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Tagebuch von 1945

von Sara Grob

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Beim Sortieren fand ich heute eine kleine Taschenagenda „Ärzte-Jahrbuch 1935“. Ich vermute aber, dass diese Agenda nie von einem Arzt benutzt wurde. Ich nehme an, dass die Agenda zuerst durch eine Frau benutzt wurde und später von einem Bauernkind als Tagebuch verwendet wurde. Meine Vermutung stützt sich auf diese zwei Zeitungsschnipsel, die ich im Buch gefunden habe und auf die Einträge, die ich weiter unten zitiere.

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Es hatte auch einige handschriftliche Eintragungen im Taschenkalender. Die ersten Eintragungen sind in einer zierlichen Frauenschrift mit Tinte geschrieben. Ich werde ein wenig daraus zitieren:

Am Dienstag dem 30. November den schwarzen Konfirmandenstoff gekauft 3m à 15 Fr = 45.-

1937 in den Herbstferien in St. Gallen gewesen. Sie dauerten 2 Wochen. Es war sehr schön. In der ersten Woche war gerade St. Galler Jahrmarkt. Ich ging alle Tage dorthin. Wir gingen in Kinos und an andere Vergnügen. René kam alle Tage mit und Frl. Lina. Dort lernte ich Tante Frieda von Zürich kennen. Wir unternahmen alle Tage grössere Spaziergänge. Abends war es noch sehr schön im Stadtpark. Da trafen wir oft sehr viel Bekannte und andere Leute. Ich kam auch mit dem Café Gschwend in Verbindung. Dort sind 30 Angestellte. Könnte auch dorthin gehen als Ladenfräulein oder zum Servieren. Abends war es immer fidel und lustig. René wusste immer etwas zu erzählen. Herr und Frau Steiger wurden abends oft zum Tee eingeladen. Es war sehr nett. Die Ferien leben hoch! hoch! hoch!

Die weiteren Eintragungen sind in einer nicht so leserlichen Schrift verfasst und mit Bleistift geschrieben. Aufgrund des Inhaltes vermute ich, dass diese Eintragungen von einem Kind geschrieben wurden. Sehr empfehlenswert: der Eintrag vom 8. Mai 1945.

Ich zitiere:

6. November 1944 finden wir Heu an zu füttern.

4. Dezember 1944 Ernst fing Bäume an zu schneiden

13. Dezember 1944 Weihnachtsgeschenk ein Wasserwaage für mein Vater

16. Dezember 1944 Vogt muss die Stalldecke verputzen

17. Dezember 1944 Auf Weihnachten kaufte ich für Mutter eine Schürze

18. Dezember 1944 Roggen abgegeben

19. Dezember 1944 Güllen

20. Februar 1945 Heute müssen wir den Miggi töten. aber sehr ungern. ein liebes Pferd

21. Februar 1945 Pferde Stall reinigen

24. Februar 1945 Noch Mosten d. Äpfel v. 1944, Saften!

24. Februar 1945 Das Pferd auf d. Bahnh. abgeholt

26. Februar 1945 Wursten. Rauchwürste

27. Februar 1945 Pflügen!

9. März 1945 Ich gehe zum Zahnartzt

12. März 1945 Bäume spritzen

13, März 1945 Tannen fällen

15. März 1945 Hafer ansähen

21. März 1945 Güllen f. die Pumpe wird mondiert

22. März 1945 Angefangen Röhren legen

8. Mai 1945 Frieden ersent. Krieg 6 Jahre

13. Mai 1945 Klärli nach Kreuzlingen eine Stelle

1. April 1946 Pferde beschlagen

16. April 1946 Hanf gesäht u. Miesl darüber

19. April 1946 Karfreitag. Konfirmation. Eugen fährt Auto. Gotte 3 Tage bei uns. Schöne Konfirmation. Von der Gotte bekam ich als Zetzi eine schöne Uhr auf die Konfirmation. 1 Wecker bekam ich auch geschenk und anderes Zeug.

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