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Der moderne Prometheus

von Gabriel Weber

Mary Shelleys „Frankenstein“, am Genfer See entstanden, ist zweifellos ein Klassiker. Unzählige Male kopiert, parodiert und karikiert. Besonders seit der Schauspieler Boris Karloff in den 1930er Jahren die Filmrolle des „Monsters“ prägte, ist Frankenstein sozusagen der Inbegriff des billigen Horrors geworden. Zu Recht?

Viktor Frankenstein (der, obwohl sein Name nicht danach klingt, aus Genf stammt) befasst sich während seines Studiums in Ingolstadt mit der Idee, künstliches Leben zu erzeugen. Schliesslich gelingt es ihm, aus Leichenteilen einen Körper zusammenzusetzen und diesen mit der Energie eines Gewitters zum Leben zu erwecken. Doch Frankenstein muss mit Entsetzen feststellen, dass seine Kreation bei weitem nicht der „perfekte Mensch“ ist, der ihm vorschwebte. Enttäuscht und angewidert kehrt er nach Genf zurück, nicht ahnend, dass sein „Kind“ ihm folgt…

Ich glaube, dass man Shelley Unrecht tut, wenn man in ihrem „Frankenstein“ nur die Schauergeschichte sieht. Es geht nicht nur um den Hochmut der modernen Wissenschaft (als Thema heute aktueller denn je), sondern auch um die Rebellion des ungewollten, verstossenen Kindes gegen den sich abwendenden Vater. Insofern sollte man wirklich den Originalroman lesen und sich nicht auf die zahllosen Verfilmungen verlasssen.

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