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Gedanken zur Entwicklungshilfe/-politik

von Simone Gröbli

Geschätzte Blog-Leser

Ich muss es zugeben, heute habe ich mich schwergetan ein Thema für meinen Beitrag zu finden.

Demzufolge „studieren und grübeln. Dann der Gedankenblitz, das mir letzthin beim Stöbern im buchplanet-Online Shop ein Buch über die Entwicklungshilfe aufgefallen ist. Deshalb aufgefallen weil dieses Buch keine Lobhudelei über die humanitäre Hilfe ist, sondern kritisch diese Hilfe beleuchtet. Und genau dieser Thematik habe ich mich vor zirka  zwei Jahren bei einer journalistischen Schreibprobe gewidmet. Diese Abhandlung möchte ich Ihnen, geneigte Blog-Leser, nun präsentieren

Noch ein kleine Anmerkung; Es werden in diesem Beitrag Länder und Ereignisse benennt, die nicht mehr so im Fokus des Weltgeschehens stehen mögen, deswegen sind  aber ihre Belastungen und Auseinandersetzungen jeglicher Art nicht kleiner geworden.

Ein kritischer Blick auf die Entwicklungspolitik

Die Zahl der hungernden Menschen beläuft sich zurzeit auf 925 Millionen, von denen wiederum leben 98% in Entwicklungsländern.

Ein Land mit dieser Einwohnerzahl würde als Drittgrösstes der Erde zählen. Seit der Antrittsrede von Harry S. Trumans 1949 besteht für diese 925 Millionen ein Instrument namens Entwicklungspolitik.

Wie wirksam aber ist diese Entwicklungspolitik? Wieso greifen die „staatlichen Programme, die die politische, wirtschaftliche und soziale Situation in unterentwickelten Staaten verbessern sollten“, nicht.

Dass diese Fragen mehr als nur berechtigt sind, zeigt die aktuelle Situation auf. Die Nachrichten von den rund 13 Millionen Hunger leidenden Menschen am Horn von Afrika mögen nach dem obligatorischen Entsetzensschrei vom Euro-Debakel überlagert werden, aber sie zeigen wieder einmal mehr die Problematik der fremden Hilfen auf.

Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, Hunger und Elend zu bekämpfen. Aber diese humanitäre Hilfe hat sich, weil auch die Bedeutung der Menschenrechte wächst, zu einer weltumspannenden Ideologie entwickelt. Gerade die aktuelle Situation in Aeygpten oder Lybien zeigt die Zwiespältigkeit dieser Globalisierung auf. Völker die sich vom Joch der Diktatur befreien oder ethnische Minderheiten die sich erheben, das erzeugt weltweite Sympathien. Die Kehrseite dieser Aufbegehrungswellen bringen aber Krieg und Elend.

In den fünfziger und sechziger Jahren herrschte unter den Wirtschaftswissenschaftlern die Ansicht, mit Kapital und Investitionen lasse sich die chronische Armut bekämpfen. Das Resultat für die westlichen Länder war ernüchternd; die Schere zwischen Arm und Reich ging noch weiter auf. Diese wachsende Kluft gab den Geberstaaten mit dem Argument: Humanitäre Hilfe „arbeite“ nicht den Anlass, die weisse Fahne zu hissen.

In unserer Zeit wird zunehmend ein kurzfristiges Engagement was die politische, ökonomische und sozialpolitische Situation anbelangt favorisiert. Genauso herrscht bei der Notwendigkeit der Hilfe ein Ungleichgewicht. 1999 empfing der Kosovo fünfmal mehr Hilfsmittel als Angola und der Sudan.

Aber nicht nur die Ungleichmässigkeit bei der Verteilung der Hilfsmittel und Hilfsgüter ist ein Problemfeld. Auch deren Weiterleitung in die richtigen Kanäle ist eine Herausforderung

Fehlanwendungen, Unterschlagungen und Missbrauch der Hilfsmittel sind vermutlich unvermeidlich, aber die Grössenordung die davon betroffen ist, als blosse Nebenwirkung ab zu tun, ist blauäugig.

Nachfolgend zwei konkrete Beispiele aus der näheren Vergangenheit, die aufzeigen was „verloren gegangene Hilfsgüter“ bewirken können.

Im jugoslawischen Bürgerkrieg wurde etwa die Hälfte der Hilfsmittel veruntreut. Die Profiteure waren die entstehenden lokalen Mafiagruppen, deren Bestreben es natürlich war, den Krieg so lange wie möglich zu verlängern.

Entwicklungshilfe verstärkt die Vorherrschaft lokaler Kriegsherren. Ein Muster für diese These liefert Ruanda.

Die dortige humanitäre Hilfe baute auf lokale Kapazitäten, also auf die vorhandenen Führungsstrukturen in den Flüchtlingslagern. Die Hilfsmittel linderten eben nicht nur Hunger, Not und Elend, sondern ermöglichten auch Tätergruppen sich zu reorganisieren und neue Massaker, wie zum Beispiel den Völkermord an ungefähr 800`000 Tutsis zu starten Die meisten Hilfsorganisationen setzten trotz dieser entsetzlichen Vorkommnisse unbeirrt ihre humanitäre Arbeit in den Lagern fort. Mit einem unabhängigen Partner, der keine Unterstützung vom Staat benötigt hätte, wäre die Entwicklungshilfe in die richtigen Bahnen gelenkt wurden. Aber nicht nur die humanitäre Hilfe hätte wirkungsvoller sein können. Der kanadische General Romeo Dallaire tat 1994 folgende Aussage: „Bei einer rechtzeitigen Entsendung von UN Truppen hätten die meisten Tötungen in Ruanda verhindert werden können.“

Humanitäre Hilfe kann aber auch vereinfachen. Ob Täter oder Opfer, jeder bekommt Unterstützung, aber komplexe Gruppen werden eher stiefmütterlich behandelt. Es gibt eine einfache Formel, die lokale Bevölkerung ist schwach, hilflos und farbig, während die Retter tapfer, grosszügig und weiss sind. Für einige Kritiker ist dieses Modell der Humanität mit Rassenattitüden behaftet.

Die Entwicklungshilfe sollte vollständig eingestellt werden. Diese provokante Ansicht vertritt der kenianische Wirtschaftsexperte James Shikwati. Seine Begründung lautet: „Hilfsgelder dienen zur persönlichen Bereicherung und Sachhilfen wie Kleider- und Lebensmittelspenden würden die örtlichen Märkte zerstören“.

Eines scheint sicher: Für eine effektive Hilfe braucht es unabhängige, altruistische nichtstaatliche Organisationen. Das ist die Theorie, die Wirklichkeit zeigt immer wieder Verbindungsstränge von privaten Hilfswerken zu Regierungen. In Extremfällen werden sie Sekundanten bei militärischen Aktionen. Der ehemalige amerikanische Aussenminister Colin Powell höchstpersönlich hat das mit seiner umstrittenen Aussage: „Nichtstaatliche Organisationen seien Verstärkung für die USA“, bestätigt.

Distanzierung ist wünschenswert und auch möglich, aber auch für private Hilfswerke gilt dasselbe Prinzip wie für Menschen. Die Zuverlässigkeit als Partner und damit das einhergehende Renommee bedeutet viel.

Zum Ende geschätzt Blog Leser noch der Hinweis zum Buch, das mich veranlasst hat, den obigen Artikel hervor zu holen

Urs

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