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Archiv vom August, 2013

30. August 2013

Vom Romulus bis zum Meteor

by Gabriel Weber

Ab und zu findet man im Buchplanet regelrechte Trouvaillen. Der Titel „play Dürrenmatt. Ein Lese- und Bilderbuch“ ist mir als Dürrenmatt-Fan sofort ins Auge gesprungen.

Friedrich Dürrenmatt hat nicht nur für die Bühne geschrieben; viele seiner Theaterstücke sind, unter Mitarbeit des Autors, auch vom zeitgenössischen Fernsehen aufgezeichnet worden. Und zwar nicht selten mit hochkarätigen Besetzungen: Therese Ghiese, Leonard Steckel, Gustav Knuth und viele andere, die in vielen Fällen ihre Fernseh-Rollen auch auf der Bühne dargestellt haben. Die zahlreichen Schwarzweiss-Aufnahmen in diesem Buch vermitteln dem Dürrenmatt-begeisterten Leser das Gefühl, Frl. Dr. von Zahnd, Wolfgang Schwitter oder Kaiser Romulus (hach ja, Romulus der Grosse – das erste, was ich je von Dürrenmatt gelesen habe!) endlich einmal persönlich zu sehen. Ein anderes Thema sind die Kinofilme, mit denen Dürrenmatt weniger Glück hatte. Von Bernhard Wickis „Besuch“ (der alten Dame) war er offenbar nicht besonders begeistert, von „Es geschah am helllichten Tage“ auch nicht. Allem Anschein nach war er kein Autor fürs Kino.

Ergänzt wird das Ganze noch durch Quellentexte, teils von Dürrenmatt selbst, teils von Mitarbeitern und Bekannten, von Max Frisch, Hugo Loetscher und vielen anderen. Sie äussern sich nicht nur über die verfilmten Stücke, sondern auch über Dürrenmatt und seine Arbeitsweise. Nur schon deshalb sollte dieses Buch zur Pflichtlektüre für jeden Dürrenmatt-Fan erklärt werden.

26. August 2013

Nie mehr einen Geburtstag vergessen

by Sara Grob

Das Hauptsortiment des buchplanet.ch besteht aus Büchern, die einen Inhalt aus Buchstaben haben. Manchmal finden wir in den Anlieferungen aber auch Geburtstagskalender, Agenden oder sonstige Blankobücher. Anfangs haben wir diese Blankobücher selbst verwendet, doch nun haben alle Mitarbeiter des buchplanet.ch bereits genügend Agenden und Kalender. Entsorgen mochten wir diese Blankobücher aber auch nicht, das würde unserem Pfeiler „Ökologie“ stark widersprechen. Deshalb haben wir nun einige Blankobücher in unseren Onlineshop aufgenommen.

Alle unsere Blankobücher finden Sie unter diesem Link. Momentan sind hauptsächlich „immerwährende Geburtstagskalender“ erfasst, vielleicht finden wir in der nächsten Zeit ja noch einige Notizbücher…

22. August 2013

Verne und die Deutschen

by Gabriel Weber

„Les cinq-cent Millions de la Begum“, Die fünfhundert Millionen der Begum“ ist ein Roman von Jules Verne. Weit weniger bekannt als beispielsweise „In 80 Tagen um die Welt“ oder „20000 Meilen unter dem Meer“, erschien er 1879.

Dr. Sarrasin, ein philantropischer französischer Arzt, und Prof. Schultze, ein chauvinistischer deutscher Chemiker, werden durch Zufall die Erben eines gemeinsamen entfernten Verwandten, der einst in Indien eine einheimische Fürstin (eben eine Begum) geheiratet hat. Die Erbschaft beläuft sich auf rund 250 Millionen Franc pro Person (eine für damalige Verhältnisse fast unvorstellbare Summe). Sarrasin benützt das Geld, um zusammen mit Gleichgesinnten im amerikanischen Bundesstaat Oregon eine moderne Stadt aufzubauen, gewissermassen ein neues Utopia, angelegt nach neusten Erkenntnissen bezüglich Hygiene, Raumplanung usw. Schultze hingegen wird Rüstungsindustrieller und errichtet, ebenfalls in Oregon, eine gigantische Waffenfabrik. Dort lässt er eine neuartige Kanone bauen, die nicht nur an Grösse, sondern auch an Gefährlichkeit alles Bisherige weit übertrifft. Für einen Probeschuss hat Schultze auch schon ein Ziel: die Stadt von Dr. Sarrasin…

Man merkt deutlich, dass dieses Buch kurz nach dem Krieg von 1870/1871 entstanden ist. Professor Schultze, Bier trinkend, Sauerkraut essend, gnadenlos pünktlich, von der natürlichen Überlegenheit der germanischen Rasse überzeugt, ist quasi das lebende Klischee des „Deutschen“ in den Augen der damaligen Franzosen. Was mich an der Geschichte fasziniert, ist die Tatsache, wie sehr Jules Verne (wie so oft) auch hier geradezu prophetisch zukünftige Entwicklungen vorausgesehen hat. Der grössenwahnsinnige Rassist Schultze, dessen Fabrik äusserst unangenehm an ein Konzentrationslager erinnert, und seine Kanone, die für das Publikum von 1879 wohl eine ähnliche Bedeutung hatte wie für uns heute die Atombombe…das alles weckt Assoziationen mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Der Roman ist zwar sehr simpel und einseitig (brutale Deutsche versus menschenfreundliche Franzosen), aber dennoch ein Meisterwerk, mit einem dramatischen Höhepunkt, der an einen James-Bond-Film erinnert.

22. August 2013

„Ein Abschied verleitet immer dazu, etwas zu sagen, was man sonst nicht ausgesprochen hätte.“ Euphemia von Adlersfeld, deutsche Schriftstellerin 1854-1941

by Simone Gröbli

Geschätzte Blog-Leser

Ein französisches Sprichwort sagt; „Abschied ist immer ein wenig Sterben.“ So dramatisch will ich es nicht sehen, aber Fakt ist, meine Tage im buchplanet sind gezählt.

Und wie es so Usus ist wenn einer geht; derjenige hält meistens eine kleine Abschiedsrede. Das tue ich jetzt, in schriftlicher Form und ich will es nicht lassen, dabei quasi die Keule zu schwingen. Es sind zwei Anmerkungen die ich darlegen will und ich betone mit Nachdruck, dass das, was ich jetzt  anschliessend referiere, meine persönliche Meinung ist.

1.Anmerkung

Meine Einsatzzeit beim buchplanet wird nach einem halben Jahr nicht verlängert. Begründung vom Sozialamt: zu teuer für sie (in der Endabrechnung koste ich ihnen weniger als 200 Fr.) und ich bin kein „Sorgenkind“) Gott sei Dank bin ich das nicht! Mit Sorgenkind meine ich, ich habe keine physische und psychische Herausforderung, die ein langsames und gezieltes Einsteigen in die erste Arbeitswelt erfordert. Oder mit den Worten meines Sozialberaters zu sprechen; „Ich bin eigentlich zu gut für das Sozialamt. Danke für die Blumen, hilft mir aber im Endeffekt auch nicht weiter. Vor allem verwischt es bei mir nicht den Eindruck, dass mein Sozialamt lieber will, dass ich zu Hause bleibe.

2.Anmerkung

In der Schweiz gibt es den Leitsatz; „Niemand muss auf der Strasse leben.“ Dem stimme ich sofort zu. Dafür haben wir ja unter anderem die Sozialhilfe. Die sieht vordergründig wunderbar aus, hat aber für mich Ähnlichkeit mit gewissen Häuserfassaden zur DDR-Zeiten, die Staatschef Erich Honegger auf seinen Inlandsreisen jeweils zu Gesicht bekam. Diese Fassaden wurden, um Erichs Augen nicht zu beleidigen und um ihm zu zeigen wie wohltätig und wundersam der Sozialismus ist ,frisch angestrichen. Das Innere der Häuser blieb aber von dieser Verschönerung ausgeschlossen Sie waren nach wie vor grau und trist und konnten durchaus schon Zerfallserscheinungen zeigen.

Gemäss Bundesverfassung (Artikel 12 BV) soll die Sozialhilfe „ein menschenwürdiges Dasein ermöglichen.“ Ein hehrer Satz, nur die Crux ist, es wird nicht definiert, welche Mittel dafür notwendig sind. Und wenn in den letzten Tagen  viel von der Armutsgrenze (2200 Fr.) in der Schweiz gesprochen wird; mit Arbeit beim buchplanet komme ich knapp drüber, ohne Arbeit falle ich drunter. Ist das Existenzsicherung und menschenwürdiges Dasein?

Das war meine Motzerei. Aber schliesslich sollte bei einer Abschlussrede, dass Schöne und Positive überwiegen. Also; Es war toll, ein halbes Jahr meiner Liebhaberei nach zu gehen; sprich Bücher und Schreiben.

Aber so wie es manchmal im Leben geschieht, nicht die grosse Liebe ist die beständige, sondern die Vernünftige. Und die Vernünftige wird, Stand jetzt, vorläufig die Oberhand behalten  Also zurück zum Brotberuf. Und da befinde ich mich ja in bester Gesellschaft Denn Franz Kafka, als Beispiel zu nennen, hat neben seiner Schreiberei auch einen Brotberuf (seine Wortschöpfung übrigens) ausgeübt.

Und damit schliesse ich oder wie Theodor Fontane sagte; „Abschiedsworte müssen kurz sein wie eine Liebeserklärung.“

In dem Sinn, geschätzte Blog-Leser, alles Gute und ich hoffe dass ich sie mit meinen Beiträgen nicht allzu gelangweilt habe.

 

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21. August 2013

Wandern ist des Müllers Lust

by Simone Gröbli

Geschätzte Blog Leser

Spätsommer + Herbstzeit = Wanderzeit.

Und dazu kann man wunderbare schicke und reich ausgestattete Wanderführer, Tourenführer und sonstige Führer und Ratgeber erwerben. Ich glaube auch im buchplanet haben wir solche oder ähnliche im Angebot.

Aber die will ich Ihnen, geneigte Leser, nicht schmackhaft machen, sondern Ihnen aufzeigen, dass gerade unauffällige, ältere „Graue Mäuse Bücher“ oft hoch interessante und nach wie vor durchaus gültige Informationen beinhalten können.

Die Geschichte geht so;

Zurzeit beackere ich die Sparte Jugendbücher und dabei „reite“ ich so nebenbei, durchaus auf einer Nostalgiewelle; denn nicht wenige Bücher, die mir in die Hände fallen, gehörten zu meinem ersten Lesestoff und bescherten mir etliche Gänge in die Schul-Bibliothek. Aber dass, wie gesagt nur nebenbei erwähnt.

Um was es eigentlich geht; Am Dienstag fiel mir das Buch in die Finger;

„Mit Rucksack, Zelt + Kochtopf“ aus dem Jahr 1959. Auf den ersten Blick also nur einer dieser üblichen Jugend- Freiheit- und Wander verherrlichenden Schriften. Aber Pustekuchen! Der Autor heisst nämlich René Gardi und war seines Zeichens unter anderem Verfasser von Reiseberichte, die ihn bis Afrika und Neuguinea geführt haben. Er schrieb aber eben auch Pfadfinderbücher und genau in diese Richtung geht das von mir entdeckte Buch.

Wie schon gesagt 1959 ist die Veröffentlichung, aber es sind Dinge darin aufgeführt, die halten heute noch jeden Vergleich mit diesen supermodernen Nachschlagewerken statt. (Anzufügen ist noch; es sind nicht nur Tipps und Anregungen  für die Jugend).

Es fängt an mit dem Verhalten auf der Tour (Freundlich und rücksichtsvoll, Humorlosigkeit hat keinen Platz, tägliche Nachrichten an die Eltern usw.), dann folgen unter anderem Ratschläge für Autostopps, Ausrüstungslisten, Menu Planungen, Kochen im Freien, Kartenlesen, Wetter- und Himmelskunde, Erste Hilfe bis dann zu Guter Letzt die Wandertipps folgen.

Hier ein  paar Rosinen aus dem Buch;

Was kostet das Billett?

Bahntarif

Gewöhnliche Billette: Die Fahrpreissätze je Kilometer in der 2.Klasse auf Hauptbahnen betragen:

1 bis 150 km; – 11,2Rp. / Hin und zurück; 16,8Rp.

151 bis 200 km; – 6,72Rp. / Hin und zurück; 10,08Rp.

201 km und mehr 4,48Rp. / Hin und zurück;    6,72Rp.

 Höhen und Neigungen messen

Die Berechnungsformel lautet: Neigung in % = 100 x Höhenunterschied (in m)

Horizontaldistanz (in m)

Wandertipps

„Um die Haut an den Fusssohlen, die oft lederartig spröd wird, etwas geschmeidig zu machen, reibt man einige Tropfen Öl in die Haut“

 Auf der Velotour

„Für Passfahrten genügt ein Rücktritt nicht.“

„Es ist besser, bei Strassen mit starker Steigung abzusteigen, als einen Herzfehler zu riskieren.“

„Rinnt der Schlauch, immer zuerst das Ventil untersuchen.“

Vom Übernachten

„Beim Übernachten in einer Sennhütte leistet ein kleiner Bohrer, den man als Kleiderhaken in einen Balken schraubt, gute Dienste.“

Vom Photographieren

„Drei Dinge nie vergessen: Zeit, Blende und Distanz einstellen.“

Allerhand

„Ein Zündhölzchen ist fünf Zentimeter lang, das bedeutet bei Kartenmassstäben

1: 25000 = 1,25 unkm = eine Viertelstunde, bei 1 : 50000 = 2,5km = eine halbe Stunde. Merk dir das.“

„Auch Buben sollen Knöpfe annähen können. Bei der Mutter einen Kurs absolvieren.“

Zugegeben, ein paar Tipps sind ein bisschen angestaubt und sind dadurch durchaus amüsant zu lesen, aber alles negieren sollte man es trotzdem nicht.

In diesem Sinne, geschätzte Leser; Auf zum frohen Wandern!

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20. August 2013

Die Steigung

by Josef Beda

An einem kürzlich stattgefundenen Treffen mit mir bestens bekannten Menschen, alle ausgestattet mit qualifizierter Anstellung, einem fundierten Allgemeinwissen und hervorragendem Spezialwissen in ihren jeweiligen Berufen, diskutierten wir gemeinsam über den Begriff der Steigung und wollten diese an einem Beispiel definieren. Dieses Unterfangen führte uns dann nach nicht ganz erfolgreichen Diskussion zur Fragen wie: «Wissen wir, die Personen in unserer dieser Gruppe die Lösung nicht eindeutig, macht man sich überhaupt Gedanken über die Definition der Steigung, oder nimmt man Gegebenes einfach so zur Kenntnis, ohne sich genauer um das »Eingemachte« zu kümmern?»

Wie auch immer. Wie eingeläutet, unser Thema war die Steigung einer Strasse, eines Weges oder eines Eisenbahntrasses in Prozentangabe und deren Interpretation an einem bestimmten Beispiel: Ist ein Höhenunterschied von 100 Meter bezüglich einer Strecke von 1000 Meteren steil oder nicht? Zuerst diskutierten wir die mathematische Definition der Steigung. In der Planimetrie, einem der vielen Teilgebiete der Mathematik, welche sich mit metrischen Problemen in der ebenen Geometrie beschäftigt, ist die Steigung als Winkel zwischen der längsten Seite und der diesem Winkel anliegenden Seite eines rechtwinkligen Dreiecks festgelegt. Durch Umstellung der entsprechenden Gleichung folgt für den eingeschlossenen Winkel, den wir mit α bezeichnen wollen:

Steigung in Winkelgrad:

tan α = Gegenkathete : Ankathete          

⇒          α = arctan (Gegenkathete : Ankathete)

 

Blog

 

Im Kartesischen Koordinatensystem ist die Steigung einer durch den Ursprung – den Schnittpunkt der x-Achse mit der auf ihr senkrecht stehenden y-Achse – verlaufenden Geraden definiert als:

m = Δy / Δx

Das heisst, jedem Wert von x wird eindeutig ein Wert für y zugeordnet:

y = mx =  (Δy / Δx) · x

 

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Der gemäss Guinness-Buch steilste Strassenabschnitt der Welt liegt in Neuseeland. Die 350 Meter lange Strasse mit dem Namen »Baldwin Street«, weist eine maximale Steigung von etwa 19° auf. Wenn man etwas über diese Angaben philosophiert, stellt sich schon Mal die erste Frage: Was ist die Länge der Strasse? Betrachten wir das Dreieck, wissen wir dann, ob mit der Strassenlänge die Projektion der steigenden Strecke auf die Horizontale, oder die Strecke selber gemeint ist?

Die uns bekannten Strassenschilder, welche die Steigung einer Strasse in Prozenten angeben, liefern uns die nächsten Fragen: Was bedeutet die im nachstehenden Verkehrszeichen angegebene Steigung von 12%? Wie gross ist der Winkel α, und was wäre dann eine Steigung von 100%?

steigung

Im Strassenverkehr und vielfach im Alltag auch, versteht man unter Steigung die prozentuale Steigung, die sich als Quotient aus dem Höhenunterschied und der horizontalen Distanz ›AB‹ zwischen zwei Punkten A und B berechnen lässt:

Steigung in Prozenten:

(Höhenunterschied : Horizonaldistanz) · 100%

Diese Angaben stimmen mit der mathematischen Definition überein. Der Höhenunterschied entspricht im rechtwinkligen Dreieck der Gegenkathete des gemessenen Winkels und die Horizontaldifferenz ›AB‹ zwischen den Punkten A und B der diesem Winkel anliegenden Seite: der Ankathete.

Eine Steigung von 12% bedeutet, dass auf die Horizontaldistanz ›AB‹ von 100 Metern ein Höhenunterschied von 12 Metern zu überwinden ist:

(12 m : 100 m) · 100% = 12%

Eine Steigung von 100% bedeutet demnach, dass auf einer Horizontaldistanz von 100 Metern auch die Höhe um genau 100 Meter zunimmt:

(100 m : 100 m) · 100% = 100%.

Die hundertprozentige Steigung entspricht dem Winkel α von:

arctan α (100 : 100) = arctan 1 = 45°!

Die Steigung von 19° der Baldwin Street entspricht umgerechnet einer prozentualen Steigung von zirka 35%. Und, wenn man die entsprechenden Bilder anschaut, dann sieht dies schon recht »strub« aus. Aus diesen Sachverhalten kommt man zum Schluss: Eine senkrechte Steigung ist nicht definiert, denn:

Bei der prozentualen Darstellung:

Steigung = (Höhenunterschied : Horizonaldistanz) · 100%

wäre die Horizontaldifferenz ›AB‹ zwischen den Punkte A und B gleich Null – und etwas durch Null gibt im Volksmund unendlich im mathematischen Sinn ist dies nicht definiert. Im Kartesischen Koordinatensystem wäre

Δx = 0

Dies liefert für die für die Gleichung

m = Δy / Δx

ebenfalls keine Lösung. Im Dreieck ist dies »von Auge« schon nicht möglich, weil alle drei Dreiecksseiten zu einem Strahl zusammen fallen.

Die »Steigung« ist in diesem Fall eben dann die Senkrechte!

Und wie rechnen sich die beiden Angaben gegenseitig um? Da die prozentuale Definition nebst dem Multiplikator »100%« der mathematischen Definition entspricht ist die Umrechnung einfach. Man braucht allerdings ein Hilfsmittel – eine Tabelle, ein Handy mit Rechneroptionen oder einen Taschenrechner um den Arcus des Tangens des Winkels α zu bestimmen. Man lässt bei der prozentualen Darstellung den Multiplikator 100% weg – das heisst man teilt den gegebenen Ausdruck durch 100% und stellt die Zahl als Dezimalstelle dar. Diese Zahl entspricht dem Tangens des Winkels α:

((Höhenunterschied : Horizonaldistanz) · 100%) / 100%

= Höhenunterschied : Horizonaldistanz = Δy / Δx = tan α

Eine Steigung von 12% wie sie in oben abgebildeter Tafel angegeben ist bedeutet: Höhenunterschied : Horizonaldistanz = 0,12; Dies ist der Tangens des Winkels. Durch Nachschauen erhält man den Winkel von ungefähr 6,84°.

 

Bild-Quellen:
Bild A: JBS
Bild B: JBS
Bild C: Internet (ohne Angabe des Eigners)

 

 

19. August 2013

De Zwölfischlegel und Simon Gfeller

by Sara Grob

An unserer Familienweihnachtsfeier pflegte mein Vater die Tradition uns jeweils eine Weihnachtsgeschichte vorzulesen. Eine Geschichte, die wir immer sehr gerne hörten war „Zwölfischlegels Weihanchtsfeier“ von Simon Gfeller. Ich habe mich deshalb sehr gefreut als ich heute bemerkte, dass diese Geschichte im Buch „Geschichten aus dem Emmental“ von Simon Gfeller enthalten ist.
In dieser berührenden Geschichte erzählt Gfeller, wie ein Vagabund, der Zwölfischlegel genannt wird, ein unvergleichliches Weihnachtsfest erlebt. Er darf auf einem Bauernhof im Stall übernachten, erhält eine Suppe und durch die Beharrlichkeit der Kinder darf er sogar den Weihnachtsbaum betrachten. Vom Christkind erhält er gar einen Bärenlebkuchen, die Kinder teilen ihre Knabbereien mit ihm und die Wirtin schenkt ihm schlussendlich ein Paar alte, aber noch brauchbare Schuhe und frischangestrickte Strümpfe. Der Knecht des Bauernhofs füllt auch noch das Schnapsfläschchen von Zwölfischlegel frisch auf.
„Als die Kinder und Dienstboten zur Ruhe waren und der Bauer die Türen schloss, hörte er den alten Vagabunden singen. Es mochte wohl ein Lied sein, das ihn noch die Mutter gelehrt hatte.“
Zwei Monate nach diesem Christfest starb Zwölfischlegel im Spital. Der Bärenlebkuchen, den er vom Christkind erhalten hatte, begleitet ihn auf seinem letzten Weg…

Es ist eine traurige aber auch schöne Geschichte. Wenigstens hat Zwöflischlegel vor seinem Tode noch so viel Menschenliebe erlebt.

Durch eine Suchmaschine habe ich einen Artikel der Bernerzeitung gefunden, der sich mit Zwölfischlegels Weihnachtsfeier beschäftigt. Diese Geschichte basiert nämlich auf einem Schulaufsatz den Simon Gfeller von einem Schüler erhielt. Lesen Sie den Artikel hier

Simon Gfeller wurde am 8. April 1868 im „Zuguet“ (ein Einzelhof, der zur Gemeinde Trachselwald gehörte) geboren und wuchs in bäuerlichen Verhältnissen auf. Er machte die Ausbildung zum Lehrer am Seminar Hofwil bei Münchenbuchsee. 1910 erschien das erste Buch von Gfeller, „Heimisbach“ ein Roman aus dem bäuerlichen Leben, in dem er entschieden gegen die Trunksucht antrat. Es war das erste Buch im Emmentaler Dialekt und wurde ein voller Erfolg. 1929 liess er sich pensionieren um mehr Zeit zum Schreiben zu haben. Von der Universität Bern erhielt er 1934 die Ehrendoktorwürde. Am 8. Januar 1943 starb Simon Gfeller.

Im Roman „Heimisbach“ beschrieb Gfeller die Landschaft so exakt, dass man erkannte, dass es sich um die Landschaft Dürrgraben handelte. Am 100. Geburtstag des Dichters (1968) und 25 Jahre nach seinem Tod änderte die Talschaft Dürrgraben ihren Namen offiziell in Heimisbach, um den Dichter zu ehren. Im alten Schulhas Thal, wo Gfeller selbst die Schulbank drückte, besteht seit 1970 eine Gedenkstube. 1975 wurde die Simon Gfeller Stiftung gegründet, die sich um die Erhaltung des Nachlasses sorgt und kulturelle Anlässe in der Gemeinde organisiert. Hier finden Sie die Webseite von Trachselwald / Heimisbach.

16. August 2013

Politik im Kinderbuch

by Gabriel Weber

Im Magazin von Buchplanet bin ich auf ein Buch von Janusz Korczak gestossen, mit dem Titel „König Hänschen I.“. Ich hatte zuvor noch nie etwas davon gehört, doch der Autor reizte mich. Janusz Korczak, mit bürgerlichem Namen Henryk Goldszmit, war seinerzeit Leiter des jüdischen Waisenhauses in Warschau. 1942 ging er freiwillig mit seinen Zöglingen nach Treblinka in die Gaskammer…
„König Hänschen I.“ ist ein besonderes Werk. Es enthält nämlich eine eindeutige politische Komponente und ist von einer Ernsthaftigkeit, wie man sie in einem Kinderbuch kaum erwarten würde. Der kleine Prinz Hans, genannt Hänschen, muss, obwohl noch ein kleiner Junge, nach dem Tod seines Vaters den Thron besteigen. Während seine Minister regieren, verbringt er eine einsame, hauptsächlich von Lernen erfüllte Kindheit, bis er eines Tages, unterstützt von seinem Freund Fritz, einen Befreiungsschlag wagt: Hänschen nimmt inkognito an einem Krieg gegen die Nachbarländer teil, den sein Reich schliesslich gewinnt. Durch dieses Kriegserlebnis quasi im Schnellverfahren „erwachsen“ geworden, nimmt Hänschen anschliessend die Zügel der Regierung selbst in die Hand. Er hat die besten Absichten, muss aber bald feststellen, dass es auch in der Politik fast unmöglich ist, es allen recht zu machen. König Hänschen bemüht sich redlich, kann aber nicht verhindern, dass sein Land schliesslich in eine ernsthafte politische Krise gerät. Als sich zu guter Letzt auch noch das Ausland einmischt und Hänschen erfahren muss, dass sein einstiger Kriegskamerad und engster Vertrauter Fritz ihn hintergangen hat, scheint die Katastrophe unausweichlich…
„König Hänschen I.“ (in Polen offenbar bis heute ein Klassiker) scheint mir ein gutes Beispiel dafür zu sein, dass auch Literatur „nur“ für Kinder durchaus ernst zu nehmende Literatur sein kann. Obgleich stellenweise – nach heutigem Verständnis – politisch völlig unkorrekt, ist es doch eine glänzende Parabel.

13. August 2013

Geteilter 13. Ort feiert Gemeinsam

by Josef Beda

Nach der Gründung der Eidgenossenschaft im Jahr 1991 durch die drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden, gesellten sich in den Jahren 1332 bis 1352 fünf weitere, 1481 zwei weitere und im Jahr 1481 nochmals zwei Orte zur Eidgenossenschaft. Zwölf Jahre später wurde durch die Aufnahme des der Eidgenossenschaft Zugewandten Ortes Appenzell in das Bündnis die damals aus zwölf Orten bestehenden Eidgenossenschaft zur Dreizehnörtigen Eidgenossenschaft. Beinahe dreihundert Jahre lang wurden in dieses Bündnis, welches unter dem Begriff »Alte Eidgenossenschaft« in die Geschichtsbücher Einzug hielt, keine weiteren Orte aufgenommen.

Aufgrund der Gegenreformation teilte sich der Kanton Appenzell im Jahr 1597 – im Frieden wohlbemerkt – in zwei eigenständige Kantone, in den römisch-katholischen Appenzell Innerrhoden und in den evangelisch-protestantischen Appenzell Ausserrhoden.

In diesem Jahr feiern sie jedoch zusammen, die beiden Appenzell. –  Sie feiern das ganze Jahr an verschiedenen Orten mit ganz unterschiedlichen Anlässen ihr Jubiläum der 500-jährigen Zugehörigkeit zur Schweizerischen Eidgenossenschaft; dies unter dem Motto: WIR FΛIΛRN

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Mehr Informationen zu all den Feierlichkeiten erfährt man beispielsweise unter der eigens dafür eingerichteten Webside. Und Lesestoff bieten die beiden Kantone eine ganze Menge: wenn Sie im Feld Schnellsuche unseres Online-Shops für »Gebrauchte Bücher« den Begriff Appenzell eingeben, werden Sie entdecken, wie vielfältig und eigenständig sich diese beiden Stände, der Kanton Appenzell Innerrhoden und der Kanton Appenzell Ausserrhoden präsentieren können.

 

Bild-Quelle:
Bild A: http://www.arai500.ch

12. August 2013

Tagebuch von 1945

by Sara Grob

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Beim Sortieren fand ich heute eine kleine Taschenagenda „Ärzte-Jahrbuch 1935“. Ich vermute aber, dass diese Agenda nie von einem Arzt benutzt wurde. Ich nehme an, dass die Agenda zuerst durch eine Frau benutzt wurde und später von einem Bauernkind als Tagebuch verwendet wurde. Meine Vermutung stützt sich auf diese zwei Zeitungsschnipsel, die ich im Buch gefunden habe und auf die Einträge, die ich weiter unten zitiere.

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Es hatte auch einige handschriftliche Eintragungen im Taschenkalender. Die ersten Eintragungen sind in einer zierlichen Frauenschrift mit Tinte geschrieben. Ich werde ein wenig daraus zitieren:

Am Dienstag dem 30. November den schwarzen Konfirmandenstoff gekauft 3m à 15 Fr = 45.-

1937 in den Herbstferien in St. Gallen gewesen. Sie dauerten 2 Wochen. Es war sehr schön. In der ersten Woche war gerade St. Galler Jahrmarkt. Ich ging alle Tage dorthin. Wir gingen in Kinos und an andere Vergnügen. René kam alle Tage mit und Frl. Lina. Dort lernte ich Tante Frieda von Zürich kennen. Wir unternahmen alle Tage grössere Spaziergänge. Abends war es noch sehr schön im Stadtpark. Da trafen wir oft sehr viel Bekannte und andere Leute. Ich kam auch mit dem Café Gschwend in Verbindung. Dort sind 30 Angestellte. Könnte auch dorthin gehen als Ladenfräulein oder zum Servieren. Abends war es immer fidel und lustig. René wusste immer etwas zu erzählen. Herr und Frau Steiger wurden abends oft zum Tee eingeladen. Es war sehr nett. Die Ferien leben hoch! hoch! hoch!

Die weiteren Eintragungen sind in einer nicht so leserlichen Schrift verfasst und mit Bleistift geschrieben. Aufgrund des Inhaltes vermute ich, dass diese Eintragungen von einem Kind geschrieben wurden. Sehr empfehlenswert: der Eintrag vom 8. Mai 1945.

Ich zitiere:

6. November 1944 finden wir Heu an zu füttern.

4. Dezember 1944 Ernst fing Bäume an zu schneiden

13. Dezember 1944 Weihnachtsgeschenk ein Wasserwaage für mein Vater

16. Dezember 1944 Vogt muss die Stalldecke verputzen

17. Dezember 1944 Auf Weihnachten kaufte ich für Mutter eine Schürze

18. Dezember 1944 Roggen abgegeben

19. Dezember 1944 Güllen

20. Februar 1945 Heute müssen wir den Miggi töten. aber sehr ungern. ein liebes Pferd

21. Februar 1945 Pferde Stall reinigen

24. Februar 1945 Noch Mosten d. Äpfel v. 1944, Saften!

24. Februar 1945 Das Pferd auf d. Bahnh. abgeholt

26. Februar 1945 Wursten. Rauchwürste

27. Februar 1945 Pflügen!

9. März 1945 Ich gehe zum Zahnartzt

12. März 1945 Bäume spritzen

13, März 1945 Tannen fällen

15. März 1945 Hafer ansähen

21. März 1945 Güllen f. die Pumpe wird mondiert

22. März 1945 Angefangen Röhren legen

8. Mai 1945 Frieden ersent. Krieg 6 Jahre

13. Mai 1945 Klärli nach Kreuzlingen eine Stelle

1. April 1946 Pferde beschlagen

16. April 1946 Hanf gesäht u. Miesl darüber

19. April 1946 Karfreitag. Konfirmation. Eugen fährt Auto. Gotte 3 Tage bei uns. Schöne Konfirmation. Von der Gotte bekam ich als Zetzi eine schöne Uhr auf die Konfirmation. 1 Wecker bekam ich auch geschenk und anderes Zeug.