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Den Erlkönig mit Kron‘ und Schweif

von Gabriel Weber

Fantasy ist nicht unbedingt meine literarische Spezialität, die reale Welt ist mir lieber. Und Goethe ist auch nicht meine Kragenweite, ich ziehe Schiller vor. Aber „Der Ruf ins andere Land“ von Dahlov Ipcar ist so eine Art Kombination aus Goethe und Fantasy und das hat seinen besonderen Reiz.

Die Bäuerin Nora ist vor Kurzem Mutter geworden. Doch eines Nachts wird sie von einer geheimnisvollen Macht gezwungen, ihren Mann Eben und ihren Sohn Owen zu verlassen und per Boot nach Erland zu reisen, in das Reich des Erlkönigs (ob es wohl derselbe ist, den Goethe besungen und Schubert vertont hat?). Auch die Erlkönigin hat vor kurzem ein Kind zur Welt gebracht, kann es aber wegen einer Krankheit nicht selbst stillen. Deshalb soll Nora die Amme des kleinen Erlprinzen Elver werden. Da ihr nichts anderes übrig bleibt, lebt Nora jahrelang im Schloss des Erlkönigs und kümmert sich liebevoll um ihr Pflegesöhnchen, dem sie den Spitznamen Eelie gibt. Als die Erlkönigin stirbt, macht der grausame und brutale Erlkönig Nora einen Heiratsantrag („Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt“) und will sie, als sie ablehnt, zur Heirat zwingen („Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!“) Nora weiss, dass sie aus Erland fliehen muss. Doch wie soll sie das schaffen? Und was soll sie zuhause tun, nachdem ihr Mann inzwischen der Hexe Bab Magga ins Netz gegangen ist? Ein Glück, dass Nora in dem liebenswerten Eelie einen zwar körperlich kleinen, aber keineswegs machtlosen Verbündeten hat…

Besonders originell fand ich, dass die erzählende Person wechselt. Nora, Eelie, Owen und Eben wechseln sich kapitelweise als Ich-Erzähler ab und jeder schildert die Geschehnisse von seinem Standpunkt aus. Auch sonst ist das Ganze ein originelles, fantasievolles Märchen voller Symbolik, längst nicht so monumental wie andere Fantasy-Geschichten, sondern mehr so eine Art Kammerspiel. Auch für Fantasy-Muffel empfehlenswert!

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