Blog von buchplanet.ch | gebrauchte Bücher zu unschlagbaren Preisen

Die Tochter aus angesehenem Hause

von Simone Gröbli

Wie Sie sich geschätzte Leser erinnern mögen, erfasse ich im buchplanet in ausreichendem Masse Schweizer Autoren. Da tauchen die bekannten Grössen wie Frisch, Dürrenmatt Sutter oder Eveline Hasler oder Milena Moser auf. Aber es gibt nicht nur die üblichen Verdächtigen der Schweizer Literaturszene, sondern mir fallen auch solche Bücher von Schweizer Schriftsteller in die Hände die auch ohne ihre Werke auf mich eine seltsame Faszination ausüben. In diese Kategorie gehört Annemarie Schwarzenbach.

Bekannte Bücher von ihr? Da muss ich lange überlegen. In gewisser Weise vielleicht „Tod in Persien“, Alternativtitel: „Das glückliche Tal“, das wie das meiste von ihr sehr starke autobiographische Züge beinhaltet. Vielleicht zählt auch das Buch über den Expeditionsbergsteiger Lorenz Saladin dazu. Aber was berührt und macht mich gleichzeitig auch neugierig auf diese Frau?

Vielleicht liegt es an der Tragik ihres kurzen Lebens. Dieses Leben, das am 23. Mai 1908 mit den besten aller Voraussetzungen begann. Hineingeboren in einer der bekanntesten und reichsten Familien der Schweiz (der Vater Alfred Emil einer der grössten Textilfabrikanten der Welt, die Mutter eine geborene Wille, somit Tochter des Schweizer Generals im 1.Weltkrieg Ulrich Wille, was sie, wie ihr Biograph und Urenkel Alexis Schwarzenbach anmerkte, auch immer betonte) war Annemarie geradezu prädestiniert dafür, das Leben einer reichen und sorgenfreien höheren Tochter zu leben. Und zuerst verlief es in diesen Bahnen und sogar noch vielmehr. Mit nur 23 Jahren promovierte sie mit einer Arbeit zur „Geschichte des Oberengadins im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit.“ Sie wurde also zu einer Dr. phil. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits ihre ersten journalistischen und literarischen Texte verfasst und veröffentlicht Und in dieser Richtung ging Annemarie Schwarzenbach weiter. Es erfolgte kurz nach ihrem Studiums-Abschluss  die erste Buchveröffentlichung. „Freunde um Bernhard“. In diesem Jahr 1931 begann aber auch die Abwärtsspirale der Annemarie Schwarzenbach. Die begann sich abwärts zu drehen, als sie sich öfters in Berlin aufhielt und einem der bekanntesten Geschwisterpaare, Erika und Klaus Mann über den Weg lief. Sie schloss die ersten Bekanntschaften mit Morphium und ihre schon anstrengende Beziehung zu ihrer Mutter wurde, auf Grund deren Haltung zum Faschismus noch komplizierter. Aber auch andere Familienmitglieder der Schwarzenbachs und Willes bejahten eine Annäherung der Schweiz an das braune Deutschland. In Annemaries Umfeld hingegen waren etliche jüdische und politische Emigranten vorhanden.

Und sie selber wurde immer mehr zu einer Heimatlosen und genauso stiegen ihre Süchte. Ab 1933 reiste Annemarie Schwarzenbach in verschiedene Länder sei es mit Klaus Mann, dessen Exilzeitschrift sie finanziell unter die Arme griff oder mit der Fotografin Marianne Breslauer, die neben vielen anderen Fotos,  mithin das bekannteste Foto der Schwarzenbach produzierte.

tumblr_lgb10nWUro1qbeumgo1_500

Weiter ging es nach Persien oder in Begleitung wiederum von Klaus Mann nach Moskau zum Kongress der sowjetischen Schriftsteller.

1935 ein bürgerliches Statement; Trotz ihrer Hingezogenheit zu Frauen heiratete Annemarie Schwarzenbach den französischen, zur Homosexualität neigenden Diplomaten Clarac. Aber zur braven Diplomatengattin taugte die Schwarzenbach nicht.

Es folgte der erste Entzugsversuch und weitere Reise. Eine für die damalige Zeit (1939) eine Spektakuläre. In Begleitung von der Schriftstellerkollegin Ella Maillart fuhr sie mit einem Kleinauto Marke Ford nach Afghanistan. Dabei durchfuhren die beiden Frauen Istanbul, Trabzon und Teheran. Annemarie wurde in Kabul krank, sie trennte sich von ihrer Begleitung und landete in den USA. Dort machte sie die Bekanntschaft der Schriftstellerin Carson McCullers. (McCullers verliebte sich in Annemarie, aber es blieb eine einseitige Herzensangelegenheit). Aber ihr Aufenthalt in den Staaten war vor allem auch durch ihre Sucht, Depressionen, Selbstmordversuche und die damit einhergehende psychiatrische Behandlung geprägt

Belgisch-Kongo war das nächste Ziel von Annemarie Schwarzenbach, weiter ging es 1942 nach Lissabon, wo sie, die aus den USA ausgewiesene deutsche Journalistin, Margret Boveri kennen lernte. Eine Gemeinsamkeit hatten die beiden. Aufgrund ihrer deutschsprechenden Herkunft mussten beide Frauen wegen des Krieges Diskriminierungen erleiden. Und dann war ja immer noch ein Ehemann da: der wurde von Annemarie auf die Rückseite in die Schweiz im Juni 1942 besucht.

In die Schweiz zurückgekehrt versuchte sie ihrer Drogensucht Herr zu werden, als Rückzugsort von all den Unbilden der Zeit diente ihr dabei Sils Maria im Engadin. Genau an diesem Ort stürzte Annemarie Schwarzenbach im September 42 mit ihrem Fahrrad und verletzte sich  schwer am Kopf. Auf Grund einer Fehldiagnose (die schwere Gehirnerschütterung wurde nicht erkannt, man sprach von Entzugserscheinungen) und einer Komaphase starb Annemarie Schwarzenbach im November gleichen Jahre mit nur 34 Jahren.

Das ist also Annemarie Schwarzenbach, die Tochter aus angesehenem Hause. Wenn Sie, geneigte Leser neugierig geworden sind was das literarische Schaffen betrifft, der buchplanet hat das mithin vielleicht bekannteste Werk Schwarzenbachs im Angebot;

Urs

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.