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Was kommt nach dem Tod in Venedig?

von Gabriel Weber

Die Lagunenstadt Venedig hat Schriftsteller seit jeher fasziniert. Sei es die morbid-dekadente (wie in Thomas Manns „Tod in Venedig“) oder die geheimnisvoll-magische Seite (wie in Friedrich von Schillers „Der Geisterseher“). Nina Blazon hat sich mit ihrem Buch „Laqua. Der Fluch der Schwarzen Gondel“ in diese noble Reihe eingereiht.

Die Geschwister Kristina und Jan aus Deutschland müssen umständehalber zusammen mit ihrer Tante Sara die Weihnachtsferien bei ihrer Urgrossmutter verbringen, die in einem Palazzo in Venedig, dem historischen Familienstammsitz, ein Hotel betreibt. Nicht nur legt die Nonna einen für eine Hotelière geradezu bemerkenswerten Mangel an Gastfreundlichkeit an den Tag; auch der Familiensitz ist den Kindern richtig unheimlich. Bald überstürzen sich die Ereignisse: Kristina und Jan machen die Bekanntschaft von Kindern, die geradezu übernatürliche Fähigkeiten puncto Fortbewegung besitzen und offenbar nur für ganz bestimmte Leuten sicht – und hörbar sind. Ein vermummter Mann in einer uralten Gondel taucht auf und Sara scheint sich auf seltsame Weise zum Wasser der Lagune hingezogen zu fühlen. Offenbar sind die Toten in Venedig weniger tot als anderswo…

Was mir an dem Buch besonders gefällt, ist die meisterhafte Eleganz, mit der die Autorin am Ende alle Handlungselemente unter einen Hut bringt. Es ist ein Buch, das man gerne ein zweites Mal liest – weil einem dann nämlich alle die Details auffallen, die sich später als bedeutungsvoll herausstellen. Sehr interessant sind auch jene Abschnitte, in denen das Geschehen aus der Sicht des Oberbösewichts dargestellt wird, der dadurch auf fast beängstigende Weise greifbar wird. Ein weiterer Pluspunkt ist natürlich das einmalige venezianische Lokalkolorit, manche Handlungsorte waren mir noch sehr gegenwärtig.

Eines steht fest: Sollte ich jemals wieder nach Venedig kommen, so wird es mir wahrscheinlich mehr als einmal kalt den Rücken runterlaufen.

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