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Es klappert die Mühle am rauschenden Bach

von Gabriel Weber

Mühlen sind immer ein interessantes Sujet, von Schuberts „schöner Müllerin“ bis zu „deit unde i dä Tiefi, da schteit es Mülirad“. Aber bei einer Mühle im östlichen Sachsen ist offenbar besonders der Wurm drin.

Otfried Preusslers Romanheld Krabat (dessen Name übrigens von „Kroate“ kommt), ein verwaister Betteljunge, wird zu Beginn des 18. Jahrhunderts durch einen seltsamen Traum nach Schwarzkollm gelockt, in die „schwarze Mühle“. Der Müller, eine ziemlich unheimliche Figur, nimmt Krabat als Lehrling auf – aber nicht nur für das Müllerhandwerk! Der Müller ist nämlich ein böser Zauberer, der seine Gesellen in schwarzer Magie unterrichtet. Das hat natürlich seine Vorteile; Es ist immer wieder amüsant, andere Leute mit Magie übers Ohr zu hauen (Schadenfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude) und einmal nimmt der Müller Krabat mit nach Dresden, an den Hof Augusts des Starken, um ihm jene Droge zu kosten zu geben, die „Macht“ heisst… Als Krabat erfährt, welchen grässlichen Preis er für das alles zu zahlen hat, ist es schon fast zu spät. Nur die Liebe eines Mädchens kann ihn jetzt noch retten…

Otfried Preusslers Meisterwerk ist nicht umsonst mit Preisen überhäuft worden. Es ist eine grossartige Parabel über die Verführung der Macht, eine Verführung, der leider seit jeher viel zu viele Menschen erliegen. Preussler  (er ruhe in Frieden!) hat diese Geschichte übrigens nicht selber erfunden, sondern eine alte Sage aus der Lausitz verarbeitet. Die Ortschaften, die er erwähnt (Schwarzkollm, Hoyerswerda, Kamenz usw.) existieren alle heute noch. Es gibt sogar einen Radweg, mit dem man die Originalschauplätze besuchen kann.

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