. W. Ceram benutzte) sehr unterhaltsam und flüssig, aber niemals ohne wissenschaftliche Grundlage. Das Buch ist nach geographischen Regionen geordnet.

Das Graben in der Erde mit Schaufel und Zahnbürste kann ungeheuer spannend sein – besonders, wenn man solche Entdeckungen macht wie seinerzeit, als Schliemann und seine Frau Sophia den Schatz von Troja entdeckten…