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Archiv vom 22. August 2013

22. August 2013

Verne und die Deutschen

„Les cinq-cent Millions de la Begum“, Die fünfhundert Millionen der Begum“ ist ein Roman von Jules Verne. Weit weniger bekannt als beispielsweise „In 80 Tagen um die Welt“ oder „20000 Meilen unter dem Meer“, erschien er 1879.

Dr. Sarrasin, ein philantropischer französischer Arzt, und Prof. Schultze, ein chauvinistischer deutscher Chemiker, werden durch Zufall die Erben eines gemeinsamen entfernten Verwandten, der einst in Indien eine einheimische Fürstin (eben eine Begum) geheiratet hat. Die Erbschaft beläuft sich auf rund 250 Millionen Franc pro Person (eine für damalige Verhältnisse fast unvorstellbare Summe). Sarrasin benützt das Geld, um zusammen mit Gleichgesinnten im amerikanischen Bundesstaat Oregon eine moderne Stadt aufzubauen, gewissermassen ein neues Utopia, angelegt nach neusten Erkenntnissen bezüglich Hygiene, Raumplanung usw. Schultze hingegen wird Rüstungsindustrieller und errichtet, ebenfalls in Oregon, eine gigantische Waffenfabrik. Dort lässt er eine neuartige Kanone bauen, die nicht nur an Grösse, sondern auch an Gefährlichkeit alles Bisherige weit übertrifft. Für einen Probeschuss hat Schultze auch schon ein Ziel: die Stadt von Dr. Sarrasin…

Man merkt deutlich, dass dieses Buch kurz nach dem Krieg von 1870/1871 entstanden ist. Professor Schultze, Bier trinkend, Sauerkraut essend, gnadenlos pünktlich, von der natürlichen Überlegenheit der germanischen Rasse überzeugt, ist quasi das lebende Klischee des „Deutschen“ in den Augen der damaligen Franzosen. Was mich an der Geschichte fasziniert, ist die Tatsache, wie sehr Jules Verne (wie so oft) auch hier geradezu prophetisch zukünftige Entwicklungen vorausgesehen hat. Der grössenwahnsinnige Rassist Schultze, dessen Fabrik äusserst unangenehm an ein Konzentrationslager erinnert, und seine Kanone, die für das Publikum von 1879 wohl eine ähnliche Bedeutung hatte wie für uns heute die Atombombe…das alles weckt Assoziationen mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Der Roman ist zwar sehr simpel und einseitig (brutale Deutsche versus menschenfreundliche Franzosen), aber dennoch ein Meisterwerk, mit einem dramatischen Höhepunkt, der an einen James-Bond-Film erinnert.

22. August 2013

„Ein Abschied verleitet immer dazu, etwas zu sagen, was man sonst nicht ausgesprochen hätte.“ Euphemia von Adlersfeld, deutsche Schriftstellerin 1854-1941

Geschätzte Blog-Leser

Ein französisches Sprichwort sagt; „Abschied ist immer ein wenig Sterben.“ So dramatisch will ich es nicht sehen, aber Fakt ist, meine Tage im buchplanet sind gezählt.

Und wie es so Usus ist wenn einer geht; derjenige hält meistens eine kleine Abschiedsrede. Das tue ich jetzt, in schriftlicher Form und ich will es nicht lassen, dabei quasi die Keule zu schwingen. Es sind zwei Anmerkungen die ich darlegen will und ich betone mit Nachdruck, dass das, was ich jetzt  anschliessend referiere, meine persönliche Meinung ist.

1.Anmerkung

Meine Einsatzzeit beim buchplanet wird nach einem halben Jahr nicht verlängert. Begründung vom Sozialamt: zu teuer für sie (in der Endabrechnung koste ich ihnen weniger als 200 Fr.) und ich bin kein „Sorgenkind“) Gott sei Dank bin ich das nicht! Mit Sorgenkind meine ich, ich habe keine physische und psychische Herausforderung, die ein langsames und gezieltes Einsteigen in die erste Arbeitswelt erfordert. Oder mit den Worten meines Sozialberaters zu sprechen; „Ich bin eigentlich zu gut für das Sozialamt. Danke für die Blumen, hilft mir aber im Endeffekt auch nicht weiter. Vor allem verwischt es bei mir nicht den Eindruck, dass mein Sozialamt lieber will, dass ich zu Hause bleibe.

2.Anmerkung

In der Schweiz gibt es den Leitsatz; „Niemand muss auf der Strasse leben.“ Dem stimme ich sofort zu. Dafür haben wir ja unter anderem die Sozialhilfe. Die sieht vordergründig wunderbar aus, hat aber für mich Ähnlichkeit mit gewissen Häuserfassaden zur DDR-Zeiten, die Staatschef Erich Honegger auf seinen Inlandsreisen jeweils zu Gesicht bekam. Diese Fassaden wurden, um Erichs Augen nicht zu beleidigen und um ihm zu zeigen wie wohltätig und wundersam der Sozialismus ist ,frisch angestrichen. Das Innere der Häuser blieb aber von dieser Verschönerung ausgeschlossen Sie waren nach wie vor grau und trist und konnten durchaus schon Zerfallserscheinungen zeigen.

Gemäss Bundesverfassung (Artikel 12 BV) soll die Sozialhilfe „ein menschenwürdiges Dasein ermöglichen.“ Ein hehrer Satz, nur die Crux ist, es wird nicht definiert, welche Mittel dafür notwendig sind. Und wenn in den letzten Tagen  viel von der Armutsgrenze (2200 Fr.) in der Schweiz gesprochen wird; mit Arbeit beim buchplanet komme ich knapp drüber, ohne Arbeit falle ich drunter. Ist das Existenzsicherung und menschenwürdiges Dasein?

Das war meine Motzerei. Aber schliesslich sollte bei einer Abschlussrede, dass Schöne und Positive überwiegen. Also; Es war toll, ein halbes Jahr meiner Liebhaberei nach zu gehen; sprich Bücher und Schreiben.

Aber so wie es manchmal im Leben geschieht, nicht die grosse Liebe ist die beständige, sondern die Vernünftige. Und die Vernünftige wird, Stand jetzt, vorläufig die Oberhand behalten  Also zurück zum Brotberuf. Und da befinde ich mich ja in bester Gesellschaft Denn Franz Kafka, als Beispiel zu nennen, hat neben seiner Schreiberei auch einen Brotberuf (seine Wortschöpfung übrigens) ausgeübt.

Und damit schliesse ich oder wie Theodor Fontane sagte; „Abschiedsworte müssen kurz sein wie eine Liebeserklärung.“

In dem Sinn, geschätzte Blog-Leser, alles Gute und ich hoffe dass ich sie mit meinen Beiträgen nicht allzu gelangweilt habe.

 

abschied