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De Zwölfischlegel und Simon Gfeller

von Sara Grob

An unserer Familienweihnachtsfeier pflegte mein Vater die Tradition uns jeweils eine Weihnachtsgeschichte vorzulesen. Eine Geschichte, die wir immer sehr gerne hörten war „Zwölfischlegels Weihanchtsfeier“ von Simon Gfeller. Ich habe mich deshalb sehr gefreut als ich heute bemerkte, dass diese Geschichte im Buch „Geschichten aus dem Emmental“ von Simon Gfeller enthalten ist.
In dieser berührenden Geschichte erzählt Gfeller, wie ein Vagabund, der Zwölfischlegel genannt wird, ein unvergleichliches Weihnachtsfest erlebt. Er darf auf einem Bauernhof im Stall übernachten, erhält eine Suppe und durch die Beharrlichkeit der Kinder darf er sogar den Weihnachtsbaum betrachten. Vom Christkind erhält er gar einen Bärenlebkuchen, die Kinder teilen ihre Knabbereien mit ihm und die Wirtin schenkt ihm schlussendlich ein Paar alte, aber noch brauchbare Schuhe und frischangestrickte Strümpfe. Der Knecht des Bauernhofs füllt auch noch das Schnapsfläschchen von Zwölfischlegel frisch auf.
„Als die Kinder und Dienstboten zur Ruhe waren und der Bauer die Türen schloss, hörte er den alten Vagabunden singen. Es mochte wohl ein Lied sein, das ihn noch die Mutter gelehrt hatte.“
Zwei Monate nach diesem Christfest starb Zwölfischlegel im Spital. Der Bärenlebkuchen, den er vom Christkind erhalten hatte, begleitet ihn auf seinem letzten Weg…

Es ist eine traurige aber auch schöne Geschichte. Wenigstens hat Zwöflischlegel vor seinem Tode noch so viel Menschenliebe erlebt.

Durch eine Suchmaschine habe ich einen Artikel der Bernerzeitung gefunden, der sich mit Zwölfischlegels Weihnachtsfeier beschäftigt. Diese Geschichte basiert nämlich auf einem Schulaufsatz den Simon Gfeller von einem Schüler erhielt. Lesen Sie den Artikel hier

Simon Gfeller wurde am 8. April 1868 im „Zuguet“ (ein Einzelhof, der zur Gemeinde Trachselwald gehörte) geboren und wuchs in bäuerlichen Verhältnissen auf. Er machte die Ausbildung zum Lehrer am Seminar Hofwil bei Münchenbuchsee. 1910 erschien das erste Buch von Gfeller, „Heimisbach“ ein Roman aus dem bäuerlichen Leben, in dem er entschieden gegen die Trunksucht antrat. Es war das erste Buch im Emmentaler Dialekt und wurde ein voller Erfolg. 1929 liess er sich pensionieren um mehr Zeit zum Schreiben zu haben. Von der Universität Bern erhielt er 1934 die Ehrendoktorwürde. Am 8. Januar 1943 starb Simon Gfeller.

Im Roman „Heimisbach“ beschrieb Gfeller die Landschaft so exakt, dass man erkannte, dass es sich um die Landschaft Dürrgraben handelte. Am 100. Geburtstag des Dichters (1968) und 25 Jahre nach seinem Tod änderte die Talschaft Dürrgraben ihren Namen offiziell in Heimisbach, um den Dichter zu ehren. Im alten Schulhas Thal, wo Gfeller selbst die Schulbank drückte, besteht seit 1970 eine Gedenkstube. 1975 wurde die Simon Gfeller Stiftung gegründet, die sich um die Erhaltung des Nachlasses sorgt und kulturelle Anlässe in der Gemeinde organisiert. Hier finden Sie die Webseite von Trachselwald / Heimisbach.

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